Sie freut sich auf die Schule - auch wenn das unter der Maske nicht so gut zu erkennen ist. Auch an der Herzenbergschule in Hadamar hat der "Regelbetrieb" begonnen. Die Schüler im Hintergrund warten in einer Reihe vor der Tür auf den Einlass.
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Sie freut sich auf die Schule - auch wenn das unter der Maske nicht so gut zu erkennen ist. Auch an der Herzenbergschule in Hadamar hat der "Regelbetrieb" begonnen. Die Schüler im Hintergrund warten in einer Reihe vor der Tür auf den Einlass.

Restart der Grundschulen

Limburg-Weilburg: Endlich wieder alle zusammen in der Schule

  • Sabine Rauch
    vonSabine Rauch
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Schüler und Lehrer sind froh über "ein Stück Normalität", auch wenn manche Kinder nicht da und viele Regeln zu befolgen sind.

Limburg -Von Normalität kann noch keine Rede sein, schließlich tragen alle Kinder eine Maske und sind sehr diszipliniert. Kein Geschubse, kein Gerenne, alle stehen brav mit anderthalb Metern Abstand in einer Reihe. Kein lautes Rufen, kein Gemotze. Stille auf dem Schulhof der Herzenbergschule in Hadamar - zumindest vor Unterrichtsbeginn.

Seit Montag wird an dieser Grundschule, so wie in allen anderen Grundschulen im Kreis, der Regelbetrieb getestet - allerdings mit den strengen Auflagen, die die dritte Version des Hygieneplans den Schulen macht. Dazu gehören zum Beispiel der versetzte Schulanfang und die versetzten Pausen, eine Art Schulbetrieb im Schichtsystem.

An der Grundschule in Ahlbach zum Beispiel kommt die ersten Klasse um 8 Uhr, die nächste um 8.15 Uhr, die dritte Schicht beginnt um 8.30 Uhr und die letzte dann um 9.30 Uhr - die Stunde Pause müsse sein, weil die Kollegin, die Deutschunterricht in der ersten Klasse gibt, auch die zweite Klasse unterrichtet, erklärt Maria Bopp, die Leiterin der Grundschule in Ahlbach.

Wichtig sei, dass die Kinder in ihrer Gruppe bleiben - auch in den Pausen. Und am Nachmittag ist dann wieder Achtsamkeit gefragt. Aber auch das sei kein Problem, sagt Maria Bopp. Die Kinder hielten sich an die Regeln. "Sie haben verinnerlicht, dass Abstand wichtig ist." Und dass sie die Maske tragen müssen, sobald sie in Bewegung sind. Kinder könnten sich sehr gut auf neue Situationen einstellen, man müsse ihnen nur richtig erklären, worum es geht. Und wer das verstanden habe, könne auch Fangen spielen, ohne den Anderen anzufassen.

Mindestschülerzahl

ist aufgehoben

Und sowieso seien die Kinder froh, endlich wieder in die Schule gehen zu können, dass es wieder "ein Stück Normalität" gibt, sagt Maria Bopp. Und deshalb kommen in Ahlbach auch alle Schüler wieder in die Schule - keine Familie nutzt die Möglichkeit, ihr Kind von der Präsenzpflicht befreien zu lassen. Was vielleicht auch daran liegt, dass gerade mal 44 Kinder in Ahlbach zur Schule gehen. Und daran, dass es für sie in Corona-Zeiten eine sehr komfortable Beschulung gibt: Statt zwei Kombi-Klassen gibt es seit 2. Juni vier Klassen, die Mindestschülerzahl von 13 pro Klasse ist vom Kultusministerium aufgehoben worden - zumindest bis zu den Ferien.

