Und täglich rollt die Blechlawine aus dem Kreis Limburg-Weilburg - nicht selten mit Stau.
+
Und täglich rollt die Blechlawine aus dem Kreis Limburg-Weilburg – nicht selten mit Stau.

Verkehr

Pendler aus Limburg: Immer mehr Menschen zieht es weg

  • VonTobias Ketter
    schließen

Die Auspendlerzahlen im Kreis Limburg-Weilburg steigen seit Jahren kontinuierlich – vor allem nach Frankfurt. Der Verkehr belastet die Umwelt, stärkt aber die Wirtschaft.

Limburg – Der Landkreis Limburg-Weilburg ist nach wie vor eine klassische Auspendlerregion. Das geht aus den Statistiken der Limburger Arbeitsagentur hervor. Demnach arbeiteten am 30. Juni des vergangenen Jahres 51 338 der 65 768 im Kreisgebiet wohnenden Arbeitnehmer außerhalb ihres Wohnortes. 30 452 Beschäftigte pendelten sogar über die Kreisgrenzen hinaus. Das entspricht einer Auspendlerquote von 46,3 Prozent. Die Auspendlerzahlen sind in den vergangenen acht Jahren stetig angestiegen.

Doch warum pendeln so viele Bürger aus dem Landkreis Limburg-Weilburg? Und was hat das für wirtschaftspolitische und ökologische Folgen? Das Rhein-Main-Gebiet mit seinen vielen Beschäftigungsmöglichkeiten und meist besser bezahlten Arbeitsplätzen sei schnell und gut erreichbar, sagt Ralf Fischer, Sprecher der Arbeitsagentur Limburg-Wetzlar. Zudem habe das Pendeln in der Region eine lange Tradition. "Für die meisten Arbeitnehmer ist es kein Thema, auszupendeln. Sie kennen das von ihren Freunden, Verwandten und Bekannten", so Fischer. Aber auch die vergleichsweise geringe Fläche des Landkreises Limburg-Weilburg habe Einfluss auf den hohen Pendleranteil. Darüber hinaus grenze ein Großteil der Gemeinden an benachbarte Landkreise, so dass es häufig nur ein kleiner Schritt sei, um Auspendler zu werden, sagt der Sprecher der Arbeitsagentur.

Pendler in Limburg: Beliebtestes Ziel ist Frankfurt

Grundsätzlich seien die Pendlerbewegungen durchaus positiv zu bewerten. Arbeitslosigkeit werde vermieden, weil Beschäftigte längere Wege in Kauf nehmen. "Indem man andernorts einen seiner Qualifikation entsprechenden Arbeitsplatz ausfüllt, wird zudem unterwertige Beschäftigung verhindert", erklärt Fischer. "Außerdem bieten Auspendler ein Reservoir vorwiegend qualifizierter Arbeitskräfte, die heimische Unternehmen durch kluge Strategien durchaus für sich gewinnen können." Da Pendler meist vergleichsweise höhere Einkünfte erzielen, werde des Weiteren die Kaufkraft in der Wohnregion gestärkt.

Das beliebteste Auspendlerziel ist die Stadt Frankfurt. Dort arbeiteten im Juni des vergangenen Jahres 7242 Menschen aus dem Kreis Limburg-Weilburg. Auf den Plätzen zwei und drei folgen der Lahn-Dill-Kreis (3009) und die Stadt Wiesbaden (2435). Insbesondere der Süden des Landkreises Limburg-Weilburg importiere viele Pendler, sagt Fischer. Die relativ günstigen Wohnpreise, die gute Infrastruktur sowie die hohe Wohn- und Lebensqualität zögen Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet an. "Sie behalten ihren Arbeitsort und verlagern ihren Wohnort in den Südkreis und werden so zu Pendlern", berichtet der Sprecher der Arbeitsagentur.

Die Pendlerbewegung im Kreis Limburg-Weilburg sorgt sowohl für Vor- als auch für Nachteile.

Pendler im Kreis Limburg-Weilburg: „Keine negative Entwicklung“

Die höchsten Auspendlerquoten im Landkreis gibt es in den Kommunen Elbtal (92,8 Prozent), Selters (91,6 Prozent) und Weinbach (91,2 Prozent). Hauptverantwortlich für diese Quoten seien laut Fischer die Gewerbedichte, das angebotene Berufsspektrum, die Gemeindegrößen, die Lage und Verkehrsanbindungen, die Wohnqualität, das Lohngefüge sowie die Infrastruktur.

"Dass die Auspendlerzahlen gewachsen sind, ist an sich keine negative Entwicklung", sagt Monika Sommer, Hauptgeschäftsführerin der IHK Limburg. Es sei von Vorteil, wenn der Landkreis Limburg-Weilburg mit dem Rhein-Main-Gebiet und anderen Zentren ein sich gut entwickelndes Umfeld habe. "Die heimische Region ist keine Insel und profitiert, wenn auch im Umkreis Unternehmen gedeihen und dabei Arbeitsplätze entstehen", so Sommer. Der Landkreis Limburg-Weilburg unterstütze die gute Entwicklung des Rhein-Main-Gebietes durch viele Fachkräfte.

