Der vor sechs Jahren aus Syrien geflohene Majdi Abdulhalim setzt sich in seiner Ausbildung zum Steuerfachangestellten mit vielen rechtlichen Vorschriften auseinander. Christine Laux freut sich mit ihm über seine beruflichen Fortschritte.
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Der vor sechs Jahren aus Syrien geflohene Majdi Abdulhalim setzt sich in seiner Ausbildung zum Steuerfachangestellten mit vielen rechtlichen Vorschriften auseinander. Christine Laux freut sich mit ihm über seine beruflichen Fortschritte.

Geschichte mit gutem Ende

Neuer Job bei Limburg: Vom Flüchtling zum Steuerfachangestellten

Ein Geflüchteter aus Syrien findet in Limburg seine Berufung. Seine Arbeitgeberin sieht großes berufliches Potenzial bei dem 36-Jährigen.

Offheim -Der 36-jährige Majdi Abdulhalim ist dankbar. Dankbar dafür, dass er sein Leben retten konnte, dankbar dafür, dass er seine anderthalb Jahre dauernde abenteuerliche Flucht unversehrt überstanden hat, und auch dankbar dafür, Menschen wie Manuela Orth, Vorsitzende des Dehrner Vereins "Jesus Christus hilft", Reiner Trost vom Jobcenter Limburg-Weilburg und Christine Laux vom gleichnamigen Hadamarer Steuerbüro getroffen zu haben, die ihn und seine kleine Familie bei der Integration unterstützen. Heute steht Majdi vor einer beruflichen Karriere als Steuerfachangestellter. Auf diese Weise hilft der 36-Jährige nebenbei, den Fachkräftemangel in Deutschland abzumildern.

Aber der Reihe nach: Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften und einer Beschäftigung in der Universitätsverwaltung in Syrien flüchtete Majdi 2013 über den Libanon nach Ägypten. Dort suchte er sich eine Beschäftigung und wollte so lange im Nachbarland bleiben, bis sich die Lage in Syrien wieder stabilisiert. Nach anderthalb Jahren musste er das Land am Nil verlassen und seine Flucht in die Türkei und von dort weiter mit dem Schlauchboot über das Mittelmeer fortsetzen. Über den Balkan, Ungarn und Österreich erreichte er im September 2015 schließlich deutschen Boden. Zusammen mit der im Rahmen der Familienzusammenführung nachgereisten Familie lebt er seither in Offheim. Wichtig war dem inzwischen zweifachen Familienvater, so schnell wie möglich Deutsch zu lernen und sich gesellschaftlich sowie beruflich zu integrieren.

Geflüchteter aus Syrien findet Job in der Nähe von Limburg: Chefin erkennt berufliches Talent

Nach dem Integrationskurs besuchte er auf eigene Kosten weitere Deutschkurse. Fallmanager Reiner Trost vom Limburger Jobcenter begleitete Majdi von Beginn an. "Weil ihm die fachsprachlichen, steuerrechtlichen und branchenspezifischen EDV-Kenntnisse fehlten, haben wir ihm spezifische Qualifizierungsangebote machen können, die er auch engagiert wahrgenommen hat", erinnert sich der Jobcentermitarbeiter.

Auf Vermittlung von Manuela Orth folgte ein Praktikum bei der Steuerkanzlei Christine Laux in Hadamar. Die Steuerberaterin erkannte schnell das berufliche Talent und die hohe Motivation des Syrers. "In Syrien gibt es weder unsere Steuervielfalt noch die diffizilen rechtlichen Anforderungen, die in Deutschland an das Rechnungswesen gestellt werden. Aber auch die Sprachbarriere war vor anderthalb Jahren noch eine erhebliche Hürde", so Christine Laux weiter. Um das berufliche Potenzial des Familienvaters noch weiter entfalten zu können, schlug sie dem Praktikanten und dem Jobcenter vor, Majdi zum Steuerfachangestellten auszubilden. Beide stimmten zu.

Limburg: Mann aus Syrien startet Ausbildung zum Steuerfachangestellten

In Absprache mit der Steuerberatungskammer stieg die Nachwuchskraft im Februar letzten Jahres in das bereits seit August 2019 laufende Ausbildungsjahr ein. Der Auszubildende hat im Frühjahr die Zwischenprüfung bestanden und bringt gute Berufsschulnoten mit. "Das Home-Schooling war sehr anstrengend und beim Briefeschreiben brauche ich noch öfters die Unterstützung meiner Kollegen", antwortet Majdi auf die Frage, wo er sich selbst derzeit fachlich einordnet. "Majdi macht inzwischen eigenständig die Einkommensteuererklärungen für viele unserer Mandanten, nimmt Unterlagen persönlich entgegen und besticht durch ein sehr gutes Zahlenverständnis", lässt seine Chefin das bescheidene Statement des neuen Mitarbeiters nicht stehen.

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