Das Wasser ist sein Element: Der zwölfjährige Leon liebt nicht nur das Schwimmen in Elz, sondern auch die Entspannung unter der Schwalldusche und das Springen von den Türmen.
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Das Wasser ist sein Element: Der zwölfjährige Leon liebt nicht nur das Schwimmen in Elz, sondern auch die Entspannung unter der Schwalldusche und das Springen von den Türmen.

Die Freibad-Saison geht zu Ende

Limburg-Weilburg: Das Schwimmen hat sich gelohnt - nur nicht finanziell

  • vonPetra Hackert
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Am Sonntag öffnen die Bäder in Elz, Selters, Birlenbach und Hundsangen zum letzten Mal. Hadamar hat bereits seit dem Wochenende geschlossen, das Limburger Parkbad steht bis einschließlich 13. September offen.

Nassauer Land -Schwimmen ist teuer für jede Stadt oder Gemeinde, die ein Freibad anbietet. Es ist nie kostendeckend, immer ein Zuschussgeschäft. Dennoch ist es wichtig mit Blick auf die Menschen, die hier etwas für ihre Gesundheit tun können. Die Corona-Pandemie hat das Ganze noch aufwendiger und teurer gemacht - weshalb etliche Bäder gar nicht geöffnet hatten und Stimmen nach mehr Unterstützung für die laut wurden, die es taten.

Helmut Heger aus Niederselters formuliert es so: "Der Kreis und das Land Hessen müssten die Kommunen mehr unterstützen. Schließlich ist der Aufwand im Freibad durch Corona viel größer, man braucht mehr Personal und mehr Aufsicht." Der 73-Jährige hat täglich seine 2000 Meter im Selterser Freibad absolviert. In der Region waren Birlenbach (seit 11. Juni), Hundsangen (seit 15. Juni) und Elz (seit 20. Juni) bei der Öffnung die Vorreiter. Es folgten Limburg (3. Juli), Hadamar (6. Juli) und Niederselters (20. Juli).

„Deutliche Einschränkung“ für Freibäder im Kreis Limburg-Weilburg

„Bis zum Sonntag werden wir rund 16 000 Besucher zählen. In der vergangenen Saison haben rund 39 000 Personen das Freibad Hundsangen genutzt“, bilanziert Thomas Wolf, bei der Verbandsgemeinde Wallmerod für das Bad zuständig. „Mit maximal 250 Personen pro Badezeit und damit maximal 500 Personen pro Tag war das gerade an den Hochsommertagen, wo sonst 2000 Besucher kommen, schon eine deutliche Einschränkung.“

Bademeister Dirk Alvermann ergänzt: „Wir sind sehr zufrieden. Alles ist gut gelaufen. Die Gäste waren sehr froh, dass sie kommen konnten.“ Wolf: „Durch den Umstand, dass wir zu Beginn der Saison das einzige offene Freibad in der Umgebung waren, haben uns Gäste von Hachenburg bis Bad Camberg und von Koblenz bis Weilburg besucht.“ Welche Auswirkungen Corona auf die Digitalisierung hat, werde aktuell von der Universität Koblenz exemplarisch am Beispiel des elektronischen Buchungssystems im Freibad Hundsangen untersucht.

Regeln im Freibad im Kreis Limburg-Weilburg fast immer eingehalten

Die Pächterin des Birlenbacher Bades, Kirsten Darda, ist zufrieden - alles habe gut geklappt, wenn auch die Besucherzahlen wie erwartet geringer ausfielen. Anfangs waren 100 Gäste gleichzeitig erlaubt. Dies wurde nach dem guten Start auf 300 erhöht. Rund 13 000 Besucher wurden gezählt, in den Vorjahren waren es circa 25 000. Die weit überwiegende Mehrheit der Besucher habe sich wie selbstverständlich an alle Hygiene- und Abstandsregeln gehalten, Diskussionen mit uneinsichtigen Gästen gab es nur sehr vereinzelt. "Eskalationen sind gänzlich ausgeblieben", freut sich Kirsten Darda.

