Reges Interesse gab es gestern an der Pressekonferenz des Landkreises mit Landrat Michael Köberle (oben rechts).
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Reges Interesse gab es gestern an der Pressekonferenz des Landkreises mit Landrat Michael Köberle (oben rechts).

7-Tage-Inzidenz

Hohe Corona-Zahlen in Limburg-Weilburg: Auf der Suche nach den Gründen

  • vonSebastian Semrau
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Im Kreis Limburg-Weilburg gibt es mit die höchsten Corona-Zahlen in Hessen. Der Kreis sucht nach Antworten und Lösungen.

Limburg-Weilburg – Bei der Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen nimmt der Landkreis Limburg-Weilburg in Hessen seit Wochen einen Spitzenplatz ein. Die wichtige Marke von 200 wird seit 8. Dezember nicht mehr unterschritten. Daher gilt seit 12. Dezember unter anderem eine nächtliche Ausgangssperre und von Montag, 11. Januar, an auch die 15-Kilometer-Regel. Wie die Lage derzeit im Kreis ist, auch was das Thema Impfungen betrifft, erläuterte die Kreisspitze um Landrat Michael Köberle (CDU) gestern in einem Pressegespräch.

Für die hohe Inzidenz im Landkreis hat Köberle mehrere Erklärungen: Eine davon sind viele Tests. "Wir testen auch an Wochenenden und Feiertagen", betonte Köberle, der unter anderem auf die Abstrichstelle sowie die Teststelle der Firma Trobasept (beide in Obertiefenbach) verwies.

Corona im Kreis Limburg-Weilburg: In Hessen einzigartige Allgemeinverfügung

Noch stärker wirke sich aus, dass der Kreis Limburg-Weilburg der einzige in Hessen sei, der in einer Allgemeinverfügung nicht nur Tests in Seniorenheimen, sondern auch in Krankenhäusern vorsieht - wodurch unter anderem viele Infektionen im Limburger St-Vincenz-Krankenhaus festgestellt worden seien, so Köberle. "Allein durch diese Verordnung kommen wir auf bis zu 7500 Tests pro Woche", sagte Erster Kreisbeigeordneter Jörg Sauer (SPD). Getestet werden Bewohnerinnen und Bewohner, Patientinnen und Patienten sowie Personal. Auch Besucherinnen und Besucher müssen vor dem Betreten getestet werden.

Wer viel testet, findet also viel – auch wenn der Kreis dabei keine Vergleichszahlen zu anderen Kreisen nennen kann. "Wir verschaffen uns mit dieser vergleichsweise strikten Testverfügung aber auch einen erheblich besseren Überblick über die Infektionslage", betonte der Landrat.

Corona: Mögliche Gründe für die hohe Inzidenz im Kreis Limburg-Weilburg

Köberle ergänzte, dass die drei Krankenhäuser im Kreis (Limburg, Weilburg und Weilmünster) zudem jeweils Patienten aus drei Kreisen bekommen. Sauer: "Wir sind einer der Hauptlastträger im Versorgungsgebiet fünf." Dies umfasst Wiesbaden, den Rheingau-Taunus-Kreis und den Kreis Limburg-Weilburg.

Dass es im Verhältnis zur Bevölkerungszahl viele Pflegeplätze gibt, ergänzte Kirsten Eckenberg, stellvertretende Leiterin des Kreisgesundheitsamtes. Dort gebe es laut Köberle ein überproportionales Ausbruchsgeschehen, was laut Sauer auch leicht über dem Schnitt in Hessen liege. Aktuell stamme ziemlich genau ein Drittel der aktiv infizierten Menschen im Landkreis aus Krankenhäusern und Einrichtungen, sagte Köberle. Aktuell gibt es 181 positive Corona-Fälle, die sich auf Einrichtungen in Weinbach, Selters, Runkel, Mengerskirchen, Limburg, Brechen, Bad Camberg, Dornburg, Elbtal, Elz und Weilmünster verteilen.

