Als der Erste Stadtrat Dr. Heinrich Richard Anfang der 1990er Jahre die Planungen für die zweigeschossige Aufstockung des Rathausanbaus vorstellte, hätte niemand daran gedacht, dass 30 Jahre später das gesamte Gebäude zur Disposition stehen würde.
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Als der Erste Stadtrat Dr. Heinrich Richard Anfang der 1990er Jahre die Planungen für die zweigeschossige Aufstockung des Rathausanbaus vorstellte, hätte niemand daran gedacht, dass 30 Jahre später das gesamte Gebäude zur Disposition stehen würde.

Vermehrte Verwaltungsaufgaben

Limburg: Vor 50 Jahren wurde der Rathausneubau bezogen

Wechselvolle Geschichte bis zum heutigen Leerstand

Limburg -Am 25. Oktober war es genau 50 Jahre her, dass sich der an der Nordseite des alten Rathauses errichtete Neubau mit städtischen Bediensteten füllte. Damals waren es vier Geschosse. Anlass für den Erweiterungsbau wie auch für eine spätere Aufstockung waren die wachsende Bedeutung Limburgs und die dadurch auf die Stadt zukommenden vermehrten Verwaltungsaufgaben. Nicht zuletzt die 1971/72 durch die von der hessischen Landesregierung verfügte Gemeindegebietsreform ließ die Stadt um sieben eingegliederte Dörfer wachsen. Schon seit Jahren mussten damals ganze Ämter und Abteilungen in anderen Gebäuden, teils weitab vom Rathaus untergebracht werden, wodurch der Dienstbetrieb und seine Effektivität erheblich eingeschränkt waren. Deshalb hatte die Stadtverordnetenversammlung bereits im Juli 1965 den Magistrat mit der Planung der Rathauserweiterung beauftragt.

Sechs Monate später wurde ein allgemeiner Bauwettbewerb ausgeschrieben, das Gebäude schließlich für rund 1,8 Millionen D-Mark errichtet und statisch so dimensioniert, dass eine Aufstockung um drei Geschosse ohne weiteres möglich war. Im Jahr 1993 wurden sodann für 1,9 Millionen D-Mark zwei Geschosse aufgesetzt.

Gleichzeitig mit der Errichtung des Neubaus wurde vor 50 Jahren der Altbau saniert, der große Sitzungssaal erweitert und neu gestaltet sowie beide Gebäude mit einer Glasbrücke verbunden. Bis auf das Verkehrsamt, das in der Hospitalstraße verblieb, und dem Schlachthof waren nunmehr alle Dienststellen der Stadt in der Zentrale zusammengefasst. Auch ein Brand blieb dem Rathausanbau Ende der 1980er Jahre nicht erspart. Reinigungs- und Sanierungsarbeiten verschlangen 1,6 Millionen D-Mark und hatten im alten Rathaus und im Übergang zum neuen Teil den Einbau von Brandschutztüren, zusätzlich Rauchabzugsanlagen in den Treppenhäusern für insgesamt 110 000 D-Mark zur Folge.

Nach historischem Vorbild umgestaltet

2009/2010 wurde sodann der 1970 im Altbau umgestaltete große Saal für 200 000 Euro nach dem historischen Vorbild in den Zustand der Erbauung von 1898 zurückversetzt, moderne Medientechnik integriert und für eine bessere Akustik gesorgt.

Schon der 1898/99 errichtete, sechs Jahre zuvor beschlossene Altbau, war die Folge einer expandierenden Verwaltung. Das historische Rathaus am Fischmarkt 21, in dem sich heute das Kulturamt mit den städtischen Kunstsammlungen befindet, konnte dort nicht länger bleiben und zog 1865 in ein Schulgebäude am Neumarkt, bevor die Stadtverordnetenversammlung am 1. Dezember 1892 einen Neubau beschloss. Das markante Gebäude in der Werner-Senger-Straße soll nach entsprechender Sanierung im kommenden Jahr das Bürgerbüro aus dem Anbau aufnehmen.

Ein halbes Jahrhundert nach dem neuen Anbau klopft nunmehr eine andere Verwaltung an die Rathaustür. 50 Jahre sind ins Land gegangen, der Anlass ist der gleiche. Dieses Mal ist es der Kreis, der ähnlich wie seinerzeit die Stadt ausgelagerte Ämter und Abteilungen zusammenführen möchte, um vor dem Hintergrund wachsender Aufgaben Zeit und Geld zu sparen. Und das, obwohl nach dem möglichen Erwerb zunächst umfangreiche Sanierungsarbeiten erledigt werden müssen. Dem Kreis wäre daran gelegen, dort vor allem die Fachabteilungen mit regem Publikumsverkehr und ein Bürgerbüro für seine angebotenen Dienstleistungen zu etablieren. Die notwendigen Entscheidungen von Stadt und Kreis stehen noch aus.

Während die Stadt Limburg Anfang der 1970er Jahre stolz auf ihren Rathausanbau blickte, den Bürgermeister Josef Kohlmaier als bedeutenden Bestandteil des mit der 1976 eröffneten Stadthalle entstehenden Verwaltungs- und Kulturzentrums betrachtete, schwärmte die Denkmalpflege später nicht vor Begeisterung und sprach von einem Betonzweckbau, der in direkter Nachbarschaft die "ästhetische wie städtebauliche Ausstrahlung" des ursprünglich als alleinstehend geplanten (alten) Gebäudes beeinträchtige.

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