Die Bürgermeister Frank Groos (Brechen), Horst Kaiser (Elz), Silvia Scheu-Menzer (Hünfelden), Thomas Scholz (Mengerskirchen) und Peter Blum (Waldbrunn) plädieren vor einem Fahrzeug der Niederbrechener Brandbekämpfer, dass alle Feuerwehrleute zügig geimpft werden können.
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Die Bürgermeister Frank Groos (Brechen), Horst Kaiser (Elz), Silvia Scheu-Menzer (Hünfelden), Thomas Scholz (Mengerskirchen) und Peter Blum (Waldbrunn) plädieren vor einem Fahrzeug der Niederbrechener Brandbekämpfer, dass alle Feuerwehrleute zügig geimpft werden können.

Bürgermeister im Kreis Limburg-Weilburg

„Wir sind einfach nur noch sauer“: Freiwillige Feuerwehr noch immer ohne Corona-Impfung

  • vonKlaus-Dieter Häring
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  • Tobias Ketter
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Die Bürgermeister im Kreis Limburg-Weilburg wollen, dass Feuerwehrleute zügig geimpft werden. Kritik an der hessischen Landesregierung wird laut.

Limburg – Die Corona-Pandemie hat den Landkreis Limburg-Weilburg weiterhin fest im Griff. Viele hoffen, dass sich die Situation durch die vermehrten Lieferungen von Impfstoffen bald entspannen wird. Ein Großteil ist aber noch nicht geimpft. Das betrifft auch die meisten Feuerwehrleute. Da während ihren Einsätzen die geltenden Abstandsregeln kaum einzuhalten sind, setzen sie sich einem erhöhten Infektionsrisiko aus. Deshalb fordern nun die Bürgermeisterin und die Bürgermeister im Landkreis Limburg-Weilburg sowie der Kreisfeuerwehrverband und die SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, dass die Corona-Impfungen für Feuerwehrleute forciert werden.

„Wir finden, es besteht sofortiger Handlungsbedarf und deshalb setzen wir uns gemeinsam für ein sofortiges Impfangebot für unserer Einsatzkräfte ein“, heißt es in einer Erklärung der Bürgermeister des Landkreises. „Wir alle brauchen die Feuerwehren und die Feuerwehren brauchen dringend Impfungen“, sagt Brechens Bürgermeister Frank Groos (parteilos. Man müsse das Ungleichgewicht bei der Priorisierung unbedingt in die Balance bringen. Die Feuerwehren der Kommunen zählen laut seiner Hünfeldener Amtskollegin Silvia Scheu-Menzer (parteilos) zu den systemrelevanten Institutionen und sie seien ein wesentlicher Bestandteil für die Sicherheit der Bevölkerung. Man habe aber laut dem Schreiben der Bürgermeister vermehrt festgestellt, dass sich dies nicht in der festgelegten Impfpriorität des Landes Hessen widerspiegele.

Limburg-Weilburg: Feuerwehr ist noch immer nicht geimpft

„Personen, die der gleichen Prioritätsstufe wie die Feuerwehren zugeordnet sind, wurden bereits geimpft, währenddessen unsere Einsatzabteilungen ohne Impfschutz tagtäglich ihr Leben für andere riskieren“, steht in der Erklärung. Im Einsatz seien Feuerwehrleute Infektions- und Quarantänerisiken ausgesetzt, die zum Teil mit denen der schon geimpften Rettungsdienste vergleichbar seien. Neben der Brandbekämpfung unterstütze die Feuerwehr eben jenen Rettungsdienst. Man arbeite Hand in Hand. Allerdings sei die Impfpriorität völlig unterschiedlich.

„Unsere Feuerwehr ist für einen Streckenabschnitt auf der A 3 verantwortlich“, sagt der Elzer Bürgermeister Horst Kaiser (CDU). Pro Jahr müssten die Einsatzkräfte rund 130 Mal ausrücken. Aufgrund dieses enormen Volumens an Einsätzen und Kontakten sei es wichtig, dass die Feuerwehrleute schnellstmöglich geimpft werden. Das sieht sein Mengerskirchener Amtskollege Thomas Scholz, (CDU) genauso: „Die Übungen der Einsatzkräfte und auch des Nachwuchses sind wichtig für unsere Gesellschaft. Auch deshalb sollten möglichst zeitnah Impfungen stattfinden.“ Bei einem Einsatz seien Brandbekämpfer aus Waldbrunn bereits mit einer infizierten Person in Kontakt gekommen, berichtet Bürgermeister Peter Blum (parteilos). Um bei solchen Fällen die Weitergabe des Virus zu verhindern, müsse dringend geimpft werden.