Corona-Lage im Kreis Limburg-Weilburg: Allgemeinverfügungen werden bis Mitte Februar verlängert

Bleiben die anderen beiden Drittel: Köberle spricht von privaten Haushalten, "wo ein diffuses Infektionsgeschehen zu beobachten ist". Dies sei relativ gleich über den Kreis verteilt. "Da haben wir keinen Hotspot", sagte der Landrat. Positiv konnte Köberle mitteilen, dass "das Gesundheitssystem bisher nicht überlastet ist". Allerdings hätten die Krankenhäuser im Kreis in der Spitze mehr als 100 Corona-Patienten gleichzeitig zu versorgen gehabt.

Da die Inzidenz aber weiter hoch ist, wird der Kreis seine beiden Allgemeinverfügungen vom 11. und 12. Dezember bis Mitte Februar verlängern. Die zweite beschäftigt sich mit den Kontakt- und Betriebsbeschränkungen. Vor diesem Hintergrund gilt im Landkreis aufgrund der aktuellen Inzidenz von größer als 200 weiter eine Ausgangsbeschränkung von 21 bis 5 Uhr. Diese wird aufgehoben, sollte die Inzidenz fünf Tage hintereinander unter 200 liegen. Außerdem wird die Einschränkung des Bewegungsradius auf 15 Kilometer rund um den jeweiligen Wohnort bei tagestouristischen Ausflügen aufgenommen. Dabei orientiert sich der Kreis am Eskalationskonzept des Landes Hessen.

Corona in Limburg-Weilburg: Senoirenheime sollen unterstützt werden - Freiwillige im Einsatz

Außerdem will der Kreis die Seniorenheime besser unterstützen. Gegründet wurde eine "Task Force Pflege" und auch ein Pool an Freiwilligen ist bereits zur Unterstützung im Einsatz. "Wir haben die Heime abgefragt, und dort brennt es wegen des Personalmangels", so Sauer. Deshalb hat der Kreis nun auch bei der Bundeswehr um Unterstützung gebeten. Dieses Personal soll dann möglichst bei den Tests in den Heimen zur Hilfe kommen. Mit all den Maßnahmen will der Kreis die Lage in den Griff bekommen. "Das schaffen wir aber nur, wenn alle mitmachen und sich an geltende Regeln halten", appelliert Köberle.

Wer im Landkreis Limburg-Weilburg wohnt und sich von Montag an mehr als 15 Kilometer von seinem Wohnort entfernt (maßgeblich sind die Gemeindegrenzen), dem droht, wenn er erwischt wird, ein Bußgeld. Zumindest theoretisch. Denn in der vom Land Hessen festgelegten Verordnung steht, dass nur "tagestouristische Zwecke" nicht erlaubt sind. Was passiert also, wenn jemand seine gebrechliche Mutter besucht, die 20 Kilometer entfernt wohnt? Vermutlich ist das kein "Tagestourismus".

Corona in Limburg und Umgebung: 15-Kilometer-Regel ist schwer zu überwachen

Was kostet ein Verstoß gegen die 15-Kilometer-Regel? "Zur genauen Höhe von möglicherweise im Raum stehenden Bußgeldern kann das Polizeipräsidium Westhessen derzeit keine genauen Angaben machen", teilt Sprecher Markus Hoffmann mit. Allgemein wird von einer Bußgeldhöhe von 200 Euro ausgegangen.

Wer kontrolliert? Landrat Michael Köberle (CDU) verweist auf die Zuständigkeit von Polizei und Ordnungsämtern. Er geht davon aus, dass allenfalls stichpunktartig kontrolliert werden kann, etwa am Knoten in Mengerskirchen, wo viele zum Rodeln hingefahren seien.

