Könnte sich Limburg vorstellen, was 2005 in Weilburg möglich war? Das Hessenland stellte sich mit vielen Facetten zehn Tage in der Oberlahn-Residenz 840 000 Besuchern vor und feierte den Abschluss mit 179 Zugnummern und 4600 Mitwirkenden.
+
Könnte sich Limburg vorstellen, was 2005 in Weilburg möglich war? Das Hessenland stellte sich mit vielen Facetten zehn Tage in der Oberlahn-Residenz 840 000 Besuchern vor und feierte den Abschluss mit 179 Zugnummern und 4600 Mitwirkenden.

Idee flammt wieder auf

Warum es der Hessentag nicht nach Limburg schafft

1986 beschlossene Sache, 2009 abgelehnt: Die Idee, den Hessentag nach Limburg zu holen, flammt wieder auf.

Limburg – Wer sich mit Limburger Themen beschäftigt, tut manchmal gut daran, einen Blick in die Vergangenheit zu wagen. Da gibt es die eine oder andere Initiative, die mindestens schon einmal hochgekocht wurde, dann aber aus unterschiedlichen Gründen versandet ist. Aktuelles Beispiel ist die Bewerbung Limburgs um die Ausrichtung eines Hessentages.

Vor wenigen Wochen sorgten der Limburger Medienmanager Mathias Distel und sein Kompagnon, der Partystar Lorenz Büffel alias Stefan Scheichel, für Schlagzeilen mit der Idee, den Hessentag in die Domstadt zu holen, um Limburg überregionale Strahlkraft zu verleihen. Einen entsprechenden Antrag an die Hessische Landesregierung hatte die Stadtverordnetenversammlung bereits am 28. Oktober 1986, also vor 35 Jahren beschlossen. Inzwischen hat das Landesfest 2005 in Weilburg stattgefunden.

Limburg: Bewerbung für den Hessentag – 1986 war der letzte Versuch

Nachdem 1984 ein diesbezüglicher SPD-Antrag von der damaligen CDU-Mehrheit abgelehnt worden war, wollte es die SPD zwei Jahre später im Zeichen veränderter Mehrheiten noch einmal wissen und hatte Erfolg. Mit Unterstützung der Grünen stimmten 23 Stadtverordnete dafür, dass sich die Stadt für den Hessentag ab 1988 bewerben soll. 22 CDU-Vertreter stimmten dagegen.

Lothar Blättel, später Bürgermeister in Waldbrunn, wies damals namens der Initiatoren auf die Dringlichkeit des Antrags hin. 25 zum Teil kleinere und in ihrer zentralen Funktion nicht so bedeutende Städte wie Limburg seien bereits an der Reihe gewesen. Mit der Befürwortung durch die Kaufmannschaft des CityRings sowie des Verkehrs- und Verschönerungsvereins sahen die Antragsteller in dem Hessentag eine hervorragende Möglichkeit, Wirtschaft und Fremdenverkehr einen bedeutenden Schub zu geben und das Zusammengehörigkeitsgefühl der damals noch jungen Stadtteile zu fördern.

Limburg-Weilburg Newsletter

Die wichtigsten News aus Limburg-Weilburg direkt in Ihr Postfach mit dem FNP-Newsletter.

Hessentag in Limburg: Grüne wollten 1986 Kosten und Gewinn prüfen

Die CDU sah in einem Hessentag vorrangig die Selbstdarstellung des Landes, wofür Limburg aus eigener Kasse über eine Million Mark hinlegen müsse, um dann für eine Woche Besucherscharen wie Heuschreckenschwärme erleben zu können, so der damalige Fraktionsvorsitzende Dr. Klaus Wolf. Er verwies auf größere Veranstaltungen wie den Hessischen Feuerwehrtag, mit dem im September 1988 in Limburg das 125-jährige Bestehen des Landesverbandes gefeiert werde sowie auf weitere große Veranstaltungen. Es müssten erst einmal die Vereine gehört werden.

Bedenken äußerten auch die Grünen, die Kosten und Gewinn geprüft haben wollten. Die Grünen hielten es für überlegenswert, ob man Limburg mit weiteren immensen Besucherströmen wirklich werbewirksam beikommen sollte. Ihre Sprecherin Ursula Pape sagte wörtlich: "Uns scheint Limburg touristisch annähernd ausgereizt", meinte aber, es gebe keinen logischen Grund, den Hessentag nicht auf spätere Jahre, zum Beispiel auf 1990 zu verschieben.

Trotz ihrer Bedenken stimmte die Öko-Partei unter dem Zusatz zu, dass der Stadt Limburg im Rahmen der Hessentagsveranstaltungen ausreichend Möglichkeit gegeben werde, eine kritische Darstellung zur Stadtstruktur und Stadtentwicklung aufzuzeigen und durch entsprechende Ausdrucksmöglichkeiten didaktisch umzusetzen. Doch warum auch immer: Zu einem Hessentag in Limburg kam es nicht.

Neuer Anlauf in Limburg 2009: Vergänglicher Ruhm des Hessentags „unverantwortlich“

23 Jahre später, im Oktober 2009, befassten sich die Stadtverordneten erneut mit der Bewerbung. Dieses Mal auf Antrag der FDP, der mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. CDU, Freie Wähler und Grüne begründeten ihre Absage mit Belastungen durch die Massenveranstaltung und Kosten in nicht kalkulierbarer Millionenhöhe, die den Bürgern auf absehbare Zeit nicht zugemutet werden könnten. Gerade in einer Zeit, in der Kommunen Einnahmen wegbrechen, sei der vergängliche Ruhm eines Hessentages unverantwortlich.

Mit Ausnahme der SPD, die sich zunächst für eine Machbarkeitsstudie stark machte, fanden sich keine Befürworter. Der damalige Stadtverordnete Dr. Marius Hahn argumentierte: "Hier will man ja nicht einmal einen Umzug zur 1100-Jahr-Feier 2010 machen." Solches Verhalten erinnere ihn an den 1954 in Limburg gedrehten Film "Eine Stadt will schlafen gehen". Hahn verwies auf die Gewinne in Weilburg und Idstein 2002. Der Magistrat solle mal sagen, warum ein Hessentag für Limburg nichts bringe. (red)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare