Marco Hepp ist mit seiner Situation zufrieden. Allerdings wünscht er sich mehr Verständnis der Verbraucher.
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Marco Hepp ist mit seiner Situation zufrieden. Allerdings wünscht er sich mehr Verständnis der Verbraucher.

Ertrag ist besser als im vergangenen Jahr

Limburg-Weilburg: Für Naturschutz, aber ohne Zwang von oben

  • vonRobin Klöppel
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Landwirte zufrieden mit der Ernte, aber nicht mit der Landesregierung

Limburg-Weilburg -Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Marco Hepp, ist mit der aktuellen Ertragslage der heimischen Landwirte zufrieden. "Wenn man die Kosten im Griff hat, kann man davon ordentlich leben", sagt der 41-Jährige, der in dritter Generation den "Wirtshäuser Hof" in Dauborn mit seiner Familie, einem Mitarbeiter und zwei Auszubildenden bewirtschaftet. Die Ernte im laufenden Jahr bezeichnet er bisher als überdurchschnittlich gut. Und im Gegensatz zu anderen Jahren, wo eine gute Ernte zu niedrigen Verkaufspreisen geführt habe, seien dieses Jahr auch die Marktpreise in Ordnung.

Als Beispiel führt er den Weizen an, wo die Marktpreise in den vergangenen Jahren zwischen zwölf und 25 Euro pro 100 Kilo schwankten. Derzeit seien 16 bis 18 Euro zu erzielen. Für die Futtergerste seien es 14 Euro, für den Raps gar 35 bis 37 Euro. Dass der Ertrag besser als im letzten Jahr war, führt Hepp darauf zurück, dass es bis März zumindest gut geregnet habe. Da Wasser sich hier lange im Boden halte, sei die Nachlieferung damit folglich gut gewesen sei. Somit seien auch die Bedingungen für Wintergetreide gut gewesen.

Extreme

Sommerhitze

Der Kreisvorsitzende der Landwirte sagt aber auch, dass die Futteranbaubetriebe Probleme hätten, weil das Grünland die letzten drei Jahre durch die extreme Sommerhitze stark gelitten habe. Hier sei der Ertrag 2020 ein Drittel unter dem Schnitt gewesen. Letztes Jahr sei die Lage noch schlechter gewesen, weil es da das ganze Jahr über trocken geblieben sei. Ansonsten würde Marco Hepp sich auch von der hessischen Landesregierung mehr Interesse an den Sorgen der Landwirte wünschen. Die seien für Naturschutz offen, wollten aber nichts von oben übergestülpt bekommen, was das wirtschaftliche Arbeiten für die Betriebe deutlich schwerer mache.

Als Beispiel nennt Hepp das Insektenschutzpaket sowie die Düngeverordnung. Wenn die Landwirte Schädlinge und Unkräuter nicht mehr bekämpfen dürften, sei es nur noch schwer möglich, mit dem nötigen Gewinn Acker- und Obstbau zu betreiben. Zudem stellte der Dauborner klar, dass zu hohe Nitratwerte im Boden nicht immer durch landwirtschaftliche Nutzung verursacht sein müssten. Das könne auch durch überlaufende Kläranlagen bedingt sein, erklärt er. Die Menschen in den Wohnsiedlungen produzierten auch eine Menge Abwässer.

3000 Schweine

in den Ställen

Das Hauptgeschäft des "Wirtshäuser Hof" ist die Schweinezucht. Marco Hepp hat mit Ferkeln aktuell etwa 3000 Schweine in den Stallungen stehen. Für sie habe er erst vor sechs Jahren neue Ställe gebaut, die damals als besonders tiergerecht gegolten hätten. Doch nach der neuen Tierhaltungsverordnung seien diese schon wieder zu klein. Hepp findet das ziemlich unfair den Landwirten gegenüber, die im guten Glauben, das Richtige für den Tierschutz getan zu haben, neu gebaut hätten. Denn die Finanzierung seines Stalls laufe über 20 Jahre, so dass es für ihn nicht einfach sei, in acht Jahren schon wieder die Ställe zu vergrößern und umzubauen. Natürlich gebe es auch dafür sicherlich eine Förderung, "doch den Großteil muss ich als Landwirt immer selbst bezahlen". Immerhin gehe es hier wieder um sechsstellige Beträge. Denn wenn er den Stall nicht vergrößere, könne er bei fünf statt drei Quadratmetern pro Sau in Zukunft nur noch 60 Prozent des aktuellen Tierbestandes halten. Außerdem müsse bei größeren Boxen die Inneneinrichtung für den kompletten Stall neu angeschafft werden.

Marco Hepp sagt, dass das Miteinander zwischen Landwirten und Verbrauchern in unserer heimischen Region noch sehr vertrauensvoll sei. Insgesamt mache das gesellschaftliche Umfeld die Produktion für Landwirte aber nicht einfacher. Was Marco Hepp konkret meint: "Wenn die Verbraucher optimale Haltebedingungen für Schweine wollen, müssen sie auch bereit sein, mehr fürs Fleisch zu zahlen". Es sei widersprüchlich, auf der einen Seite Landwirte zu kritisieren, auf der anderen Seite dann im Supermarkt aber nur Billigfleisch zu kaufen. Hepp meint, dass der Markt sich durch mehr Nachfrage nach Biofleisch selbst regulieren müsse. Lücken durch Subventionen auszugleichen, führten nur wieder zu mehr Neid gegen Landwirte, die ja angeblich so viel vom Staat bekämen.

Gefahr für

Jungferkel

Wenn die Muttersauen in der Besamungsstation in der Box fünf statt drei Quadratmeter Platz haben sollten, führe das auch dazu, dass künftig mehr Jungferkel sterben würden, die von ihrer Mutter in der Box zerdrückt würden. Auf Hepps Betrieb werden alle zwei Wochen um die 400 Ferkel neu geboren, so dass er im Jahr 1000 Mastschweine sowie weitere 11 000 Mastferkel vermarkten kann, die andere Landwirte dann bis zum Schlachtgewicht von 120 Kilo heranfüttern würden. Im Frühjahr hat er von den Händlern noch 2,03 Euro pro Kilo Schweinefleisch bekommen. Nachdem viele Feste für 2020 durch Corona abgesagt worden seien, sei der Preis auf 1,66 Euro gesunken. Durch das Schweinüberangebot nach der vorübergehenden Schließung der Tönnies-Großschlachterei sei der Preis dann weiter auf aktuell 1,47 Euro gesunken. Hepp sagt, dass er selbst neben Raps auf seinen 110 Hektar Ackerland nur Getreide zur eigenen Schweinfütterung anbaue. Zu den 600 Tonnen Eigenproduktion müsse er im Jahr aber noch 300 Tonnen dazukaufen . Robin Klöppel

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