So sehen Sieger aus (von links): PPC-Schulleiter Detlef Winkler, Projektbegleiterin Kathrin Rudersdorf, Projektleiter Sebastian Wendt, Schüler Luca Bendel, Referatsleiterin Pia Stöckl.
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So sehen Sieger aus (von links): PPC-Schulleiter Detlef Winkler, Projektbegleiterin Kathrin Rudersdorf, Projektleiter Sebastian Wendt, Schüler Luca Bendel, Referatsleiterin Pia Stöckl.

"Jugendfriedenspreis" vergeben

Limburg-Weilburg: Schulen leisten ausgezeichnete Erinnerungsarbeit

Kreisausschuss verleiht den "Jugendfriedenspreis" an drei hervorragende Projekte

Limburg-Weilburg -Der Kreisausschuss des Landkreises Limburg-Weilburg hat zum zweiten Mal den "Jugendfriedenspreis" an junge Menschen bis 27 Jahre verliehen. In diesem Jahr konnten drei hervorragende Projekte der Peter-Paul-Cahensly-Schule in Limburg, der Freiherr-vom-Stein-Schule in Dauborn sowie der Johann-Christian-Senckenberg-Schule in Runkel mit "Jugendfriedenspreisen" ausgezeichnet werden.

Aufgrund der aktuell anhaltend hohen Infektionszahlen wurden die Preise im Auftrag von Landrat Michael Köberle durch Referatsleiterin Pia Stöckl und Dorothee Valentin, Bildungsreferentin im Jugendbildungswerk des Landkreises Limburg-Weilburg, den Projektverantwortlichen an den drei Schulen übergeben.

So hat das herausragende Projekt der Peter-Paul-Cahensly-Schule Limburg, "Gedenkstättenfahrten nach Auschwitz und Krakau (2017-2019)" mit dem Geschichtslehrer und verantwortlichen Projektleiter Sebastian Wendt, den ersten Preis im Wert von 800 Euro bekommen. Sebastian Wendt ist seit 13 Jahren verantwortlich für den Austausch Deutschland-Polen an der PPC-Schule und widmet sich seither intensiv dem Thema "Antisemitismus in der Zeit des Nationalsozialismus". Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich, mit Unterstützung des angehenden Historikers Markus Streb, mit Einzelschicksalen aus der Region. Kernstück dieser Arbeit sind dann - neben der Gestaltung verschiedener Gedenkveranstaltungen an der Schule, aber auch im Rathaus der Stadt Limburg sowie der Begleitung der Stolpersteinverlegung in Limburg - die Fahrten nach Ausschwitz und Krakau für und mit Oberstufenschülerinnen und Oberstufenschülern. Diese intensive Arbeit ermöglicht den beteiligten Schülerinnen und Schülern einen tiefen Einblick in die unvorstellbaren Geschehnisse des Holocaust. Die Schülerinnen und Schüler werden durch eine intensive Vorbereitungszeit an das, was ihnen im Rahmen der Fahrt begegnet, herangeführt und während der Fahrt, vor allem im Hinblick auf die Verarbeitung der emotionalen Eindrücke, immer wieder in Gesprächen begleitet. Aus dem Erlebten sind beeindruckende Arbeiten der Schülerinnen und Schüler entstanden, wie eine berührende Fotodokumentation mit Musik oder auch Tagebuchaufzeichnungen.

Emotionale Nähe hergestellt

Projektleiter Sebastian Wendt betonte bei der Preisübergabe, dass alle Schülerinnen und Schüler verändert aus diesem Projekt hervorgingen. Und Luca Bendel forderte, stellvertretend für alle beteiligten Schülerinnen und Schüler, in einem sehr persönlichen Statement dazu auf, dass sich jeder Mensch dafür einsetzen müsse, dass solche Gräueltaten nie mehr, nirgendwo auf der Welt, passieren dürften.

Der zweite Preis im Wert von 500 Euro wurde für das Projekt "Jüdische Familienschicksale in Hünfelden" an die verantwortliche Projektleiterin, Geschichtslehrerin Patricia Birkenfeld, an der Freiherr-vom-Stein-Schule in Dauborn überreicht. Patricia Birkenfeld hat ebenfalls intensiv mit ihren Schülerinnen aus der zehnten Klasse zum Thema "Erinnerungskultur" gearbeitet.

