Die Verhandlung gegen den 45-Jährigen vor dem Landgericht Limburg soll am 29. Juni zu Ende gehen.
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Die Verhandlung gegen den 45-Jährigen vor dem Landgericht Limburg soll am 29. Juni zu Ende gehen.

Prozess um Kindesmissbrauch

Limburg: Vater soll eigene Kinder missbraucht haben

45-Jähriger aus Selters gesteht vor dem Limburger Landgericht, seine vier Töchter zum Oralverkehr gezwungen zu haben.

Limburg/Selters -Über mehrere Wochen zieht sich bereits ein Prozess vor der ersten großen Jugendkammer des Limburger Landgerichtes. Verhandelt wird ein Fall des schweren sexuellen Missbrauchs, bei dem ein 45 Jahre alter Mann aus Selters seine vier Töchter über mehrere Jahre hinweg zum Oralsex gezwungen zu haben soll. Zudem soll er seinen Sohn körperlich misshandelt haben. Ihn soll er mit einem Stromkabel verletzt und ein heißes Feuerzeug auf die Hand gedrückt haben.

Die Vergehen an seinen Töchtern sollen zwischen 2008 und 2016 stattgefunden haben, jeweils, als sie etwa vier Jahre alt waren. Erst Jahre später hat ihn seine älteste Tochter angezeigt. Nun sitzt der Mann seit November 2019 in Untersuchungshaft.

An allen drei bisherigen Verhandlungsterminen wirkte der Beschuldigte völlig teilnahmslos, starrte meistens ohne jegliche Gefühlsregung vor sich hin. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe hat er bestätigt, ein Schuldbewusstsein scheint aber zu fehlen.

"Unsere Beziehung war am Anfang sehr schön", sagte seine Ex-Frau, die Mutter aller Kinder, vor Gericht. Dann aber sei er immer komischer geworden, habe ab 2008 nicht mehr gearbeitet und zu Hause an allem rumgenörgelt. Um die Erziehung der Kinder habe er sich nicht gekümmert. 2012 hatte sie sich von ihm getrennt, er wohnte aber weiter in der gemeinsamen Wohnung.

Ex-Frau hat nichts

mitbekommen

Von seinen Handlungen an den Kindern habe sie nichts mitbekommen, sagte die Ex-Frau. Erst 2016 habe ihre älteste Tochter ihr gegenüber Andeutungen gemacht, dass er sie angefasst habe. "Weil sie da in einem ganz schwierigen Alter war und mich oft belogen hat, habe ich ihr nicht geglaubt. Dafür mache ich mir heute große Vorwürfe", sagte sie.

Was tatsächlich geschehen war, erfuhr sie 2019 nach einem Anruf der Schule ihrer Töchter. Das älteste der vier Mädchen hatte sich einer Vertrauenslehrerin anvertraut. Sie hat mehrere Suizidversuche hinter sich, in einem Arztbericht einer Klinik ist von "innerer Zerrissenheit" und "Schlafstörungen" die Rede.

Am zweiten Verhandlungstag wurden Zeugen befragt. Zwei Lehrer und eine Lehrerin der ältesten Tochter, die seit dem Kindergartenalter neun Jahre lang die Übergriffe ihres Vaters erdulden musste, haben ausgesagt. Außerdem die ermittelnde Beamtin der Limburger Kriminalpolizei sowie Richterin Carolin Löw, die eine Befragung aller fünf Kinder vorgenommen hatte. Alle Aussagen waren im Kern in etwa deckungsgleich mit den Vorwürfen, die der Angeklagte bereits eingeräumt hatte.

"Ich hatte den Eindruck, dass eine Last von ihr abgefallen ist", berichtete der Klassenlehrer des Mädchens. Ihre Leistungen hätten immer mehr nachgelassen, seien schließlich extrem abgesackt. "Das Mädchen war bedrückt, aber damit, was sie mir erzählt hat, habe ich nicht gerechnet", gab er zu Protokoll.

Bereits gegenüber der ermittelnden Kriminalbeamtin hatte der Angeklagte die Vorfälle bestätigt. Bei einer Hausdurchsuchung habe die Polizei im Keller das Stromkabel gefunden, mit dem der Angeklagte mutmaßlich seinen Sohn verletzt habe. An einem Ende lagen die Leitungen frei, so dass er den Sohn, als er das Kabel in die Steckdose gesteckt habe, verletzte. Den Angeklagten schilderte die Kriminalbeamtin als sehr einfach strukturierten Mann. "Er hat es nicht als schlimm empfunden, was er seinen Kindern angetan hat", sagte sie.

Richterin Löw berichtete im Zeugenstand, dass laut den Aussagen aller Kinder davon auszugehen sei, dass es bei der ältesten, mittlerweile 15 Jahre alten Tochter mehrere Taten, manchmal bis zu dreimal pro Woche, über einen Zeitraum von neun Jahren, gegeben habe. Bei den anderen Mädchen seien es wohl jeweils einmalige Handlungen gewesen.

Am dritten Verhandlungstag legte der Sachverständige Rainer Gliemann, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aus Gießen, ein forensisch-psychiatrisches Gutachten vor. Darin skizzierte er den Angeklagten als naiv und zurückgeblieben. Zwar habe er keine auffällige Persönlichkeitsstörung, sei aber sehr auffällig, habe bisweilen eine sehr infantile Sicht auf das Leben, Beziehungen und auch Sexualität. Sein Verhalten sei nicht realitätsangemessen, als "getrieben" empfinde er den Angeklagten aber nicht.

Maßregelvollzug

statt Gefängnis

"Meiner Meinung nach liegt eine Störung der Persönlichkeit vor, Schwachsinn würde ich aber ausschließen", sagte er. Allerdings sehe er eine erhebliche Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit. Gliemann plädierte für einen Maßregelvollzug. Dort seien die Behandlungsvoraussetzungen für eine Therapie deutlich besser als im Gefängnis.

Richter Marco Schneider wollte nicht daran glauben, dass der Angeklagte sich keiner Schuld bewusst sei. Er habe bewusst Momente abgewartet, in denen seine Ex-Frau nicht zu Hause war, um sich an seinen Töchtern zu vergehen. Auch habe er ihnen verboten, darüber zu sprechen. Er unterstellte dem Mann eine pädophile Neigung.

Von Sadismus wolle er nicht reden, antwortete Gliemann auf die Frage von Staatsanwältin Michelle Krämer wegen der Misshandlung des Sohnes mit einem Stromkabel. Dabei zeige sich aber schon eine sadistische Seite, das könne man nicht anders bewerten. "Er ist aber kein Voll-Sadist", betonte der Psychiater. Erstaunlich finde er allerdings, dass die Ex-Frau das geduldet habe.

Rechtsanwältin Katja Boderke, Vertreterin der Mutter als Nebenklägerin, fragte nach einer Prognose, wenn der Angeklagte eine neue Partnerin mit Kindern finden würde. "Sie, wie auch fremde Kinder, könnten gefährdet sein", sagte Gliemann.

Die Verhandlung wird am kommenden Montag, 29. Juni, fortgesetzt. Dann ist voraussichtlich mit einem Urteil zu rechnen. Von Andreas E. Müller

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