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Erzieherin Jutta Ringsdorf betreut derzeit täglich maximal vier Heranwachsende im Kinderhaus "In der Schlei" in Niederbrechen.

Kinderbetreuung

Limburg-Weilburg: Immer mehr Kinder in der Notbetreuung

Kommunen verzichten vorerst auf die Kita-Gebühren. Oft muss aber noch endgültig entschieden werden.

In den Kindertagesstätten der Region ist derzeit wenig los. Schaukeln und Rutschen bleiben leer und die kleinen Stühle in den Kita-Gruppen sind meist unbesetzt. Aufgrund der Corona-Krise haben die Einrichtungen nur für die Notbetreuung geöffnet. Nur Eltern, die in bestimmten Branchen arbeiten, und alle berufstätigen Alleinerziehenden dürfen ihre Sprösslinge in den Kindertagesstätten unterbringen. Auf der Homepage des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration sind alle Berufengruppen aufgelistet, die die Notbetreuung in Anspruch nehmen können. Darunter befinden sich unter anderem Ärzte, Apotheker und Rettungsassistenten. Die hessenweit einheitliche Regelung gilt zunächst bis zum 3. Mai.

Auch im Landkreis Limburg-Weilburg gibt es momentan viele Notbetreuungen. Alle 21 Kindertagesstätten in Limburg bieten eine solche an. Rund 60 Kinder spielen und toben täglich in den Einrichtungen. "Die Fälle der Notbetreuungen steigen seit einigen Tagen leicht an", sagt Stadtsprecherin Anna-Sophie Schindler. Falls eine Notbetreuung am Wochenende oder an Feiertagen erforderlich sei, werde diese von den entsprechenden Einrichtungen umgesetzt. Bisher habe es aber nur eine Feiertagsbetreuung am Ostermontag gegeben.

In Hadamar bieten drei Kindertagesstätten und zwei Kindergrippen Notbetreuungen an. Insgesamt 27 Mädchen und Jungen kommen dort derzeit. Sie werden von 19 Erzieherinnen betreut, die teilweise im Wechsel in ihren Einrichtungen arbeiten. "Die Notbetreuung läuft reibungslos und wird gelobt. Engpässe oder Zwischenfälle sind mir nicht bekannt", sagt Bürgermeister Michael Ruoff (CDU).

Elternbeiträge ausgesetzt

Wegen dem allgemeinen Betretungsverbot in Kitas hat der Magistrat der Stadt Hadamar die Aussetzung der Verpflichtung zur Zahlung der Elternbeiträge für die Monate April und Mai beschlossen, falls das Betretungsverbot bis Ende Mai aufrechterhalten wird. "Dies führt zunächst zu Mindereinnahmen von rund 32 500 Euro monatlich. Es handelt sich jedoch nicht um einen Erlass oder um einen endgültigen Verzicht. Dies kann nur durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden", erklärt Ruoff. Er erwartet einen finanziellen Ausgleich des Landes, weil das Betretungsverbot für Kitas vom Land verordnet wurde. Eine solche Regelung sei allerdings bisher noch nicht in Sicht.

In acht Kindertagesstätten der Stadt Bad Camberg gibt es momentan eine Notbetreuung. Die Einrichtungen befinden sich in den Stadtteilen Würges, Oberselters, Erbach und in der Kernstadt. 49 Heranwachsende nehmen die Betreuung in Anspruch. "Die Anzahl der Kinder hat sich in den vergangenen Wochen aufgrund der Änderungen der gesetzlichen Regelungen erhöht", sagt Florian Thuy von der Stadt. Bisher laufe alles nach Plan. Beschwerden von Eltern gebe es nicht. Alle Einrichtungen bieten eine Wochenendbetreuung an, die bisher aber noch nicht genutzt wurde. "Die Stadt hat beschlossen, für den Zeitraum der Corona-bedingten Schließungen auf die Erhebung der Kita-Gebühren zu verzichten", so Thuy. Für die Kinder, die eine Notbetreuung in Anspruch nehmen, werden die Gebühren aber weiterhin erhoben.

In vier Kindertagesstätten der Gemeinde Brechen gibt es Notbetreuungen. Bis zu 15 Mädchen und Jungen pro Tag kommen insgesamt. "Jedes Kind wird dabei in der Einrichtung untergebracht, die es auch regulär besucht", sagt Bürgermeister Frank Groos (parteilos). Eine Wochenendbetreuung werde derzeit nicht angeboten, da es dafür momentan keinen Bedarf gebe. Bisher habe es keine Zwischenfälle gegeben und die Eltern seien sehr verständnisvoll. Die Gemeinde Brechen hat für den Monat April auf die Kita-Gebühren verzichtet.

