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Kröten achten bei ihrer Wanderung zu den Laichplätzen natürlich nicht auf den Verkehr und geraten oft unter die Räder. Foto: RP Gießen (Gunther Weisert)

Wanderung der Amphibien

Achtung, Autofahrer, jetzt sind die Kröten wieder unterwegs!

Der Frühling naht: Das lockt Frösche, Kröten und Molche aus ihren Winterverstecken. An vielen Orten werden sie durch Schutzzäune davon abgehalten, auf dem Weg zum Laichplatz Straßen zu überqueren. Doch viele der Amphibien geraten dennoch sprichwörtlich unter die Räder.

Limburg-Weilburg - Oft sieht man derzeit Naturschützer morgens mit Eimern entlang der Straßen unterwegs. Mal haben sie Dutzende Kröten eingesammelt, mal sind es eher wenige – je nach nächtlicher Temperatur. Die Amphibien landen in den Eimern entlang der aufgestellten Krötenschutzzäune. Aber die Naturschützer müssen täglich raus, denn nach den dunklen Wintertagen lockt das anhaltende, warme Frühlingswetter mit den ersten Sonnenstrahlen dieses Jahr bereits sehr früh Frösche, Kröten und Molche aus ihren Winterverstecken. Für sie beginnt bei den lauen Temperaturen die Paarungszeit. Insbesondere die viel zu milden Winter führen zu einer frühen Krötenwanderung, berichtet der Zweite Vorsitzende des Kreisverbandes Limburg-Weilburg des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND), Hermann Maxeiner aus Hünfelden.

Die Amphibien wandern mit Beginn der nassen, lauen Nächte von ihren Überwinterungsorten in Wäldern, Parks und Gartengebieten oft über mehrere Kilometer zu den Laichgewässern. Besonders gute Laichgewässer ziehen mehrere hundert bis einige tausend Amphibien an. „Leider überleben viele Amphibien die ersten Tage nach dem Winter nicht“, führt Maxeiner aus.

Bis zu 70 Prozent tot

Auf ihrer Wanderung müssen die Tiere oft Straßen überqueren. An manchen Orten sterben bis zu 70 Prozent der kleinen Wanderer bei der Überquerung einer einzigen Straße. Entweder werden sie überfahren oder es tötet sie der Luftdruck, der durch schnell fahrende Autos verursacht wird.

Der BUND ruft Autofahrer deshalb dazu auf, in diesen Tagen und Wochen Rücksicht auf die kleinen Tiere zu nehmen. Auf Strecken, die bei Amphibien beliebt sind, stehen oft Hinweisschilder mit Froschsymbol. Vor allem in regnerischen Morgen-, Abend- und Nachtstunden und bei milderen Temperaturen sollten Autofahrer besonders aufmerksam sein und die Tempolimits einhalten. Es wird empfohlen, in den Gebieten nicht schneller als 30 Kilometer pro Stunde zu fahren, da so der tödliche Luftstrom am Fahrzeug verhindert wird. Doch erfahrungsgemäß halten sich nur die wenigsten Autofahrer daran.

„Wenn die Temperaturen demnächst auch in den frühen Morgenstunden deutlich über null Grad liegen und regnerisches Wetter herrscht, beginnt die alljährliche Amphibienwanderung“, sagt auch der Experte Martin Schab von der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Gießen (RP). Auch das RP bittet deshalb alle Verkehrsteilnehmer um erhöhte Vorsicht und eine deutlich reduzierte Geschwindigkeit an den einzelnen Gefahrenstellen, insbesondere in den Nacht- und frühen Morgenstunden. Zumal auch durch die überfahrenen Frösche eine Gefahr für den Verkehr ausgehen kann.

Enormer Einsatz

Wo es keine festen Leiteinrichtungen gibt, sind jetzt auch wieder viele ehrenamtliche Helfer im Einsatz, teilt das Regierungspräsidium mit. Sie stellen mobile Krötenzäune auf, graben die Eimer ein und befördern die Tiere sicher auf die andere Straßenseite. Dies stelle einen enormen Einsatz dar, müssen die Einrichtungen doch täglich kontrolliert werden. Aber der Aufwand lohnt: An einigen Stellen werden manchmal mehrere Tausend Tiere gerettet.

Bis Ende April

Bis spätestens Ende April wandern Kröten und Frösche jedes Jahr in die Gewässer, in denen sie selbst die Verwandlung von der Kaulquappe zum fertigen Tier durchgemacht haben, um ihre Eier abzulegen. Nach der Eiablage kehren sie wieder in den Wald oder in andere Gewässer zurück. Wenn die Amphibien nicht durch verschiedene Gefahren davon abgehalten werden, finden sie den Weg zu ihrem Teich stets wieder. Möglicherweise orientieren sie sich dabei am Magnetfeld der Erde. Im Sommer wandern fertig entwickelte Tiere wieder aus ihren Entstehungsgewässern aus.

Die größte Gefahr für die Amphibien geht vom Menschen aus. Die Wege der Kröten werden von Mauern, gerodeten Waldflächen, neuen Gartenanlagen und vor allem Straßen unterbrochen. Wo die Tiere nicht weiterkommen, verenden sie. Auf der Straße werden sie zu Tausenden überfahren. „Durch die Bedrohungen auf ihren Wanderwegen schwindet nicht nur die Anzahl der Amphibien, sondern auch der Artenreichtum. Der genetische Austausch wird unterbunden. Alle 21 Arten unserer heimischen Amphibien stehen unter Naturschutz“, erläutert Matthias Habel, Meteorologe bei WetterOnline.

(red)

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