Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (Zweiter von rechts oben) diskutierte mit Vertretern der heimischen Wirtschaft über deren Schwierigkeiten in der Corona-Krise.
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Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (Zweiter von rechts oben) diskutierte mit Vertretern der heimischen Wirtschaft über deren Schwierigkeiten in der Corona-Krise.

Im Gespräch mit Hubertus Heil

Limburg-Weilburg: Wirtschaft teilt Hubertus Heil ihre Sorgen mit

  • vonTobias Ketter
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Digitales Gespräch über die Corona-Krise mit dem Bundesarbeitsminister

Limburg-Weilburg -Die Corona-Pandemie hat den Landkreis Limburg-Weilburg mit voller Wucht getroffen. Die Wirtschaft leidet aufgrund der Ausnahmesituation. Doch wie gehen die Betriebe der Region mit der schwierigen Lage um? Darüber berichteten einige Unternehmen in einem digitalen Gespräch, zu dem Martin Rabanus (SPD), Mitglied des Deutschen Bundestages für den Wahlkreis Rheingau-Taunus/Limburg, eingeladen hatte. Als prominenter Gast war der Bundesminister für Arbeit und Soziales, Hubertus Heil (SPD), zugeschaltet.

Während eines Video-Beitrags präsentierten Mitarbeiter der Firma Weber Bürstensysteme aus Bad Camberg den Arbeitsalltag in Zeiten der Corona-Krise. In den Büroräumen wird dort strikt auf die Abstandsregeln geachtet und die Arbeitsplätze sind mit Plexiglaswänden voneinander getrennt. In den Gebäuden herrscht Maskenpflicht. Die Corona-Maßnahmen seien von den Mitarbeitern schnell akzeptiert worden, heißt es in dem Video.

Die Firma sei bislang verhältnismäßig gut durch die Krise gekommen, berichtete der geschäftsführende Gesellschafter Ulrich Menken. Er sorgt sich allerdings um den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Andere Unternehmer, denen es in den vergangenen Monaten nicht so gut ergangenen ist, blicken laut seinen Angaben mittlerweile mit etwas Neid auf die weiterhin gut laufenden Geschäfte der Firma. "Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist ein wichtiger Aspekt", sagte Hubertus Heil. Im Verlauf der zweiten Corona-Welle habe er aber eine gewisse Müdigkeit in der Bevölkerung festgestellt, die auch zu Spannungen führe. "Wir befinden uns in der tiefsten Wirtschaftskrise unserer Generation", so der Bundesminister.

Auch das Unternehmen Brita, das in Beselich ein Logistikzentrum und in Bad Camberg eine Produktionsstätte betreibt, erläuterte Heil und Rabanus die Maßnahmen, die der Betrieb im Kampf gegen das Coronavirus getroffen hat. Oberste Priorität habe der Gesundheitsschutz der Mitarbeiter, sagte der kaufmännische Geschäftsführer Stefan Jonitz. An zweiter Stelle stehe die Aufrechterhaltung des Betriebes. Die rund 1000 Beschäftigten in Deutschland seien derzeit zum größten Teil im Homeoffice aktiv. "Der Zusammenhalt der Belegschaft hat sich durch die Ausnahmesituation verbessert", berichtete Jonitz. Insgesamt sei das vergangene Jahr trotz der Krise sehr erfolgreich gewesen.

Corona-Jahrgang verhindern

Heil war erfreut über die Entwicklung der Brita GmbH. Beim ungeplanten Großversuch des Homeoffice habe es bundesweit ganz unterschiedliche Erfahrungen gegeben. "Es gibt natürlich auch Betriebe, die aufgrund ihrer Tätigkeiten keine Heimarbeit anbieten können", sagte er. Generell müssten die Arbeitsschutzstandards noch etwas nachgeschärft werden. Einen gesetzlichen Rahmen für das Homeoffice zu schaffen, sei aber der richtige Weg.