„Viele tolle Arbeitsplätze“ für Einpendler im Kreis Limburg-Weilburg

Auch die Zahl der Einpendler ist im vergangenen Jahr gestiegen. 19 930 Arbeitnehmer, die nicht im Kreis Limburg-Weilburg wohnen, pendelten dorthin zur Arbeit. Dies entspricht 36,1 Prozent der 55 267 im Kreis beschäftigten sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern. Damit stieg die Zahl der Einpendler innerhalb eines Jahres um 221 Personen. Für Fischer ist dies ein Indiz, dass die Attraktivität des Beschäftigungsstandortes Limburg-Weilburg weiter zunehme. Die meisten Einpendler kommen aus dem Rhein-Lahn-Kreis (4806) und dem Westerwaldkreis (4444).

Auch Monika Sommer freut sich über die vielen Einpendler. Es sei für die regionale Wirtschaft erfreulich, dass sich der Landkreis Limburg-Weilburg als Unternehmensstandort positiv und eigenständig entwickelt habe. Der regionale Wirtschaftsraum biete viele tolle Arbeitsplätze und habe zahlreiche sehr gute Argumente für die dort lebenden Arbeitnehmer, sich für einen Arbeitsplatz in der Region und gegen das Pendeln zu entscheiden. "Man muss nicht jeden Tag viel Zeit im Zug oder auf der Autobahn verbringen", so Sommer. Vielfach seien die guten Beschäftigungsmöglichkeiten im Landkreis bei den Pendlern aber gar nicht bekannt.

Negative Öko-Bilanz durch Pendler im Kreis Limburg-Weilburg

Die zunehmenden Pendlerströme haben aber auch Nachteile. Die Umwelt leidet darunter. "Je weniger öffentliche Verkehrsmittel in Anspruch genommen werden, umso negativer fällt die Öko-Bilanz aus", sagt Fischer. Sollte sich aber der Trend zum Home-Office nach der Corona-Pandemie verfestigen, komme dies der Natur zugute. Es gebe inzwischen auch Bestrebungen, Arbeitsplätze aus dem Rhein-Main-Gebiet zu den Arbeitnehmern nach Limburg zu verlegen.

Der Kreisverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) blickt mit Sorge auf die steigenden Pendlerzahlen. Eine Zunahme des dadurch bedingten Individualverkehrs sei nicht mehr zu verantworten, sagt Gerd Zimmermann, Vorsitzender des Kreisverbandes. Die schon jetzt festzustellende gravierende Luftverschmutzung in den Städten werde sich durch die Pendlerströme weiter erhöhen. Außerdem gebe es durch steigenden Pendlerzahlen vermehrte Forderungen nach neuen Straßen. Dies führe zu einem enormen "Flächenfraß". "Die Probleme sind seit Jahrzehnten bekannt, aber politisch unternommen wurde so gut wie nichts", so Zimmermann.

Pendlerproblem Limburg: Verkehrswende soll helfen

Um das Pendeln umweltfreundlicher zu machen, müsse die Verkehrswende, insbesondere die Verbesserung des ÖPNV-Angebots, politisch umgesetzt werden. Eine weitere Möglichkeit sei, mehr wohnortnahe Arbeitsplätze zu schaffen, was aber meist auch mit der immer weiter zunehmenden Flächenversiegelung kollidiere. Der BUND fordert, dass Arbeitgeber nach der Corona-Krise die Arbeitsmöglichkeiten im Home-Office aufrechterhalten und sogar noch ausbauen.

"Zum Pendlerproblem tragen auch die gravierenden Unterschiede bei bezahlbarem Wohnraum zwischen den städtischen und ländlich geprägten Regionen bei", sagt Zimmermann. In den großen Städten sollten bezahlbare Wohnmöglichkeiten in einem lebenswerten Umfeld geschaffen werden. Das sieht die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) genauso. "Nach jahrelangen Mietsteigerungen können sich viele Beschäftigte das Leben am Arbeitsort nicht mehr leisten", sagt der Bezirksvorsitzende Karl-Heinz Michel. Ihnen bliebe nur die Alternative, mit dem Auto oder Bahn zur Arbeit zu fahren. Die IG BAU fordert deshalb mehr Anstrengungen bei der Schaffung bezahlbaren Wohnraums. "Deutlich mehr Wohnungen, die sich in den Städten auch Gering- und Normalverdiener leisten können, sind ein entscheidender Beitrag, um die Pendlerzahlen zu verringern", so Michel. (Tobias Ketter)

Immer wieder kommt es auf der A3 bei Limburg wegen des dichten Pendlerverkehrs zu Auto-Unfällen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare