Gottesdienst nur noch von der Kanzel herab: Weil die Schlosskirche in Hadamar so klein ist, muss Pfarrer Uecker den gesamten Gottesdienst in der Kanzel stehen.
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Gottesdienst nur noch von der Kanzel herab: Weil die Schlosskirche in Hadamar so klein ist, muss Pfarrer Uecker den gesamten Gottesdienst in der Kanzel stehen.

Folgen der Pandemie

Kirchen in Limburg leiden unter Corona: „Mal sehen, wer zurückkommt“

  • Sabine Rauch
    vonSabine Rauch
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„Der Gottesdienst hat immer stattzufinden“: Dieses Motto galt lange auch für die Kirchen in Limburg-Weilburg. Dann kam Corona und hat die Arbeit der Kirche komplett auf den Kopf gestellt.

Limburg – Gottesdienste mit Anmeldung, kaum Hochzeiten, Seelsorge per Telefon, zur heiligen Kommunion im Reißverschlussverfahren und dann die ganzen Unsicherheiten und ständig neue Vorgaben. Die Auswirkungen der Pandemie machen auch vor Kirchentüren nicht Halt. "Und jeder versucht, nach seiner Art das Beste daraus zu machen", sagt Pfarrer Ernst-Martin Benner, priesterlicher Leiter der Pfarrei Heilig Geist Goldener Grund/Lahn. Das sorgt nicht immer bei allen für Wohlgefallen.

Zum Beispiel bei der Kirchweihfeier in Oberbrechen, als die Kirmesgesellschaft draußen bleiben musste, weil die Kirche voll war. "Wir konnten ja nicht einfach dichter zusammenrücken", sagt Pfarrer Benner. Er erinnert sich aber auch gut noch an andere Tage, am Anfang der Pandemie, im Frühjahr, als die Gemeinde gar nicht zum Gottesdienst in die Kirche durfte. Damals habe er die Messe alleine gefeiert in der Pfarrkirche Niederbrechen. Das sei schon sehr merkwürdig gewesen. Aber dann habe er versucht, sich die Gemeinde vorzustellen, "und so konnte ich mit der Gemeinde feiern, ohne dass sie präsent war".

Corona in Limburg-Weilburg: Vor die Kirche gestellt

Pfarrer Thomas Uecker, Pfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde Hadamar hat während des ersten Lockdowns einen anderen Weg gefunden: Er hat sich jeden Sonntag vor seine Kirche, die Schlosskirche in Hadamar, gestellt, und er hatte bald Gesellschaft. "Es war ganz schrecklich, keinen Gottesdienst feiern zu können." Und eigentlich sei es immer undenkbar gewesen, dass mal ein Gottesdienst ausfällt. "Der Gottesdienst hat immer stattzufinden." Deshalb sei auch in jeder Kirche immer eine Notpredigt hinterlegt, die, falls der Pfarrer mal ausfällt, ein Kirchenvorsteher vorlesen könnte. Und dann das: "Ich bin erstaunt, dass es Situationen gibt, die das Leben so komplett umkrempeln und in Frage stellen, was wir für selbstverständlich hielten."

Mit der Ausbreitung des Coronavirus hat sich nicht nur die Liturgie geändert, sondern auch die Seelsorge. "Zu unserem Beruf gehört die Begegnung mit Menschen essenziell dazu", sagt Thomas Uecker. Jetzt dürfe er seiner Gemeinde nicht mehr nahe kommen, und wenn, dann nur mit desinfizierten Händen, Mund-Nasen- und Gesichtsschutz. Er können nicht mehr einfach zum Taufgespräch gehen und zum Geburtstag gratulieren. Jetzt müsse er vorher fragen, ob im Haus der Familie genug Platz ist, um Abstand halten zu können, zum Geburtstag gratuliere er vor der Tür. Taufgespräche und Trauergespräche fanden im Sommer draußen und ansonsten im Sitzungssaal des Pfarrhauses statt, da ist Platz für sieben Leute.

Wenig Bedarf an kirchlichen Trauungen in Limburg-Weilburg während der Corona-Pandemie

Gespräche mit Brautleuten könnten dort auch stattfinden, allerdings sei der Bedarf an Trauungen nicht besonders groß gewesen in diesem Jahr. Pfarrer Ernst-Martin Benner hat im Jahr 2020 kein einziges Paar getraut. Er erinnert sich aber noch an das einzige Traugespräch, das er geführt hat - das war einen Tag bevor alles geschlossen wurde. Das Paar wollte groß feiern, es hat die Trauung verschoben - so wie alle anderen Brautpaare in seiner Gemeinde. Manche hoffen auf den kommenden Sommer, andere haben gleich auf übernächstes Jahr verschoben. Taufen finden wieder statt, allerdings anders als sonst. In der Pfarrei Heilig Geist gibt es keine festen Tauftermine mehr, an denen sieben oder acht Kinder getauft werden und auch die Gemeinde willkommen ist. In den Zeiten von Corona bekommt jedes Kind seinen eigenen Taufgottesdienst. Das bedeutet mehr Arbeit für den Pfarrer und für die Person, die zwischendurch die Kirche desinfizieren muss.

