„Wegen Corona bis auf weiteres geschlossen“ und „Plündern zwecklos“ verkünden Schilder an der Tür zu einem wegen der Corona-Epidemie geschlossenen Geschäfts in der Limburger Altstadt.
+
„Wegen Corona bis auf Weiteres geschlossen“ und „Plündern zwecklos“ verkünden Schilder an der Tür zu einem wegen der Corona-Epidemie geschlossenen Geschäfts in der Limburger Altstadt. (Symbolbild)

Unternehmen sehen viele Risiken

Limburg-Weilburg: Corona-Krise bremst heimische Wirtschaft

Der Indexwert heimischer Betriebe hat sich im Vergleich zum Frühjahr, als die Corona-Pandemie ausgebrochen ist, verbessert. Dennoch liegt er noch deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt.

Limburg - Die Corona-Pandemie ist der große Bremsfaktor für die Wirtschaft im Landkreis Limburg-Weilburg in diesem und voraussichtlich auch im nächsten Jahr. Die Branchen sind aber unterschiedlich schwer getroffen, teilt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Limburg mit. Das Investitions- und Konsumverhalten ist von starker Verunsicherung geprägt, wie die aktuelle Umfrage der IHK Limburg zur wirtschaftlichen Lage zeigt. Der IHK-Konjunkturklimaindex, der Lage und Erwartungen der befragten heimischen Betriebe zusammenfasst, hat sich aber nach 111 Punkten zum Jahresbeginn und dem Einbruch im Frühjahr auf 66 Punkte zum Herbst hin auf 93 Punkte verbessert. Der positive Bereich fängt bei 100 Punkten an. Für die Umfrage werden dreimal im Jahr rund 500 Mitgliedsunternehmen der IHK Limburg aus den verschiedenen Branchen befragt.

Der aktuelle Indexwert liegt trotz der Verbesserung gegenüber dem Frühjahr noch deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 119. Ähnlich niedrige Werte gab es in der New-Economy-Krise Anfang der 2000er Jahre sowie in der Finanzkrise 2009. Nach dem Tiefpunkt in der Finanzkrise war der Index nach einem Jahr wieder über der 100-Punkte-Marke. Wie lange es diesmal braucht, bis die Wirtschaft wieder in "ruhigem Fahrwasser" ist, hängt neben den sonstigen Risiken für die wirtschaftlichen Abläufe vor allem von der Bewältigung der Auswirkungen von Covid-19 ab.

Corona in Limburg-Weilburg: Inlandsnachfrage als größte Sorge

Sowohl die aktuelle als auch die zukünftige Geschäftslage werden von den heimischen Unternehmen deutlich schlechter eingeschätzt als die Jahre zuvor, auch wenn es eine Aufhellung gegenüber dem Frühjahr gab. Die meisten Unternehmen blicken auch eher pessimistisch auf die weitere Entwicklung. Für die kommenden zwölf Monate rechnen 30 Prozent der Betriebe mit einer Verschlechterung der Geschäftslage, 56 Prozent erwarten eine gleichbleibende, nur 14 Prozent eine bessere.

Die Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung haben die heimischen Betriebe in der Corona-Krise neu bewertet. So hat sich die Sorge um die Inlandsnachfrage ganz nach vorn geschoben, genannt von 62 Prozent der Unternehmen (insbesondere von Gastgewerbe und Handelsunternehmen). An zweiter Stelle steht die Sorge um die politischen Rahmenbedingungen, genannt von 44 Prozent. Besonders häufig Nennungen: zukünftige Steuererhöhungen, Rückgang staatlicher Investitionen, nicht mehr zu bewältigende Bürokratie und neue Regulierungen, Reiseeinschränkungen, nachhaltige Schwächung des Automobil- und Industriestandortes Deutschland sowie Gefahr von "Zombieunternehmen".

An dritter und vierter Stelle der Risiken stehen die Sorge um ausreichend Fachkräfte und die Entwicklung der Arbeitskosten, aber deutlich weniger genannt als zuletzt. Zugenommen hat die Sorge um die Auslandsnachfrage, genannt von jedem vierten Unternehmen. Die Sorge um die Energie- und Rohstoffpreise ist angesichts des gesunkenen Bedarfs aktuell abgeflaut.