Erster Kreisbeigeordneter: Feuerwehrleute im Kreis Limburg-Weilburg sollten zügig geimpft werden

Der Kreis Limburg-Weilburg unterstützt die Forderung der Verwaltungschefs. „Die Einsatzkräfte leisten einen wichtigen Beitrag und sollten zügig geimpft werden“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete Jörg Sauer (SPD).

Auch der Landesfeuerwehrverband und der Kreisfeuerwehrverband Limburg-Weilburg fordern den Impfschutz für die Einsatzkräfte. „Wir lassen uns nicht weiter hinhalten“, sagt der Kreisvorsitzende Thomas Schmidt. Menschenleben retten funktioniere nicht auf Abstand und manchmal nicht einmal mit Maske. „Die Einsatzkräfte riskieren ihre Gesundheit und die ihrer Familien“, betont Schmidt. Das müsse sich dringend ändern. Andere Bundesländer hätten für die Feuerwehren und für den Katastrophenschutz eine Lösung gefunden. Die hessische Landesregierung müsse endlich nachziehen.

Kreisfeuerwehrverband Limburg-Weilburg: Was für andere Gruppen gilt, muss auch für die Feuerwehr gelten

Gleiche Impfpriorität solle auch ein gleiches Impfangebot bedeuten. „Was für Lehrer und Erzieher gilt, muss nun auch für die Feuerwehrangehörigen gelten“, sagt der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes. Jetzt sei die Gelegenheit, die Anerkennung der Einsatzkräfte unter Beweis zu stellen. Gemeinschaft und die persönlichen Begegnungen seien für das ehrenamtliche System überlebenswichtig. „Wir müssen durch den Impfschutz wieder einen Weg zueinander finden, sonst bricht alles auseinander“, sagt Schmidt.

Tobias Eckert, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, unterstützt die Forderung. Es könne nicht sein, dass die schwarz-grüne Landesregierung das erhöhte Infektionsrisiko der Feuerwehrkräfte ignoriere. „Die Sonntagsreden der Landesregierung strotzen stets vor Lob für die Feuerwehren, aber wenn es darum geht, mit schnellen Corona-Impfungen reale Gefahren für Leib und Leben der Einsatzkräfte abzuwenden, passiert unter Schwarz-Grün gar nichts.“

Kreis Limburg-Weilburg: Feuerwehr Elz zeigt Verantwortlichen Rote Karte und Hinterteil

Eckert hat für die SPD-Landtagsfraktion einen Antrag mit dem Titel „Feuerwehren besser wertschätzen - Impfpriorisierung anpassen“ verfasst, der in der Plenarsitzung des Landtages debattiert und abgestimmt werden soll. Darin enthalten ist die Aufforderung, Einsatzkräfte in Hessen in die zweite Priorisierungsgruppe aufzunehmen.

Auch die Elzer Feuerwehraktiven haben sich aktiv an den derzeit laufenden Aktionen in Sachen Coronaschutzimpfungen für Feuerwehrkräfte angeschlossen. „Wir sind es leid Helfer dritter Klasse zu sein und nur mit Tröstungen und Ausreden abgespeist zu werden“ so der Wehrführer Hilmar von Schenck, nachdem sich die Elzer Einsatzkräfte vor der Feuerwache zu einem Foto zusammengestellt hatten, um den Verantwortlichen die Rote Karte und ihr Hinterteil zu zeigen. „Wenn wir sehen, welche Gruppen mittlerweile alle in der Priorisierung aufgerückt sind, die Feuerwehren aber erklärtermaßen nicht, sind wir einfach nur noch sauer“, sagt der Wehrführer. (Tobias Ketter)

Die Corona-Pandemie hat fatale Folgen für die freiwilligen Feuerwehren im Kreis Limburg-Weilburg. Seit über einem Jahr finden keine Übungen statt - allmählich wird es gefährlich, sagen die Experten.

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