Das Impfzentrum in Wiesbaden im Rhein-Main-Congress-Center (RMCC) soll als eines von sechs Regionalen Impfzentren in Hessen am 19. Januar seinen Betrieb aufnehmen. Auch die Personen mit höchster Priorität aus dem Landkreis Limburg-Weilburg sollen dann dort geimpft werden.
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Das Impfzentrum in Wiesbaden im Rhein-Main-Congress-Center (RMCC) soll als eines von sechs regionalen Impfzentren in Hessen am 19. Januar seinen Betrieb aufnehmen. Auch die Personen mit höchster Priorität aus dem Landkreis Limburg-Weilburg sollen dann dort geimpft werden.

Impfstoff ist knapp

Trotz ernster Corona-Lage im Kreis Limburg-Weilburg kein regionales Impfzentrum: Viel Kritik

  • Sebastian Semrau
    VonSebastian Semrau
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Weite Fahrt aus dem Kreis Limburg-Weilburg zur Corona-Impfung: Hessen öffnet zunächst nur sechs regionale Impfzentren. Kritik kommt von Landkreisen und Opposition.

Limburg – Fast 1300 Impfdosen gegen das Coronavirus sind bisher im Landkreis Limburg-Weilburg verabreicht worden. Diese wurden von mobilen Teams in Seniorenheimen und Krankenhäusern eingesetzt. „Wir erwarten in den nächsten Tagen weiteren Impfstoff“, sagt Kreissprecher Jan Kieserg. Das Impfzentrum des Landkreises, das bereits seit dem 12. Dezember fertiggestellt ist, wird allerdings dennoch seinen Betrieb vorerst nicht aufnehmen.

Kein regionales Corona-Impfzentrum im Kreis Limburg-Weilburg

Denn das Land Hessen hat beschlossen, am Dienstag, 19. Januar, zunächst nur sechs Regionale Impfzentren (Kassel, Gießen, Fulda, Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt) zu öffnen. Für den Kreis Limburg-Weilburg ist das Impfzentrum in Wiesbaden, das sich im Rhein-Main-Congress-Center (RMCC) in der Friedrich-Ebert-Allee 1 unweit des Hauptbahnhofs befindet, zuständig. Anmelden kann man sich ab dem 12. Januar unter 116 117 oder über www.impfterminservice.de im Internet. Und man sollte schnell sein: Die Termine werden nach Anmeldereihenfolge vergeben. An der Reihe sind aber zunächst nur die Personen mit höchster Priorität.

Die sind meist über 80. Diesen mutet das Land nun eine Fahrt nach Wiesbaden zu - wobei gestern von Innenminister Peter Beuth (CDU) und Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) mitgeteilt wurde: „Frauen und Männer, die älter als 80 Jahre sind und aufgrund körperlicher Einschränkungen ein Impfzentrum nicht aufsuchen können, werden zu Hause geimpft. Die mobilen Impfteams der Landkreise und kreisfreien Städte, die aktuell noch in den Alten- und Pflegeheimen im Einsatz sind, werden die Hausbesuche durchführen.“

70 bis 80 Kilometer Fahrt aus dem Kreis Limburg-Weilburg für die Corona-Impfung

Dies soll noch im Januar weitgehend abgeschlossen werden. Bis dahin bleibt der Weg nach Wiesbaden – der ist etwa von Dillhausen fast 80 und von Wilsenroth fast 70 Kilometer weit, Fahrtzeit laut Routenplaner jeweils gut eine Stunde. Mit dem Nahverkehr dauert es noch deutlich länger, von Dillhausen im besten Fall 2,25 Stunden. Das vom Oberlahn-Gebiet nähere Gießen darf übrigens nicht ausgewählt werden. Doch nicht nur deshalb appelliert der Hessische Landkreistag in einem Schreiben an die Landesregierung, alle 28 Impfzentren gleichzeitig zu öffnen.