Die Corona-Pandemie ist der große Bremsfaktor für die Wirtschaft im Landkreis Limburg-Weilburg.

Corona in Limburg-Weilburg: Die Konjunktur in den Branchen

Produzierendes Gewerbe: In der Industrie erreicht der Konjunkturklimaindex mit 89 Punkten eine Verbesserung um 21 Punkte gegenüber dem Frühjahr. Zum Jahresanfang waren es noch 104 Punkte. Die Lagebeurteilung hat sich nicht verbessert, aber die Zukunftserwartungen leicht aufgehellt. Ihre gegenwärtige Lage bezeichnen 19 Prozent der Industrieunternehmen als gut, 45 als befriedigend und 36 als schlecht.

Die Auftragseingänge des verarbeitenden Gewerbes sind in den vergangenen vier Monaten per Saldo deutlich gesunken: bei den Aufträgen aus dem Ausland um 52 Prozent, bei den Inlandsaufträgen um 36 Prozent. Vor allem die Investitionsgüterproduzenten sind betroffen, weniger die von Vorleistungs- oder Verbrauchsgütern. Der Konjunkturklimaindex im heimischen Baugewerbe erreicht nun einen Wert von fast "guten" 117 Punkten nach 86 im Frühjahr.

Handel: Die Stimmung im heimischen Einzelhandel hat sich gegenüber dem Frühjahr aufgehellt. Der Konjunkturklimaindex ist von 70 auf jetzt 103 Punkte gestiegen. 42 Prozent der befragten Einzelhändler bezeichnen ihre gegenwärtige Lage als gut, 14 als schlecht, 44 sind zufrieden. Die Umsätze sind nach starken Rückgängen im Frühjahr zuletzt insgesamt stabil geblieben. Bei 25 Prozent der Händler sind sie gestiegen, bei ebenso vielen gefallen.

Corona in Limburg-Weilburg: Dienstleistungsgewerbe ist heftig eingebrochen

Ähnlich ist die Einschätzung im Großhandel. Nach guten 117 Punkten zum Anfang des Jahres gab es im Frühjahr einen Rückgang auf 73 Punkte und nun zum Herbst eine Erholung auf 105 Punkte. Die gegenwärtige Lage wird von 36 Prozent der Großhändler und Handelsvermittler als gut und von 60 Prozent als befriedigend bezeichnet, 4 Prozent urteilen "schlecht". Die Umsatzentwicklung der letzten vier Monate verlief nach den deutlichen Rückgängen im Frühjahr per Saldo wieder positiv: 32 Prozent verzeichneten steigende Umsätze verzeichnen, 16 Prozent fallende.

Dienstleister : Auch die Konjunktur im sonst so stabilen Dienstleistungsgewerbe war im Frühjahr (von 111 auf 69 Punkte) heftig eingebrochen. Sie hat sich nun auf 88 Punkte verbessert. Die aktuelle Geschäftslage wird von 25 Prozent der Unternehmen als gut bewertet, aber von 32 Prozent als schlecht. Die Geschäftserwartungen haben sich aufgehellt, doch überwiegt weiterhin deutlich der Pessimismus.

Corona in Limburg-Weilburg: Konjunktur im Gastgewerbe ist abgestürzt

Bei den unternehmensbezogenen Dienstleistern hat sich Index n auf 105 Punkte erholt. Deutlich schlechter sieht es bei den personenbezogenen Dienstleistern aus. Dort sind die Umsätze nach bereits sehr starkem Rückgang im Frühjahr weiter gefallen, per Saldo um 53 Prozent. Entsprechend liegt der Klimaindex nun bei nur 54 Punkten. In die Zukunft blickt man per Saldo mit Besorgnis, einem Optimisten stehen drei Pessimisten gegenüber.

Im Gastgewerbe ist der Index im Frühjahr auf 15 Punkte abgestürzt. Zum Herbst hin ist er mühsam auf 64 Punkte geklettert, von einer Erholung kann man kaum sprechen. Nur 11 Prozent erwarten in absehbarer Zeit eine Verbesserung, 56 eher eine Verschlechterung. Der Verkehrsbereich liegt nun bei 83 Punkten, die Lage aber bleibt schwierig. (oho)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare