+
Ein Bild aus guten Zeiten: Helmut Peuser 2018 bei der Verleihung des Hessischen Verdienstordens im Kreishaus. Die bislang letzte Auszeichnung. Für seine herausragenden Leistungen und Verdienste hat er vom Goldenen Meisterbrief bis zum Bundesverdienstkreuz alle möglichen Ehrungen bekommen.

Keine große Feier

Helmut Peuser wird 80: Ein außergewöhnlicher Politiker

  • schließen

Der langjährige Landtagsabgeordnete wird heute 80. Was wäre das für ein Fest geworden. . . Aber nicht nur Corona steht dem entgegen.

Limburg - Fünf Termine. An einem Samstag. Im hohen Alter. Vom Jubiläum der Hospizdienste über die Ausstellung der Kleintierzüchter bis zur Adventsfeier der Obdachlosen. Der 22. November 2019 ist ein typischer „Arbeitstag“ für Helmut Peuser – als Vertreter der Kreisregierung, der er nun schon seit knapp 50 Jahren angehört.

Auch der Sonntag darauf beginnt wie immer. Morgens Gottesdienst, danach eine ausgedehnte Wanderung im Erbacher Wald. „Ein schöner Herbsttag“, erinnert sich der langjährige Landtagsabgeordnete. Nach zwei Stunden ist nichts mehr schön für ihn. Die Füße gehen weg, plötzlich kein Gefühl mehr. Mit letzter Kraft schleppt der 79-Jährige sich nach Hause. Da ahnt er noch nicht, dass dieser Tag schlagartig sein Leben verändern wird.

Zwei Wochen Schmerzen, Arzttermine und Ungewissheit. Nach der Röntgenuntersuchung im Limburger St. Vincenz muss Peuser da bleiben, später wird er in einem Wiesbadener Krankenhaus an der Wirbelsäule operiert und in die Bad Camberger Reha-Klinik verlegt. Vier Monate dauert es insgesamt.

Helmut Peuser: Auf Rollstuhl und Rollator angewiesen

Und das Leiden ist auch daheim nicht vorbei. Helmut Peuser kann sich in seinem Haus in Erbach nur im Rollstuhl und mit dem Rollator bewegen. Die Gedanken, wie er seinen Achtzigsten feiert, haben sich unabhängig von der Corona-Krise längst erübrigt. Völlig unwichtig. Wichtig ist für ihn heute nur, „wenigstens einigermaßen wieder auf die Beine zu kommen und im Kopf noch möglichst lange klar zu bleiben“. „Das ist mein größter Geburtstagswunsch“, sagt der Jubilar. „Den Wert der Gesundheit habe ich früher unterschätzt.“

Er ist unzufrieden mit seiner Situation, würde lieber Bäume ausreißen als ruhen. Aber der gläubige Katholik hadert nicht mit seinem Schicksal („man kann’s sich nicht aussuchen“). Peuser hat „panische Angst“, sich zu infizieren und wieder ins Krankenhaus zu müssen. Die Tür bleibt deshalb heute selbst für gute Freunde geschlossen. Außer dem Sohn darf niemand zu ihm. Markus wohnt nebenan in einem Haus, das Helmut Peuser vor 57 Jahren fast alleine gebaut hat. Dass er gleichzeitig auch seine Schreinermeisterprüfung geschafft hat, macht ihn nach wie vor stolz.

Peuser lebt seit fünf Jahren wieder in Erbach, in seinem von Grund auf umgestalteten Elternhaus. „Die Isolation fällt mir sehr schwer“, sagt der früher so gesellige und lebensfrohe Mann.

Zu seinem Siebzigsten, damals war er noch Landtagsabgeordneter, sind mehr als 300 Gäste in die CDU-Geschäftsstelle gekommen. Heute wären es nicht viel weniger gewesen. Peuser hat zwar Ämter und Aufgaben abgegeben, aber nichts an Ansehen und Beliebtheit verloren. Unzählige, die ihm nicht nur gratulieren, sondern auch danken wollen. Er hat so vielen Menschen, Vereinen und Institutionen geholfen. . .

Dieses Ziel hat ihn in verschiedenen Funktionen angetrieben; am wirkungsvollsten umsetzen konnte er es in der Politik. Gut 19 Jahre (1995 bis 2014) im Landtag, seit 48 Jahren im Kreisausschuss (davor vier Jahre im Kreistag). Weil in Corona-Zeiten keine Sitzungen stattfinden, kann der Kreisbeigeordnete sich weiter per Telefon und Post an den Entscheidungen beteiligen. „Geistig bin ich Gott sei Dank noch fit“, betont er.