Zu wenig Schüler für nach Jahrgangsstufen getrennte Klassen sind an der Freiherr-vom-Stein-Schule in Dauborn kein Thema. 330 Kinder gehen hier normalerweise in die Grundschule, bis gestern hatten allerdings 53 Eltern ihre Kinder abgemeldet. Damit habe sie nicht gerechnet, sagt Schulleiterin Judith Lehnert. Weil die Schulpflicht ja weiter bestehe, müssten diese Kinder jetzt weiter mit Material fürs Homeschooling versorgt werden - analog oder digital. "Das erhöht den Aufwand für die Kollegen natürlich noch einmal."

Ohnehin sei Corona eine große logistische Herausforderung, sagt Judith Lehnert. Zum Beispiel die Pausen: Zum Glück sei der Pausenhof riesig, die Kinder könnten die unterschiedlichen Spielzonen nutzen und sich über den ganzen Hof verteilen. Aber Fangen spielen sollten sie eben nicht, lieber rutschen, schaukeln, Mensch-ärgere-Dich-nicht spielen oder Roller fahren - das gehe auch mit Abstand. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Zumindest nicht für die Lehrer, die die Aufsicht haben. Sie müssen jetzt nicht mehr nur aufpassen, dass nichts passiert, sondern auch Griffe und Spielfiguren desinfizieren.

Aber die Kinder seien auf jeden Fall glücklich, dass sie wieder gemeinsam in die Schule dürfen, sagt Judith Lehnert. Denn bei der Teilung der Klassen sei es ja nicht immer möglich gewesen, jede beste Freundin zu berücksichtigen.

Und das gilt vermutlich für alle Grundschulen. Finn Höhler geht in die zweite Klasse der Herzenbergschule in Hadamar. Seine Freunde sind das Erste, was ihm einfällt, wenn man ihn fragt, worauf er sich am meisten gefreut hat. Aber ein bisschen ungewohnt sei es schon, jetzt wieder jeden Morgen so früh aufstehen zu müssen. "Ich bin froh, dass wir wieder alle zusammen sind", sagt Josefine Pott. Die Erstklässlerin freut sich jeden Morgen auf die Schule. Vielleicht auch, weil sie weiß, dass ihre Lehrerin an der Herzenbergschule ein bisschen geduldiger ist als die Mama im Homeschooling.

Manche Eltern überlegen

es sich noch anders

Und da ist sie sicher nicht die Einzige. Auch die Lehrer seien froh, wieder von Angesicht zu Angesicht unterrichten zu können, sagt Dirk Fredl, der Sprecher des Staatlichen Schulamtes für den Kreis Limburg-Weilburg. Und die organisatorischen Herausforderungen hätten die Schulen offenbar auch alle gemeistert. "An allen Schulen läuft der Betrieb wie geplant." Wie viele Eltern ihre Kinder lieber zu Hause lassen, könne er nicht sagen. Die Schulen müssten die Zahlen erst am letzten Schultag vor den Ferien erfassen, weil es sich einige Eltern immer noch anders überlegten und ihre Kinder abmeldeten. "Aber insgesamt machen nur relativ wenige Familien von dem Angebot Gebrauch."

Wahrscheinlich müssen die Lehrer sich erst einmal daran gewöhnen, einige Schüler in der Schule und andere auf digitalem Weg zu unterrichten, sagt Dirk Fredl. Derzeit berate eine Expertengruppe im Kultusministerium, wie es nach den Ferien weitergehen soll. "Die Schulen wollen ja auch planen."

Aber sie wissen auch schon, dass es erst einmal keine Planungssicherheit gibt. Aber so viel steht schon fest: Die Lehrer müssen erst einmal dafür sorgen, dass sich die Kinder so wenig wie möglich im Klassenraum bewegen, denn dafür müssten sie ja eigentlich die Maske wieder aufsetzen, sagt Nicole Reeh, die Leiterin der Herzenbergschule. Und sie müssten sich immer mal wieder neue Zeiten, neue Sammelpunkte und andere Wege merken. "Das ist dann das Gehirnjogging für uns."

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