Und auch ansonsten ist alles anders: Statt Gesang gibt es Musik von der CD oder vom Streaming-Dienst. "Und auch aus theologischer Sicht fehlt etwas." Schließlich werde der Täufling an diesem Tag in die Gemeinde aufgenommen - nur ist die nicht dabei. Einige Eltern fänden das gar nicht so schlimm, sagt Pfarrer Benner. Denn so stehe ihr Kind im Mittelpunkt. Wichtig sei vor allem, dass die Feier würdig sei, wenn auch anders als gewohnt. Und dass überhaupt Kontakt zum Seelsorger möglich ist, wenn auch nicht immer vis à vis. Er greife gerne zum Telefon, sagt Pfarrer Benner: "Es geht ja nicht um das geschriebene Wort, sondern um das gesprochene".

Corona und die Kirchen in Limburg-Weilburg: „Man vermisst manches“

Pfarrer Thomas Uecker formuliert es so: "Man vermisst manches, aber wir müssen andere Formen finden für die Arbeit, die wir machen können." Der Religionsunterricht gehört nicht mehr dazu, der wird seit Monaten von Lehrern übernommen. Der Konfirmandenunterricht ist noch Aufgabe des Pfarrers, aber so lebendig wie früher kann er ihn nicht mehr halten.

Das gilt auch für den Gottesdienst: Im Frühjahr bekamen die regelmäßigen Kirchgänger seiner Gemeinde eine wöchentliche Andacht in schriftlicher Form zugeschickt, dann gab es wenigstens Videogottesdienste. "Das ist zwar nicht dasselbe, aber schöner als ein TV-Gottesdienst aus einer Kirche, die man nicht kennt." Jetzt gibt es wieder regelmäßige Gottesdienste, aber die zelebriert Pfarrer Uecker von der Kanzel herab - weil er im Altarraum zu viel Platz beanspruchen würde. Und das Abendmahl kann derzeit sowieso nicht gefeiert werden. "Gerade an Ostern war das schmerzlich", sagt Pfarrer Uecker. Die heilige Kommunion in der Pfarrei Heilig Geist findet statt. "Die Hostie wird gereicht", sagt Pfarrer Benner. Natürlich hat sich der Pfarrer vorher die Hände desinfiziert und trägt eine Maske. Und damit die Gemeinde sich an die Abstandsregeln halten kann, gilt zum Beispiel in der Pfarrkirche Niederbrechen ein ausgeklügeltes Reißverschlussverfahren im Mittelgang - und zurück an den Platz geht es über die Seitengänge. Das funktioniere prima. Genau wie das Winken als Friedensgruß. "Die Leute sind sehr diszipliniert." Und sie seien sehr dankbar, sagt Pfarrer Uecker. Die Gottesdienstbesucher seien sehr aufmerksam. "Da ist eine größere Schärfe."

Unter Corona-Bedinungen in die Kirche: In Limburg-Weilburg gibt es gute Konzepte

Natürlich gibt es andere, die sich bewusst entscheiden, nicht mehr in die Kirche zu gehen, weil sie Angst vor Ansteckung haben. "Dabei gibt es kaum einen besseren Schutz, als wir ihn gewährleisten." Zum Beispiel, weil die Wege genau festgelegt sind, weil nur noch 30 statt 180 Stühle gestellt werden. Da wird eine kleine Kirche schnell zu klein. Wenn besondere Gottesdienste anstehen, ist in der Schlosskirche Hadamar Anmeldung Pflicht, Pfarrer Ernst-Martin Benner und seine Kollegen mussten auch schon mal jemanden nach Hause schicken, weil das Gotteshaus voll war. Etwas, wovon die Kirche vor einem Jahr noch träumte. Wie es werden wird, wenn die Angst vor Ansteckung einmal vorbei und wieder mehr Platz in den Kirchen ist, weiß niemand. "Die Menschen haben erlebt, dass Gottesdienst auch ausfallen kann", sagt Pfarrer Thomas Uecker. "Ich fürchte, dass das Folgen für die Relevanz der Kirche hat." Pfarrer Ernst-Martin Benner formuliert es so: "Mal sehen, wer zurückkommt." (Sabine Rauch)

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