In der Gemeinde Selters gibt es in vier Tagesstätten und einer Kindergrippe Notbetreuungen. Das Angebot wird momentan von 26 Kindern wahrgenommen. Die meisten angemeldeten Heranwachsenden verzeichnet die Katholische Kindertagesstätte St. Christopherus in Niederselters. Dort spielen und basteln aktuell täglich acht Mädchen und Jungen. "Da durch die neuen Regelungen seit einigen Tagen beispielsweise auch berufstätige Alleinerziehende und Soldaten ihre Kinder in die Einrichtungen bringen können, rechnen wir damit, dass die Zahl der zu betreuenden Kinder weiter steigen wird", sagt Bürgermeister Bernd Hartmann (parteilos).

Masken und Handschuhe für die Erzieherinnen

Alle sieben Kitas der Gemeinde Hünfelden bieten eine Notbetreuung an. Über 60 Erzieherinnen und Erzieher sind dort im Einsatz. Sie arbeiten im Schichtdienst und werden von der Kommune mit Gesichtsmasken und Handschuhen versorgt. "Bis zu sechs Kinder pro Einrichtung sind täglich an Ort und Stelle", sagt Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer (parteilos). Auch in Hünfelden wurden die Kita-Gebühren vorerst ausgesetzt. "Es läuft bisher alles rund und die Erzieherinnen machen einen tollen Job", sagt die Bürgermeisterin.

Nur insgesamt fünf Heranwachsende besuchen aktuell die Notbetreuungen in der Gemeinde Villmar. Diese wird in den Kindertagesstätten in Seelbach und Weyer angeboten. Pro Einrichtung sind zwei Erzieherinnen im Einsatz. "Eine Wochenendbetreuung gibt es derzeit nicht. Sie kann aber bei Bedarf angeboten werden", sagt die Assistentin des Bürgermeisters, Theresa Philipp. Man habe die Kindergartengebühren zunächst für den Monat April ausgesetzt.

In der Stadt Runkel gibt es in allen sechs Kindergärten eine Notbetreuung. Sie befinden sich in Steeden, Wirbelau, Arfurt, Ennerich, Dehrn und in der Kernstadt. 21 Mädchen und Jungen kommen werktags in die Einrichtungen. Pro Kleingruppe werden zwei Erzieher eingesetzt. "Bisher gab es keine Anfragen für eine Wochenendbetreuung", sagt Bürgermeister Michel Kremer (parteilos). Die Gebühren sind für den Monat April ausgesetzt. "Die Stadtverordnetenversammlung muss noch darüber entscheiden, ob die Gebühren erlassen werden oder anteilig beziehungsweise sogar voll bezahlt werden müssen", sagt der Bürgermeister.

Gut gelaunte Mädchen und Jungen entwerfen Gesichtsmasken

Im Niederbrecher Kinderhaus "In der Schlei" spielen und toben momentan maximal vier Kinder pro Tag. "Zwei Erzieherinnen sind wochentags da", sagt die Leiterin Jutta Ringsdorf. "Eine der beiden Mitarbeiterinnen kümmert sich um die Kinder während die andere Projekte plant und die Räume säubert." In den vergangenen Wochen haben die Mädchen und Jungen immer zusammen gespielt. Sollten aber in den kommenden Tagen noch mehr Heranwachsende die Notbetreuung besuchen, müssten sie in zwei Gruppen aufgeteilt werden, damit das Ansteckungsrisiko weiter gering bleibt.

"Die berufstätigen Eltern bringen ihre Kinder nur bis zur Haustür des Kinderhauses. Dort holen wir sie ab und gehen mit ihnen zunächst gründlich die Hände waschen", erklärt Ringsdorf, die bereits seit 1998 die Leitung der Einrichtung inne hat. Die meist gut gelaunten Heranwachsenden dürften den Tag dann mitgestalten. Sie entscheiden ob drinnen oder draußen gespielt wird und ob man bastelt und malt. Meist sei die Atmosphäre sehr entspannt. Auch die Kooperation mit den Eltern funktioniere reibungslos.

Das Thema Corona wird mit den Zwei- bis Sechsjährigen öfter diskutiert. "Wir erklären ihnen beispielsweise, warum man sich vor dem Virus schützen muss", sagt Ringsdorf. Man habe sogar schon gemeinsam mit den Kindern Gesichtsmasken entworfen. "Die Mädchen und Jungen können die Situation eigentlich recht gut einschätzen. Sie haben verstanden, was zu tun ist." Im Kinderhaus legt man großen Wert darauf, alle Hygienevorschriften einzuhalten. "Das klappt sehr gut, jedoch kann der Mindestabstand von eineinhalb Metern zwischen den Kindern untereinander und auch zwischen Kindern und Erzieherinnen nicht immer eingehalten werden", berichtet die Leiterin. Sie freut sich sehr auf den Tag, an dem wieder der Alltag in das Kinderhaus einkehrt. "Wir vermissen die vielen tobenden Heranwachsenden sehr, die aktuell zu Hause bleiben müssen", betont Ringsdorf. 

Von Tobias Ketter

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