FFP Masken Limburg Weilburg
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Die Ausgabe der FFP2-Masken verlief im Kreis Limburg-Weilburg nicht ganz ohne Probleme. (Symbolbild)

Kostenlose FFP2-Masken

Apotheken fühlen sich alleingelassen ‒ Fehlende Regeln und offene Fragen

  • vonKlaus-Dieter Häring
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Im Kreis Limburg-Weilburg kommt es zum Ansturm auf kostenlose FFP2-Masken. Apotheker sind sauer über fehlende Regeln.

Limburg – Seit Mittwoch (26.12.2020) herrscht auch für die Apothekerinnen und Apotheker im Kreis Limburg-Weilburg Ausnahmezustand. Denn seit dem 15. Dezember sind viele Personen berechtigt, sich in Apotheken drei der begehrten FFP2-Masken kostenlos abzuholen, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. Daher begann am Mittwoch ein Ansturm auf die Apotheken im Landkreis - verbunden mit dem Problem, dass der Ablauf zum Leidwesen der Apothekerinnen und Apotheker vorher nicht geregelt war. Welche Masken dürfen herausgegeben werden? Wie ist die Abrechnung? Wer bekommt sie? Wie wird derjenige registriert? Fragen, die bis jetzt nicht klar beantwortet sind. Fest steht, dass sich bis zum 6. Januar die berechtigten Personen mit diesen FFP2-Masken kostenlos eindecken können. Danach wird bei einer zweiten Möglichkeit eine Zuzahlung von zwei Euro erhoben.

„Alles umsonst“: Kritik an Corona-Masken Verteilung von Apothekerverband

Mehr als unglücklich mit der Situation ist der Geschäftsführer des Hessischen Apothekerverbandes, Jürgen Schneider. „Wir sind kurzfristig mit dieser Maßnahme überrascht worden.“ Ganz kurzfristig kam dann gestern auch die Nachricht, nach der jetzt diese FFP2-Schutzmasken versendet werden sollen. „Ob von den Apotheken oder aber vom Hersteller selber, ist nicht klar“, sagt Jürgen Schneider. „Es ist aber schlimm, dass jetzt in Zeiten der Pandemie Millionen Menschen durch die Apotheken gejagt werden.“

„Das, was wir am Mittwoch gemacht haben, war alles umsonst“, sagt Lola Emer, Inhaberin der Euras-Apotheke in Hadamar. Sie hatte das Glück, 500 Masken im Bestand zu haben, die jetzt alle weg sind. Und es kommen immer mehr Kunden, die sich eindecken wollen. Sie sieht durch den Ansturm auch die Gesundheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefährdet - und die der Kunden, kommen doch zumeist ältere Personen. Dabei ist selbst die Bezahlung für die schon herausgegebenen Masken für die Apothekerin noch nicht im Detail geregelt. „Wir müssen auch bei den jetzt bestellten Masken in Vorkasse treten“, sagt Emer. Dabei handele es sich um einen fünfstelligen Euro-Betrag.

Fehlende Regeln für Ausgabe der FFP2-Masken

Besser hätte es die Inhaberin der Dorchheimer Apotheke, Kristina Robin-Geissler, gefunden, wenn der Ablauf vorher geregelt gewesen wäre „wie bei den blauen Masken“, die über den Landkreis verteilt wurden. Aus ihrer Sicht hätten die für die Aktion benötigte FFP2-Masken rechtzeitig und kostenlos an die Apotheken geliefert werden müssen. Mit dem Bestellen sei es auch nicht so einfach, bestünden doch große Qualitätsunterschiede. Da könne es passieren, dass eine TÜV-geprüfte und mit „sehr gut“ eingestufte FFP2-Maske im Fernsehen als minderwertig deklariert wird.

Und auch die Menge, die geordert werden kann oder soll, ist unklar. „Die Apotheken können die Masken nach einem bestimmten Schlüssel bestellen und mit dem wird auch abgerechnet“, sagt Apotheker Marco Born. Wird diese Zahl überschritten, handele der Apotheker auf eigenes Risiko und bekomme eventuell kein Geld zurück. „Am Ende zahlst du drauf“, klagt Born. Ihn stört vor allem die Verfahrensweise, mit der die Apotheker mit dieser Aufgabe betraut wurden. „Wir haben in der vergangenen Woche, wie jeder andere auch, am Fernseher davon gehört und sofort angefangen zu recherchieren.“ Dabei sei unter anderem herausgekommen, dass die Apotheker zwar die Masken herausgeben müssen, diese Herausgabe aber nicht dokumentieren können.

Apotheker Limburg-Weilburg: Kostenlose FFP2-Masken führen zu Maskentourismus

Dies habe schon zu Masken-Tourismus geführt, so Born. Haben doch einige Personen schon verschiedene Apotheken „abgeklappert“, um sich dort die entsprechenden Masken geben lassen. Darunter leiden dann diejenigen, die keine Masken mehr bekommen und mit leeren Händen die Apotheke verlassen müssen,

Eine Lösung des Problems wurde in Dornburg gefunden. Dort werden die Masken vom Apotheker zur Verfügung gestellt und durch die Gemeinde ab dem 17. Dezember im Foyer des Bürgerhauses weitergegeben. „Es sollen doch bitte nur die Stammkunden der Frickhofener Apotheke kommen. Dann klappt auch dies“ sagt Bürgermeister Andreas Höfner (CDU) , der die Abgabe der Masken organisiert.

Wer die kostenlosen FFP2-Masken gegen Corona bekommt

Berechtigt sind derzeit zuerst Personen, die das 60. Lebensjahr abgeschlossen haben und dies in der Apotheke mit einem Personalausweis belegen können. Weiter berechtigt sind Personen, bei denen eine der folgenden Erkrankungen oder Risikofaktoren vorliegen: chronisch obstruktive Lungenerkrankung oder Asthma bronchiale, chronische Herzinsuffizienz, chronische Niereninsuffizienz, Zerebrovaskuläre Erkrankung, vor allem Schlaganfall, Diabetes mellitus Typ 2, aktive, fortschreitende oder metastasierte Krebserkrankungen oder stattfindende oder bevorstehende Therapie, die die Immunabwehr beeinträchtigen kann, stattgefundene Organ- oder Stammzellentransplantation oder bei Risikoschwangerschaft. (Klaus-Dieter Häring)

Bei einigen Masken ist allerdings Vorsicht geboten. Ein Modell musste kürzlich zurückgerufen werden.

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