In Kooperation mit dem Arbeitskreis "Jüdisches Leben in Hünfelden" unter dem Vorsitz von Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer und in Kooperation mit dem angehenden Historiker Markus Streb, der in der Gemeinde Hünfelden bereits intensive Forschungen zu jüdischen Familienschicksalen betrieben hat, konnten die Schülerinnen und Schüler der Freiherr-vom-Stein-Schule ebenfalls einen zum Teil sehr persönlichen Einblick in die Familienschicksale der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger von damals gewinnen. So wurde durch Fotos, Tagebucheinträge über Fluchterlebnisse oder auch durch Kennenlernen der Hobbies der betroffenen Gleichaltrigen von damals eine emotionale Nähe hergestellt, die wohl die wichtigste Lernerfahrung aus dieser Arbeit in allen drei Projekten darstellt. Es wurden zahlreiche Exkursionen unternommen, beispielsweise zu den ehemaligen Wohnhäusern der Vertriebenen und Ermordeten, zu jüdischen Friedhöfen in der Umgebung, zur ehemaligen jüdischen Synagoge in Kirberg und zum Bürgerbüro der Gemeinde Hünfelden mit Einsicht in die Akten aus der nationalsozialistischen Zeit.

Auf den Spuren der Stolpersteine

Höhepunkte des Projektes waren die Gestaltung einer Gedenkfeier am 27. Januar 2020 für alle Abschlussklassen der Freiherr-vom-Stein-Schule sowie für Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Hünfelden sowie eine Ausstellung mit den Arbeiten der Schülerinnen und Schüler im Rathaus.

Die Johann-Christian-Senckenberg-Schule in Runkel durfte sich über den dritten Preis im Wert von 200 Euro freuen. Hier hatte sich Isabell Faust, die Geschichtslehrerin und Leiterin des Wahlpflicht-Kurses "Erinnerungskultur", der seit einem Jahr fest an der Schule installiert ist, erneut mit ihren Schülerinnen und Schülern auf den Weg gemacht, um das Thema weiter zu vertiefen. Sie hatte im vergangenen Jahr mit ihrem damaligen Kurs den ersten Preis erhalten. Ihr neues Projekt "Erforschung jüdischen Lebens in Runkel und Villmar" befasste sich ebenfalls mit zahlreichen Einzelschicksalen der jüdischen Familien, die damals in Runkel, aber vor allem in Villmar gelebt haben. Auch diese Gruppe hat sich durch zahlreiche Exkursionen immer weiter in das Thema vertieft, so beispielsweise ebenfalls durch einen Besuch im Limburger Stadtarchiv, auf dem jüdischen Friedhof in Limburg und im Rahmen eines Rundganges auf den Spuren der Stolpersteine in Limburg. Darüber hinaus wurde am 8. Mai 2019 die Kriegsgräberstätte Runkel besucht, um vor allem am Sammelgrab für zehn jüdische Menschen, die im sogenannten "rollenden KZ" der Eisenbaubrigade in Aumenau stationiert waren und dort bei einem Bombenangriff ums Leben kamen, Blumen niederzulegen. Durch die Kooperation mit dem Arbeitskreis "Stolpersteine in Villmar" konnten die Schülerinnen und Schüler ihr erworbenes Wissen weitergeben und das Projekt "Stolpersteine in Villmar" mit vorantreiben. Höhepunkte waren die Gestaltung eines sehr berührenden Gedenkgottesdienstes am 9. November 2019 und die Mitgestaltung der Stolpersteinverlegung des Künstlers Gunter Demnig am 3. Februar 2020.

Landrat Michael Köberle würdigte in seinem Gratulationsschreiben alle drei Projekte als sehr beeindruckend. Sie leisteten einen wertvollen Beitrag für ein respektvolleres und menschlicheres Miteinander im Landkreis Limburg-Weilburg. Er bedankte sich für das große Engagement der Projektverantwortlichen und ermutigte diese, damit nicht nachzulassen.

Wer sich für den "Jugendfriedenspreis 2021-22" bewerben will, findet Informationen beim Jugendbildungswerk Limburg-Weilburg in der Kreisverwaltung, Schiede 43, 65549 Limburg, (06431) 2 96-1 18, jbw@limburg-weilburg.de, www.das-jbw.de. red

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