Was sagt die Stadt Limburg zur Überwachung der 15-Kilometer-Regel? "Die Stadt Limburg beurteilt die Kontrolle der ab Montag im Landkreis geltenden Entfernungsregelung als in der Praxis herausfordernd", teilt auf Anfrage der Sprecher der Stadt, Johannes Laubach, mit. "Das Ordnungsamt der Stadt wird die Einhaltung anlassbezogen überprüfen sowie bei Hinweisen oder auch Verdachtsmomenten auf konkrete Verstöße tätig werden." Extra- Kontrollen wird es von der Stadt also nicht geben.

Was sagt die Polizei in Hessen? "Es sind keine Schwerpunktkontrollen zur Überwachung des 15-Kilometer-Radius rund um den Wohnort seitens der hessischen Polizei vorgesehen", sagt Sprecher Markus Hoffmann. "Jedoch wird im Rahmen der allgemeinen Streifentätigkeit sowie bei den aktuellen Corona-Kontrollen, bei denen insbesondere auf die Einhaltung der Maskenpflicht sowie der bestehenden Kontaktbeschränkungen geachtet wird, auch die Einhaltung der Beschränkung des 15-Kilometer-Bewegungsradius mitkontrolliert. Wenn Anhaltspunkte vorliegen, dass hier ein solcher Verstoß vorliegt, würde auch eine Ahnung erfolgen." Aber: "Für die Polizei steht bei festgestellten Verstößen der Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern im Vordergrund. Die hessische Landespolizei strebt seit Beginn der Pandemie stets eine kommunikative Lösung an, um so die Akzeptanz in der Bevölkerung für die getroffenen Maßnahmen zu stärken."

Was sagt die Polizei in Rheinland-Pfalz? Auch die Polizeidirektion Montabaur teilt auf Anfrage mit, dass keine konkreten Pläne für Kontrollen vorliegen. "Wir werden keine Grenzkontrollen durchführen. Wir werden auch keine Kontrollstellen einrichten", erklärt Andreas Bode, Sprecher der Polizeidirektion Montabaur. (dick/na/ses)

Die Schule beginnt wieder: Das plant der Kreis Limburg-Weilburg

Am Montag beginnt die Schule wieder, allerdings mit Aussetzung der Präsenzpflicht in den Klassen eins bis sechs sowie Distanzunterricht bei den älteren Schülerinnen und Schülern. Einzig die Abschlussklassen sollen überwiegend präsent unterrichtet werden. Das sind laut Dirk Fredl, Sprecher des Staatlichen Schulamts, im Kreis Limburg-Weilburg knapp 3000 Schülerinnen und Schüler in Hauptschule, Realschule, Gymnasium und berufliche Schulen. Bei den Erst- bis Sechstklässlern erwartet er mehr Kinder in der Schule als vor Weihnachten. Fredl schätzt, dass zehn Prozent der Kinder kommen - je älter sie werden, desto weniger.

Landrat Michael Köberle (CDU) sprach gestern in einer Videokonferenz mit Vertretern des Staatlichen Schulamtes, des Kreiselternbeirates und der Kreisschülervertretung. Das vom Landkreis Limburg-Weilburg bereits Anfang November eingeführte Wechselmodell ab der Jahrgangsstufe sieben stieß bei allen Beteiligten auf große Zustimmung und sorgte auch für eine geringere Auslastung im Schulbusverkehr. Köberle machte deutlich, dass der Landkreis nun auch in den Grundschulen eine dringende Empfehlung zum Tragen einer Schutzmaske aussprechen wird. "Die Buslinien werden auch ab Montag ganz normal nach Fahrplan unterwegs sein", sagte Köberle zu. Zudem gab der Landrat bekannt, dass der Landkreis alle Schülerinnen und Schüler, die nach den Weihnachtsferien im Präsenzunterricht sein werden, kostenlos mit FFP2-Schutzmasken ausstatten wird. Die ersten Lieferungen sind bereits in den Schulen eingegangen. (ses)

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