Lewis Franklyn Beaver machte nach der Einreise aus Israel einen Corona-Test. Die Teststation ist ab der B 49-Abfahrt Investzentrum Beselich ausgeschildert.
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Lewis Franklyn Beaver machte nach der Einreise aus Israel einen Corona-Test. Die Teststation ist ab der B 49-Abfahrt Investzentrum Beselich ausgeschildert.

Limburg-Weilburg

Ein Tag in einer Corona-Teststation

  • vonRobin Klöppel
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Im Schnitt kommen 20 Personen pro Tag zur Kreisabfalldeponie in Beselich (Kreis Limburg-Weilburg). Jeder Abstrich kostet 59 Euro. 

  • Das Tagesgeschäft in einer Corona-Teststation in Beselich (Kreis Limburg-Weilburg)
  • Ein Deponie-Gelände in Obertiefenbach wurde zur Teststation für Corona
  • Ein Corona-Test kostet 59 Euro

Beselich - Die Corona-Teststation des Landkreises Limburg-Weilburg auf dem Gelände der Kreisabfalldeponie Beselich haben seit der Eröffnung am 5. Juli im Schnitt 20 Personen pro Öffnungstag besucht. Das berichtet Landrat Michael Köberle. 48 Personen könnten pro Tag getestet werden, so der Eschhöfer CDU-Politiker. Er wisse bisher noch von keinem positiven "Covid-19"-Test dort. Menschen mit Symptomen sollten aber auch nicht dorthin kommen.

Beselich (Kreis Limburg-Weilburg): 59 Euro pro Corona-Test

Michael Köberle erläutert, dass sich für 59 Euro pro Test vor allem Personen testen ließen, die sich aus Ländern mit Corona-Reisewarnung zurückkämen und sich durch den negativen Test die 14-tägige Quarantäne sparen wollten. Zudem gebe es Länder, die für die Einreise einen aktuellen negativen Test auf Covid-19 verlangten.

Diese beiden Personengruppen sind am Morgen des Besuchs vor der Corona-Teststation auch die Hauptkunden. An diesem Tag sind es Mazedonier und Kroaten, eine Bulgarin, eine gerade aus London eingeflogene Deutsche, ein Gast aus Israel und ein Rentnerehepaar vor der Abreise nach Südtirol, die sich als Erste ihren hoffentlich negativen Test holen wollen. Einen Tag nach dem Abstrich schon bekommt man das Testergebnis bereits per Mail mitgeteilt.

Beselich (Kreis Limburg-Weilburg): Landkreis zahlt mehr als 100 000 Euro

Michael Köberle sagt, dass die Teststation auf jeden Fall bis Ende der Sommerferien betrieben werde. "Wenn dann weiterhin Bedarf besteht, möglicherweise auch länger", kündigt der Landrat an. Die Fieberambulanz, in der die Station untergebracht ist, soll auf jeden Fall bis Ende des Jahres bleiben. Michael Köberle rechtfertigt die Kosten von über 100 000 Euro für den Landkreis dafür damit, dass Limburg-Weilburg durch Ischgl-Urlauber auf die Einwohner umgerechnet anfangs der Pandemie der Kreis mit der höchsten Infiziertenzahl in ganz Hessen gewesen sei.

Von daher habe der Kreis für den Fall vorsorgen müssen, dass sich noch mehr Menschen aus der Region anstecken und versorgt werden müssen. Der Auf- und Abbau verursache, so Köberle, dabei die höchsten Kosten. Das Zelt noch ein paar Wochen länger stehen zu lassen, sei also nicht der Riesenkostenfaktor.

Beselich (Kreis Limburg-Weilburg): Landrat mahnt zur Einhaltung der Corona-Quarantäne-Vorschriften

Der Landrat warnt aus Corona-Warngebieten einreisende Bürger davor, sich nach der Rückkehr nicht beim Kreis zu melden. "Natürlich kriegen wir nicht alles mit", sagt Köberle. Doch sollte sich später herausstellen, dass jemand, der sich nicht an Quarantäne-Vorschriften gehalten habe, andere infiziert habe, begehe dieser eine Ordnungswidrigkeit, in schweren Fällen sogar eine Straftat.

Es gibt aber auch Menschen aus der Region, die völlig anders denken als der Landrat. So fährt eine Frau langsam mit dem Auto auf den Parkplatz der Teststation bei Limburg, steigt aus und macht Fotos. Sie sagt, sie sei aus Weilburg und glaube nicht alles, was Politik und Medien sagten. "Ich kenne keinen, der einen kennt, der Corona hatte", erklärt sie. Sie werde öfter wieder hierher kommen und das Geschehen beobachten. "Man muss alles kritisch hinterfragen", betont die Weilburgerin. Denn dafür, dass es hier keine Corona-Kranken im Kreis gebe, werde eine Menge Geld aus dem Fenster geworfen.

