Landwirt Andreas Müller aus Schupbach im Feldeinsatz mit seiner Maiserntemaschine. Für das Fahren auf öffentlichen Straßen benötigt er eine Ausnahmegenehmigung.
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Landwirt Andreas Müller aus Schupbach im Feldeinsatz mit seiner Maiserntemaschine. Für das Fahren auf öffentlichen Straßen benötigt er eine Ausnahmegenehmigung.

Landwirtschaftliche Großmaschinen

Vorsicht vor scharfen Messern: Landmaschinen können auf der Straße gefährlich werden

  • Rolf Goeckel
    vonRolf Goeckel
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Landwirtschaftliche Großmaschinen sind im Straßenverkehr nur bedingt zulässig. Mit ihren scharfen Messern können sie gefährlich werden – auch Kindern.

Limburg-Weilburg – Jenen Unfall vor 40 Jahren auf einer Landstraße in der Nähe von Idstein wird der Villmarer Rudolf Laux, inzwischen pensionierter Polizeibeamter, seinen Lebtag nicht vergessen: Ein Mähdrescher spießte in einer Kurve mit seinen scharfen Schneidmessern einen Motorradfahrer auf; der Mann überlebte den Unfall nicht.

Vor wenigen Tagen kamen Rudolf Laux die Bilder aus dem Jahr 1980 wieder ins Gedächtnis: In seinem Heimatort Villmar fuhr nach seinen Angaben ein Maishäcksler mitten durch den Ort – ohne jede Schutzbedeckung über den langen, scharfen Messern. Aus Laux' Sicht nicht nur eine latente Gefahr für Fußgänger und Radfahrer in den engen Gassen von Villmar, sondern auch schlicht nicht zulässig. "Viele Kinder laufen hier auf die Straße, da kann schnell mal ein Unglück passieren", meint der frühere Polizist.

Seine Beobachtung sei durchaus kein Einzelfall, wie er weiter berichtet. "Große landwirtschaftliche Maschinen ohne Schutzabdeckung sehe ich auch immer wieder in anderen Orten. Die Fahrer sollten wissen, dass dies nicht zulässig ist", empört sich der Villmarer.

Schneidwerk ist bis zu 10,50 Meter breit

Dem Kreisbauernverband (KBV) Limburg-Weilburg sind allerdings weder in Villmar noch in anderen Orten des Landkreises Verstöße gegen die Verkehrssicherung bei Transport- und Überführungsfahrten von Großmaschinen bekannt, wie Geschäftsführer Jonas Bachmann auf Anfrage dieser Zeitung erklärte. "Die mittlerweile bis 10,50 Meter reichende Breite des Schneidwerks macht den Transport auf einem entsprechenden Schneidwerksanhänger unerlässlich. Dabei werden alle Vorgaben nach aktuellem Stand der Technik und Verkehrssicherheit eingehalten", sagte Bachmann. Bei Häckslern zur Ernte von Mais sei die Situation hingegen etwas anders: Dort sei der Erntevorsatz fest verbaut und werde zum Transport nur zusammengeklappt, um die maximal zulässige Breite von drei Metern im Straßenverkehr einzuhalten. Dabei würden die weit nach außen reichenden Bauteile entweder durch Schutzbleche oder -bügel abgedeckt.

Der KBV-Geschäftsführer räumte allerdings ein, dass es bei vielen mit der Maisernte beauftragten Lohnunternehmern gängige Praxis sei, bei nah beieinanderliegenden Flurstücken die Fahrzeuge im einsatzbereiten und nicht vollständig gesichertem Transportzustand umzusetzen - mitunter auch über eine öffentliche Straße hinweg. "Die Fahrer und Begleitfahrzeuge sichern dabei aber in jedem Fall das Umsetzen entsprechend ab, sodass für unbeteiligte Dritte kein Risiko besteht", versicherte Bachmann.

Der KBV appelliert gleichwohl an alle Fahrer von Großmaschinen, sich an die geltenden Vorschriften zu halten - im Interesse aller Verkehrsteilnehmer. Außerdem werde allen Pkw-Fahrern empfohlen, einen großzügigen Abstand zu solchen Maschinen zu halten. "Große Maschinen lenken beim Abbiegen weiter aus und reduzieren die Geschwindigkeit drastisch", so der KBV-Vertreter.

Bei Verstößen droht der Widerruf

Eine akute Gefährdung von Fußgängern sieht Bachmann nicht. Und auch Laux' Verweis auf einen Verkehrsunfall des Jahres 1980 halte er für unzulässig: "Zwischen der Technik von vor 40 Jahren und heute bestehen immense Unterschiede in punkto Verkehrssicherheit, Bremsleistung und so weiter. Insofern kann dieser Verkehrsunfall nicht als Vergleich herangezogen werden."

Laut Auskunft der Kreisverwaltung Limburg-Weilburg dürfen Mähdrescher wegen ihrer Dimensionen auf öffentlichen Straßen nur mit einer Ausnahmegenehmigung des Regierungspräsidiums fahren. Das Schneidwerk solcher Maschinen werde in der Regel separat als Anhänger oder mit einem Traktor auf einem Transportanhänger transportiert, teilte Pressesprecher Jan Kieserg mit. Mit Erteilung einer Ausnahmegenehmigung würden von der Behörde Auflagen und Bedingungen festgesetzt, deren Nichtbeachtung zu einem Widerruf führen könne. Laut Straßenverkehrszulassungsordnung dürften am Umriss von Fahrzeugen keine Teile so hervorragen, dass sie den Verkehr mehr als unvermeidbar gefährden. Ein Verstoß hiergegen stelle eine Ordnungswidrigkeit dar, so der Sprecher.

Aus Sicht der Polizei besteht offenbar kein dringender Handlungsbedarf. "Es sind in den letzten Jahren keine Unfälle aufgrund solcher Verstöße bekannt geworden, bei denen Menschen verletzt wurden", teilte Kriminaloberkommissarin Franziska Huber vom Polizeipräsidium Westhessen mit. Verstöße gegen die Schutzvorschriften würden allerdings nicht statistisch erfasst. (Von Rolf Goeckel)

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