Schon seit Jahren ist klar, dass die alte Lahnbrücke saniert werden muss. Doch das bedeutet auch eine Vollsperrung für bis zu neun Monate.
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Schon seit Jahren ist klar, dass die alte Lahnbrücke saniert werden muss. Doch das bedeutet auch eine Vollsperrung für bis zu neun Monate.

Verkehr

Limburg: Wann und wie wird die alte Lahnbrücke saniert?

  • Stefan Dickmann
    vonStefan Dickmann
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Die Fugenabdichtung bereitet schon länger Probleme. Stadtverordnete müssen auch noch über Steg befinden.

Limburg -"Haben Sie sich schon mal die alte Lahnbrücke in Limburg nach der sogenannten Sanierung angesehen?", fragte uns kürzlich ein Leser per E-Mail. In der Tat, wer sich den Asphalt im Bereich der Fugen anschaut, wundert sich. "Einfach nur schrecklich, das ist ja schlimmer als vorher", schreibt der Leser weiter, "lauter Löcher, das waren keine Profis! Hoffentlich bezahlt die Stadt dafür nichts."

An einem Sonntag im April war die alte Lahnbrücke für rund zehn Stunden komplett gesperrt worden, um die Fugen erneut auszubessern, die nach der provisorischen Sanierung im vergangenen Jahr schon Risse aufwiesen. "Es geht darum, die Brücke für die nächsten Monate zu ertüchtigen", hatte die Stadt zuvor mitgeteilt - versehen mit dem Hinweis, das Tiefbauamt gehe weiterhin davon aus, im kommenden Jahr mit einer notwendigen umfassenden Sanierung des Bauwerks beginnen zu können.

Dass der Asphalt im Bereich der Fugen auf der Brücke nach der jüngsten Sanierung für den Laien optisch einen zweifelhaften Eindruck hinterlässt, räumt der Sprecher der Stadt Limburg, Johannes Laubach, ein. Aber das heiße nicht, dass bei der eintägigen Sanierung fehlerhaft gearbeitet worden sei.

"Alle schadhaften Stellen sind beseitigt"

Im vergangenen Jahr sei es zu einer provisorischen Abdichtung gekommen, "wobei mit einer aufgeklebten Bitumenbahn das weitere Eindringen von Oberflächenwasser mit Tausalz verringert werden sollte". Unter der verlegten Bitumenbahn hätten sich im vergangenen Winter allerdings Hohlräume gebildet, "die aufgefüllt werden mussten, um die Verkehrssicherheit wiederherzustellen". Ein von der Stadt beauftragtes Fachunternehmen habe deshalb sogenannten Kaltasphalt aufgetragen; ein Mitarbeiter der Straßenbauabteilung der Stadt sei dabei anwesend gewesen.

"Alle schadhaften Stellen sind zunächst beseitigt und nun wieder befahrbar", teilt der Sprecher der Stadt weiter mit. "Dabei ist jedoch völlig klar, dass es sich dabei nur um ein Provisorium mit sehr begrenzter Lebensdauer handelt. Auf eine nochmalige Abdeckung mit einer Bitumenbahn wurde verzichtet, da die erhoffte Abdichtungswirkung nur unzureichend eingetreten war."

Wie geht es nun weiter? Schon seit Jahren ist klar, dass die alte Lahnbrücke saniert werden muss. Schon seit Jahren ist auch klar, dass es dann zu einer bis zu neun Monate dauernden Vollsperrung kommen wird. Und schon seit Jahren ist klar, dass dies ausdrücklich nicht während des Abrisses und Neubaus der Lichfieldbrücke passieren soll.

Auch die Ende der 1960er-Jahre errichtete "neue" Lahnbrücke muss dringend erneuert werden. Diese Mammut-Baustelle soll im Jahr 2022 starten und wird mindestens vier, möglicherweise aber auch bis zu sechs Jahre dauern. Deshalb sind zwei Varianten möglich: Entweder die alte Lahnbrücke wird definitiv nächstes Jahr komplett saniert - oder es gibt eine zweigeteilte Sanierung: Eine etwas aufwendigere im nächsten Jahr, um die Brücke für die nächsten Jahre zu ertüchtigen, um dann - nach der Fertigstellung der neuen Lichfieldbrücke spätestens bis 2028 - die alte Lahnbrücke komplett zu sanieren.

Abwegig ist das nicht, denn bei der alten Lahnbrücke geht es nicht nur um eine neue Fahrbahndecke für die Autofahrer und eine bessere Entwässerung, sondern auch um die mindestens ebenso wichtige Frage, wie die Situation für die Fußgänger und Radfahrer auf der engen Brücke deutlich verbessert werden kann.

Die Gehwege sind sehr schmal und hoch. Während die einen Radfahrer brav auf der Straße fahren, was sie hier auch zwingend müssen, radeln andere rotzfrech auf dem Gehweg, was zwar verboten ist, und auch sehr deutlich mit Schildern und Warnhinweisen auf dem Gehweg angezeigt wird, aber manchen Radfahrern ist das völlig egal. Gerade in Sommermonaten sind die Konflikte groß, weil die alte Lahnbrücke der direkte Weg zum Freibad ist.

Die Stadtverwaltung hat zur Entschärfung des Konflikts einen zusätzlichen Steg aus Glas und Stahl auf der lahnabwärts gelegenen Brückenseite vorgeschlagen, der nur von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden kann; im Gegenzug soll der jetzige Gehweg auf dieser Seite zurückgebaut werden, den es so ohnehin erst seit den 1960er-Jahren gibt. Die Mehrheit der Stadtverordneten hat einer Planung dieses Stegs zwar grundsätzlich zugestimmt, aber noch nicht entschieden, ob sie diesen Steg wirklich will.

Ob und wie sich Land beteiligt, ist unklar

Zum einen ist dieser Steg mit geschätzten Kosten von rund 900 000 Euro sehr teuer, zum anderen ist noch nicht sicher, ob und in welcher Höhe das Land Hessen sich finanziell daran beteiligt. Und gerade in den heutigen Corona-Zeiten mit einbrechenden Einnahmen für alle Kommunen stellt sich die Frage, wie groß die Bereitschaft ist, so viel Geld zu investieren.

"Verschiebt sich die Sanierung der Lahnbrücke weiterhin, ist sicherlich eine erneute und dann auch deutlich aufwendigere Fugensanierung notwendig, die es dann ermöglicht, die Zeit bis zur grundhaften Sanierung der alten Lahnbrücke zu überbrücken", teilt der Stadtsprecher Johannes Laubach mit.

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