Lewis Franklyn Beaver kommt aus Israel und ist gerade in Hünfelden zu Besuch. Er findet die Corona-Teststation klasse. Denn er brauche nach der Einreise aus Israel für eine ärztliche Behandlung das Dokument, dass er Corona-frei sei. Beaver ist froh, dass er auf dem Deponie-Gelände in nur zehn Minuten einen Abstrich machen kann und schon einen Tag später Nachricht bekommt, dass er hoffentlich nicht erkrankt sei, so der 79-Jährige.

Beselich (Kreis Limburg-Weilburg): Auch eine kurze Grunduntersuchung

Zwei in der Region lebende Serben kommen gerade aus dem Heimaturlaub zurück und wollen schnell und unkompliziert checken lassen, ob sie Corona haben. "Ich finde es richtig, dass man eine solchen Test vorlegen muss", sagt einer der beiden Männer. Denn in Serbien seien die Infektionszahlen aktuell höher als in Deutschland und deshalb müsse man vorsichtig sein. Zusätzlich zum Abstrich wird im Zelt eine kurze Grunduntersuchung gemacht, um die Quarantäne umgehen zu können.

Nur einen negativen Abstrich braucht eine Wahl-Deutsche, die in den Ferien heim nach Bulgarien fliegen will. Sie findet es in Ordnung, dass sie den Corona-Test nachweisen muss, auch wenn sie die Corona-Gefahr in Deutschland wie Bulgarien derzeit für überschaubar halte.

Beselich (Kreis Limburg-Weilburg): Corona-Tests in der Teststation

Alina, eine junge Frau aus Hünfelden, ist gerade aus London nach Hause zurückgekehrt. In Quarantäne müsste sie nach eigenen Angaben auch ohne Test nicht, doch sie wolle für sich selbst auf Nummer sicher gehen. Denn in England gebe es in Geschäften keine Maskenpflicht, würden sich auch oft größere Gruppen in der Stadt bilden. "Wie richtig die deutschen Einschränkungen waren, sieht man an den geringen Infektionszahlen" betont Alina.

Bruno Planter möchte mit seiner Frau am Wochenende die Tochter in Südtirol besuchen. "Wir bräuchten den Test für die Einreise nicht", erzählt der Rentner, doch solche Bestimmungen könnten sich kurzfristig ändern. Am Anfang der Pandemie seien sie im Frühjahr gerade noch aus Südtirol nach Deutschland zurückgekommen.

Beselich (Kreis Limburg-Weilburg): Wo Abstriche in der Region möglich sind

Personen aus dem Kreis Limburg-Weilburg, die keine Corona-Symptome aufweisen, könne sich zum Selbstkostenpreis für 59 Euro in auf dem Beselicher Deponiegelände dienstags und donnerstags von 8 bis 12 Uhr testen lassen. Anmeldungen sind am Bürgertelefon werktags von 8 bis 16 Uhr unter <Tel/> (0 64 31) 2 96-96 66 möglich. Laut Landrat Michael Köberle (CDU) bieten auch verschiedene Ärzte in der Region Tests an, jedoch nicht alle. Wer Corona-Symptome aufweist, kann unter der oben genannten Nummer Kontakt mit dem Kreisgesundheitsamt aufnehmen oder telefonisch den Arzt seines Vertrauens kontaktieren.

Im Rhein-Lahn-Kreis gibt es Testmöglichkeiten bei den niedergelassenen Ärzten und in den Fieberambulanzen in Diez, Bad Ems und Gemmerich. Die Personen melden sich in den Praxen an und vereinbaren einen Termin. In Gemmerich ist auch die Testung bei einem "Drive In" möglich. Das Auto muss also nicht verlassen werden. Testungen werden an den Wochentagen vormittags durchgeführt. Laut Landrat Frank Puchtler (SPD) lassen sich insgesamt 100 bis 150 Personen die Woche testen. Erstmals seit Wochen sind gestern Neuansteckungen festgestellt worden.

Im Westerwaldkreis können sich Bürger zur Verkürzung einer eventuellen Quarantäne bei ihrem Hausarzt abstreichen lassen. Dies kostet jedoch bis zu 160 Euro. Kostenlos getestet werden können Kontaktpersonen von Corona-Infizierten beim Gesundheitsamt in Montabaur. Personen mit Symptomen sollten sich an ihren Hausarzt werden. In diesem Fall zahlt die Krankenkasse den Abstrich. Kostenlos ist er auch für die, deren Corona-App sie nach einem Kontakt zu einem Infizierten gewarnt hat. (Von Robin Klöppel)

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