„Bisher wurden rund 9500 Tickets gebucht“, bilanziert Michael Urbanke, zuständig für das Freibad in Niederselters. Kein Vergleich zu den Vorjahren. Schwimmmeister Martin Petrich spricht da von 35 000 Besuchern. Allerdings hatte das Bad auch gut einen Monat später geöffnet als zum Beispiel Elz, Vorreiter im Kreisgebiet. Dort hatte die Saison am 20. Juni begonnen und es gab sogar die Überlegung, die Einrichtung noch gut zehn Tage länger offen zu lassen. Die kühle Witterung in den Nächten hat dem einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das Zu-Heizen über die Gastherme wäre viel zu teuer. Wie Selters wird Elz am kommenden Sonntag schließen. Der 6. September ist also die letzte Gelegenheit für das Badevergnügen.

Viel Lob für die Freibad-Mitarbeiter

Die Bilanz der Nordkreis-Gemeinde: Rund 25 000 Gäste haben das Schwimmbad besucht. Eine beeindruckende Zahl angesichts der Umstände. Dennoch kein Vergleich zu den Vorjahren mit rund 45 000 Besuchern, sagt Schwimmmeister Peter Schütz. Bürgermeister Horst Kaiser (CDU), selbst ein regelmäßiger Schwimmer, hatte „seinen“ Frühschwimmern persönlich Bescheid gesagt, dass bald Schluss ist. Die einhellige Meinung: Alle haben Verständnis. Mehr noch: „Wir sind froh, dass überhaupt geöffnet war, wir uns hier fit halten konnten und dass es keinen Coronafall gegeben hat“, sagt Waltraud Zimmer. Die 67-Jährige gehört zu denen, die fast jeden Tag im Freibad anzutreffen waren, manchmal sogar mehrmals täglich.

Dabei geht es nicht nur um die Spitzenzeiten. Maximal 500 Menschen wurden eingelassen, kontrolliert über ein Chip-System. An den Über-30-Grad-Tagen hatten sich Abstandsschlangen auf der Straße gebildet. Über 1000 wollten kommen. Manche warteten eine Stunde, um hineinzudürfen. Doch an den meisten Tagen war es anders. Unkomplizierte Zugänge, gute Abläufe, saubere Umkleiden und Toiletten, die Möglichkeit, warm zu duschen - das alles fand viel Lob. Claudia Kniepe aus Limburg, die einen langen Brief an die Gemeinde geschrieben hat, zählt das alles auf und erwähnt ausdrücklich die Unaufgeregtheit des Personals, das auch in schwierigen Situationen immer gut reagiert habe.

Freibadsaison im Kreis Limburg-Weilburg wird wohl nicht verlängert

Seit Sonntag ist das Freibad in Hadamar geschlossen. Es kamen rund 5000 Besucher - zuzüglich der G��ste einer Woche, die noch ausgewertet werden muss, sagt Bürgermeister Martin Ruoff (CDU). Alles sei sehr gut gelaufen, die Besucher seien außerordentlich dankbar gewesen. Natürlich habe sich die Saison finanziell nicht rentiert. Aber auch in den Vorjahren sei zu beobachten gewesen, dass der Anteil junger Leute unter den Schwimmern immer mehr zurückgehe. Früher sei das Freibad „der“ Treffpunkt, gerade in den Ferien, gewesen. Das habe sich stark gewandelt. Im letzten Jahr war es doppelt so lange, nämlich 16 Wochen, geöffnet. Es kamen rund 35 000 Gäste. Die Einnahmen: letztes Jahr rund 50 500 Euro, dieses Jahr 15 500.

Danke sagen auch die Schwimmer im Limburger Parkbad. Sie werden es noch bis einschließlich 13. September nutzen können. „Eine Verlängerung der Freibadsaison ist nach derzeitigen Wetterprognosen eher unwahrscheinlich“, so Stadtsprecherin Anna-Sophie Seidler. Vom 3. Juli bis 30. August hätten 22 342 Gäste das Bad besucht. Der Vergleich zum Vorjahr: Im gleichen Zeitraum seien es damals 27 919 Besucher gewesen. „Wir haben uns ganz bewusst in diesen schwierigen Zeit dazu entschieden, das Schwimmbad zu öffnen, um den Menschen eine Abwechslung zu bieten.

Viele Menschen aus Limburg und der Umgebung mussten ihre Ferien und ihren Urlaub zu Hause verbringen. Mit der Freibadöffnung wollten wir ihnen in dieser schweren Zeit ein bisschen Normalität, wenn auch mit Einschränkungen, zurückgeben“, sagt der Erste Stadtrat Michael Stanke (CDU). „Die Badegäste haben die coronabedingten Vorschriften im Zusammenhang mit dem Badbesuch akzeptiert und eingehalten.“ (Von Petra Hackert)

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