Weitere Argumente sind demnach: Wir signalisieren damit der Bevölkerung, dass alle Landesteile in gleicher Weise im Blick sind und flächendeckend geimpft wird; wir machen das Thema Impfen breit vor Ort sichtbar und werben somit dafür; wir bieten den mobilen Über-80-Jährigen kurze Wege; wir schaffen die Option, Personal aus der Pflege und den Krankenhäusern auch im Impfzentrum bei schneller Erreichbarkeit zu impfen; und wir haben die Möglichkeit, uns in den Impfzentren langsam dem Regelbetrieb anzunähern und dabei die Vorgänge zu optimieren. Dieser Appell wird auch vom heimischen Landrat Michael Köberle (CDU) unterstützt. „Wir hoffen, bald auch unser Impfzentrum öffnen zu können, um den Bürgerinnen und Bürgern des Landkreises möglichst kurze Wege zur Impfung zu ermöglichen“, sagt er.

Bevölkerung in Limburg-Weilburg bei Corona-Impfung abgehängt?

Dem entspricht das Land aber nicht. Der Impfstoff reiche noch nicht aus, betont ein Sprecher des Innenministeriums. Dass die Großstadtbevölkerung vorgezogen worden ist, weist er zurück. Das Land habe sich an den bereits existierenden Versorgungsgebieten der Krankenhäuser orientiert. Auch dort gibt es ein Gebiet Wiesbaden-Limburg. Keine Rolle spielte bei der Auswahl derweil die Betroffenheit des Landkreises, sprich die Inzidenz.

Der Forderung der Landkreise schließen sich derweil der SPD-Landtagsabgeordnete Tobias Eckert und die Kreisvorsitzende der Frauen-Union, Christine Zips, an. Letztere betont bei aller Freude über den Impfstart: „Wer mit Familie, Freunden und Nachbarn nicht nach Wiesbaden kommt, ist in dieser Situation leider benachteiligt. Es kann aber nicht sein, dass die Bevölkerung außerhalb der größeren Städte abgehängt wird.“

Innenministerium verspricht: Corona-Impfungen in Limburg-Weilburg binnen Wochen

„Der ländliche Raum darf bei der Verteilung der Impfstoffe nicht vernachlässigt werden“, betont Eckert. Es solle sich nicht nur auf die Ballungsräume konzentriert werden. „Das wird einer Gleichbehandlung von Stadt und Land nicht gerecht.“ Verständnis äußert dagegen der CDU-Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende seiner Partei, Andreas Hofmeister: „Das ist eine Lösung, mit der man vernünftig arbeiten kann“, sagt er. Schließlich komme es auf die Impfstoff-Mengen an. Er verweist aber ausdrücklich auf die Hausbesuche mobiler Impfteams.

Diese sieht auch die FDP-Landtagsabgeordnete Marion Schardt-Sauer als eine Lösung. Es ergebe keinen Sinn, dass die Menschen aus der höchsten Prioritätsstufe zu den Regionalzentren fahren müssten, selbst die 28 Impfzentren seien teilweise weit weg. Stattdessen könnten mobile Teams in die Kommunen kommen. Sie kritisiert außerdem, dass sich „jeder Impfling selbst einen Termin besorgen muss“ und rechnet damit, dass „die Hotline zusammenbricht, sobald eine neue Gruppe dran ist“. Auch dabei wäre ein Weg über die Heimatorte besser.

Heiner Etzold, Kreisvorsitzender der AG „60 Plus“ der SPD, und selbst Betroffener, hat kein Verständnis dafür, dass zunächst nur in Wiesbaden geimpft wird. „Ich fordere, dass auch das Impfzentrum in Limburg-Dietkirchen eröffnet wird.“ Der Sprecher des Innenministeriums hofft das auch und verspricht: „Das wird nicht Monate, sondern höchstens Wochen dauern“. (Sebastian Semrau)

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