Eine Frau blickt in einem Frauenhaus aus dem Fenster. (Symbolbildsammlung)
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Derzeit suchen viele Frauen im Frauenhaus Hilfe (Symbolbild)

Chaotische Zeit

Der Ansturm kommt jetzt: Frauenhaus während Corona mehr denn je unter Druck

  • Sabine Rauch
    vonSabine Rauch
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Zu Beginn der Corona-Pandemie suchten überraschend wenige Frauen Hilfe im Frauenhaus in Limburg-Weilburg. Die Lage hat sich schnell zugespitzt. Immerhin gingen bereits zahlreiche Spenden ein.

Limburg-Weilburg - Im Frühjahr hatten sie befürchtet, dass das Chaos ausbricht und sie den Ansturm nicht bewältigen können. „Damals haben wir noch schnell Zusatzzimmer und Wohnungen für den Notfall gesucht“, sagt Anette Geis. Das Limburger Frauenhaus war auf den Katastrophenfall vorbereitet. Und er blieb aus. „Es blieb total ruhig.“ Dafür geht es jetzt rund: Gerade jetzt sei eine chaotische Zeit, dauernd kämen Anfragen, ständig klingele das Telefon, sagt Anette Geis, Mitarbeiterin im Frauenhaus. „Es gibt immer wieder so Schübe.“ Woran das liegt, könne sie nicht sagen.

Aber sie und ihre Kolleginnen haben eine Theorie, warum es im Frühjahr, während des Lockdowns in der Corona-Pandemie, so ruhig blieb: Damals waren die Frauen eingesperrt, hatten keine Ansprechpartner. Keine Kitas, keine Ämter, keine Schulen konnten auf Missstände aufmerksam werden, ihre Hilfe anbieten. Und die Frauen selbst konnten sich keine Hilfe holen, weil ihnen die Kontaktaufnahme nur heimlich möglich ist. Und in Zeiten der Kontaktbeschränkung Heimlichkeiten in den eigenen vier Wänden schwierig sind. „Im Lockdown ist es leichter, die Frauen zu kontrollieren“, sagt Anette Geis.

Schutz vor Corona gestaltet sich schwierig im Frauenhaus in Limburg-Weilburg

Der große Ansturm auf das Frauenhaus kam dann im Sommer. Und er ist noch lange nicht vorbei. Aber die Pandemie ist nicht nur eine Katastrophe für die Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt werden. Sie ist auch eine Herausforderung für das Frauenhaus: 24 Plätze für Frauen und Kinder bietet das Haus - in drei Wohnungen für je acht Personen. Eine Wohnung muss erst einmal frei bleiben, als Quarantäne-Wohnung für alle Neuankömmlinge. „Wir können von den Frauen in Not ja nicht verlangen, dass sie erst einmal einen Corona-Test machen und dann zwei Tage warten, bis das Testergebnis da ist“, sagt Anette Geis. Wer ins Frauenhaus muss, hat selten so viel Zeit. Und selten das Geld, um einen freiwilligen Test zu bezahlen. Also kommen die Frauen und ihre Kinder so wie sie sind - und werden erst einmal in der einen Wohnung isoliert, bis zumindest klar ist, dass sie keine Symptome einer Infektion zeigen.

„Aber hundertprozentigen Schutz vor Corona können wir nicht bieten.“ Schließlich müssen alle durch dasselbe Treppenhaus. „Wir müssen uns auf die Eigenverantwortung der Frauen verlassen.“ Und das funktioniere auch sehr gut. Nur zwei Frauen hätten in den vergangenen Monaten getestet werden müssen. Und beide seien negativ gewesen. „Wir hoffen, dass wir weiter verschont bleiben.“ Denn für die Frauen sei es ja schon schwierig, nach Beselich zum Corona-Testzentrum zu kommen. Und wenn sie in Quarantäne sind, erst recht. Kaum eine verfügt über ein Auto oder Geld für ein Taxi. Und überhaupt: Welcher Taxifahrer fährt zur Corona-Teststation?

Frauenhaus in Limburg-Weilburg: Sicherheit hat oberste Priorität

Mehr Tests und ein Anspruch auf Tests beim Hausarzt wären auf jeden Fall eine Hilfe bei den logistischen Herausforderungen, sagt Anette Geis. „Toll wäre es, wenn zumindest die Mitarbeiterinnen einen Anspruch auf regelmäßige Tests hätten.“ So wie Lehrer oder Mitarbeiter im Gesundheitswesen. Denn das Virus und die Angst vor einer Infektion hat auch Folgen für die Arbeit der Frauenhaus-Mitarbeiterinnen: „Wir müssen den Kontakt zu minimieren.“ Dabei sei der persönliche Kontakt für ihre Arbeit mit den Frauen wichtig. Viele Sachen könne man am Telefon regeln, bei externen Beratungen sei das oft auch kein Problem.

Schwierig werde es aber schon, wenn ein Antrag auszufüllen ist. Und eine Katastrophe seien die Kontaktbeschränkungen für die Frauen, die Zuflucht suchen müssen. „Unsere Arbeit ist schwierig geworden“, sagt Anette Geis. Jedenfalls könnten sie und ihren Kolleginnen ihren eigenen Ansprüchen im Moment nicht gerecht werden. Auch wenn sie wissen, dass die Frauen, die ins Frauenhaus kommen, vor allem erst einmal Sicherheit brauchen. „Alles andere muss irgendwie gehen.“

Große Solidarität während Corona: Zahlreiche Spenden für Frauenhaus in Limburg-Weilburg

Und das gilt auch für die Finanzen. Die Pandemie hat auch für das Frauenhaus finanzielle Folgen: Weil die Wohnungen im Frühjahr nicht belegt waren, fehlen Mieteinnahmen. Jetzt sei das Frauenhaus zwar wieder zu rund zwei Dritteln belegt, aber ein paar Tausend Euro fehlen im Budget. Dafür gebe es ganz viele Menschen, die Kleidung und Spielsachen spenden wollen. „So viel Lagerraum haben wir gar nicht.“ Und dann gibt es natürlich noch Menschen, die auch in diesen Zeiten Geld auf das Spendenkonto des Frauenhauses überweisen. Und es gab den ersten virtuellen Frauenlauf zugunsten des Frauenhauses. Mit einem Ergebnis, dass alle Erwartungen übertroffen hat. Mehr als 22 000 Euro kamen zusammen. „Es war toll, dass wir gerade in dieser Situation so eine große Unterstützung erfahren haben“, sagt Anette Geis. (Sabine Rauch)

Die Ansprechpartnerinnen

Frauen aus dem Landkreis Limburg-Weilburg, die eine geschützte Unterkunft brauchen, können sich an das Frauenhaus Limburg, (0 64 31) 2 32 00, E-Mail: info@frauenhaus-limburg.de, wenden, für Frauen aus dem Rhein-Lahn-Kreis sind die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses Koblenz die richtigen Ansprechpartnerinnen, (02 61) 94 21 02 0, E-Mail: info@frauenhaus-koblenz.de.

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