Gastronom Hedmar Schlosser, der unter anderem das Hotel zur Krone und Löhnberg und die Hotel Residenz 23 in Weilburg betreibt, blickt mit Sorge in die Zukunft. "Es sind emotionale Zeiten. Corona hat uns kalt erwischt", sagte er. Den Geschäftsmann belastet besonders, dass er noch nicht die Möglichkeit bekommen hat, Anträge für finanzielle Förderungen zu stellen.

"Die Gastronomiebranche trifft die Krise besonders hart", bedauerte der Arbeitsminister. Es liege nun in der Verantwortung des Staates, den Restaurants und Hotels zu helfen. Heil versprach Schlosser, dass er alles dafür tun werde, um ihn und seine Leidensgenossen zu unterstützen.

Auch die Blechwarenfabrik in Limburg beteiligte sich an dem digitalen Gespräch mit Heil und Rabanus. In einem Video wurde das fünfköpfige Pandemie-Team des Betriebes vorgestellt. Die Gruppe steht in regem Austausch mit allen Mitarbeitern, um diesen immer wieder die wichtigsten Informationen zur aktuellen Situation mitzuteilen. In dem Gebäuden des Limburger Unternehmens hängen Tafeln, auf denen die derzeit geltenden Corona-Regeln für die rund 300 Beschäftigten jederzeit eingesehen werden können. In den vergangenen Monaten habe es immer wieder Anregungen von den Angestellten gegeben, um den Pandemieplan der Blechwarenfabrik weiter zu verbessern.

Geschäftsführer Hugo Trappmann warnte vor einer generellen Homeoffice-Pflicht. Außerdem bezeichnete er Unternehmenskontrollen als einen "Tritt vor das Schienbein". Man tue wirklich alles dafür, um die Mitarbeiter bestmöglich zu schützen. Obwohl es in der Blechwarenfabrik nicht möglich sei, einen Großteil der Belegschaft ins Homeoffice zu schicken, habe es bislang nur eine Corona-Infektion gegeben. Neben den Geschäftsleuten nahmen auch einige Lokalpolitiker an dem digitalen Gespräch teil. Dr. Marius Hahn (SPD), Bürgermeister von Limburg, berichtete mit Sorge von den fast wöchentlich in der Kreisstadt abgehaltenen Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen. "Für mich persönlich ist es derzeit eine wirklich schwierige Gefühlswelt, da ich auch Leute durch das Virus verloren habe", sagte Hahn.

Die Gewerbesteuereinnahmen seien aufgrund der Krise deutlich zurückgegangen. Aber es gibt auch gute Nachrichten. Nach dem Ausbruch der Pandemie habe man innerhalb kürzester Zeit mehr als 100 Mitarbeiter der Verwaltung ins Homeoffice schicken können, um so die Infektionsgefahr zu minimieren, berichtete der Bürgermeister.

Hahn betonte auch, dass Limburg ein wichtiger Bildungsstandort sei und die Jugend in diesen schwierigen Zeiten nicht vergessen werden dürfe. Hubertus Heil sieht das ähnlich. "Die Wirtschaft und die Politik müssen in 2021 alles dafür tun, um einen Corona-Jahrgang zu verhindern", forderte er. Der Fachkräftemangel dürfe nicht noch weiter zunehmen. "Die jungen Leute brauchen eine Chance", so der Bundesminister.

Im weiteren Verlauf der Gesprächsrunde ging Hubertus Heil auch auf die Kurzarbeit ein. "Sie ist eine wichtige Brücke über ein tiefes Tal", sagte er. In vielen Fällen habe die Kurzarbeit Jobs gerettet. Die entscheidenden Stichwörter im Kampf gegen das Virus seien "Infektionen, Internationale Lage und Impfung". Das Infektionsgeschehen und die weltweite Entwicklung müsse man stets im Blick behalten und zugleich realisieren, dass die Impfung die einzige Möglichkeit ist, um das Virus zu besiegen. Nach der Krise möchte Heil Bilanz ziehen und "an den richtigen Stellschrauben drehen". Beispielsweise habe man in der Gesundheitsbranche am falschen Ende gesparrt. Dies müsse sich ändern, so der Minister.

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