Helmut Peuser betreibt Politik mit Leib und Seele

Helmut Peuser macht Politik mit Leib und Seele, neudeutsch ganzheitlich, vom Kopf bis zu den Füßen, mit allen Sinnen. Er agiert mit gesundem Menschenverstand, viel Herz sowie einem guten Bauch- und Fingerspitzengefühl. Seine Weisheit schöpft er nicht aus Büchern, sondern aus reicher Lebenserfahrung. Der Christdemokrat sieht genau hin, hört aufmerksam zu, schaut den Leuten aufs Maul, ohne ihnen nach dem Mund zu reden.

Er war stets viel unterwegs und nah bei den Menschen. Er weiß, wo auch den einfachen Bürgern der Schuh drückt. Wenn der damalige Ministerpräsident Roland Koch wissen wollte, wie umstrittene Entscheidungen in der Bevölkerung ankommen könnten, sagte er in der Fraktionssitzung „Fragen wir mal den Helmut“. Peuser hat einen klaren politischen Standpunkt, ist aber kompromissfähig. Ein pragmatischer Praktiker und alles in allem ein Volksvertreter im besten Sinne.

Privat ist es ähnlich. Der Erbacher ist praktizierender Christ, aber kein Moralapostel. Er kann sehr ernst und in der nächsten Sekunde sehr lustig sein. Er hat den Schalk im Nacken und freut sich wie ein kleines Kind, wenn er jemand hereingelegt hat: zum Beispiel mit verstellter Stimme am Telefon, auf Schreiben mit verändertem Briefkopf, durch den Austausch von Utensilien oder fingierte Einträge in Terminkalendern. Auch hochrangige Persönlichkeiten können ein Lied davon singen.

„Ohne Spaß wäre Politik gar nicht zu ertragen“, sagt er aus langer Erfahrung. „Sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen“, lautet seine Devise. Sein Verhalten und sein Charakter basieren auf der festen Überzeugung, dass der Mensch unvollkommen ist. Peuser kennt seine Schwächen und weiß um seine Fehler, auf der Habenseite stehen allerdings weit mehr Stärken und Verdienste.

Peuser gilt als ehrlich und glaubwürdig, verlässlich und vertrauensvoll, leidenschaftlich und fleißig, freundlich und bodenständig. In der Bilanz misst er den zahlreichen kleinen Erfolgen, dank derer er Menschen und Vereinen unmittelbar helfen konnte, mehr Bedeutung bei als den großen Projekten, an denen er maßgeblich mitwirkte.

Helmut Peuser hat früh erfahren, dass man im Leben nichts geschenkt bekommt, und gelernt, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Das hat ihn geprägt. Die Mutter ist bei seiner Geburt gestorben; die Schwester musste mit 14 aus der Schule, um den Säugling und die kranke Oma zu versorgen, sein Bruder mit 16 in den Krieg, der Vater zum Volkssturm. Josef Peuser, Nazi-Gegner und von den Amerikanern vor exakt 75 Jahren zum Bürgermeister von Erbach ernannt, war sein Vorbild. Er blieb bis ins hohe Alter Bürgermeister und selbstständiger Polstermeister.

Helmut Peuser gewann vier Mal das Direktmandat für den Landtag mit Traumergebnissen

Der Sohn lernte 1955 Schreiner, machte in Abendkursen in Wiesbaden als Jüngster in Hessen den Meister. Mit 23 selbstständig. 1967 wird er Kreisgeschäftsführer der CDU, später stellvertretender Landesgeschäftsführer. Peuser organisierte rund 50 Wahlkämpfe und an die 400 Großveranstaltungen. Der Ehrenvorsitzende des CDU-Stadtverbandes Limburg und des CDU-Kreisverbandes gewann bei Landtagswahlen viermal mit Traumergebnissen das Direktmandat. Kein Wunder. Es gibt nicht viele Politiker von seinem Schlag.

Er war 15 Jahre lang aktiver Sänger (2. Tenor im MGV Erbach), ist Mitglied in 24 Vereinen und sozial sehr engagiert.

Alles in allem: Ein Vorbild in vielerlei Hinsicht, ein außergewöhnlicher Politiker und ein herzensguter Mensch. Dieser Mann, der nie abgehoben hat und mit beiden Füßen auf dem Boden geblieben ist, wird sich hoffentlich bald wieder besser bewegen können.

Wer so viel Gutes geleistet hat, der hat auch mit 80 alles Gute verdient.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare