Ein Polizeiauto steht hinter einem Absperrband der Polizei
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Der Messerstecher stach vier Mal auf sein Opfer ein (Symbolbild).

After-Zug-Party in Weilmünster

Messerstecher: "Kokain hat mich aggressiv gemacht"

Staatsanwältin beantragt acht Jahre Haft wegen versuchten Mordes nach Vorfall an Fastnacht in Weilmünster. Der Messerstecher stach vier Mal auf sein Opfer ein.

  • In Weilmünster bei Limburg sticht ein 21-Jähriger vier Mal auf sein Opfer ein.
  • Das Tatopfer war zuvor in eine Rangelei mit einer Bekannten des Messerstechers geraten.
  • Bereits am Vormittag konsumierte der Täter Alkohol und Cannabis, später kam noch Kokain dazu.

Limburg -Am Rande der After-Zug-Party in Weilmünster hatte ein 21-Jähriger aus Weinbach einen Jugendlichen mit vier Messer-Stichen lebensgefährlich verletzt. Nun muss er sich vor dem Limburger Landgericht verantworten. Staatsanwältin Sabine Hönnscheidt sah durch die Beweisaufnahme den Tatbestand des versuchten Mordes als gegeben und forderte am Mittwoch eine achtjährige Haftstrafe. "Es mag ja sein, dass der Angeklagte die Tat ohne Tötungsabsicht begangen hat", sagte sie. Doch bei insgesamt vier Stichen mit einer 8,5 Zentimeter langen Klinge, einen davon in den Bereich der Wirbelsäule, hätte er den Tod seines völlig arg- und wehrlosen Opfers in Kauf genommen.

Messer-Angriff bei Limburg: Am Tag der Tat bereits morgens mit Trinken und Kiffen begonnen, später kam Kokain dazu

Der Angeklagte hatte sich zu Beginn des Prozesstages erstmals selbst zu seiner Tat geäußert. Er berichtete, an diesem Fastnachtsonntag bereits morgens mit Trinken und Kiffen begonnen zu haben. Im Laufe des Tages folgten etliche Biere, härtere Sachen und Joints. Als er gegen 21 Uhr Cannabis-Nachschub kaufen wollte, sei ihm Kokain angeboten worden. Dies sei das erste Mal gewesen, dass er diese Droge konsumiert habe. Das Kokain habe ihn impulsiv und aggressiv gemacht.

In dieser Stimmung sei ihm eine Bekannte begegnet, die zuvor mit einem Jugendlichen aus Kubach in Streit geraten war, sich bei der Rangelei die Knie aufgeschlagen hatte und gerade im Rettungswagen versorgt worden war. Auch ihr Kontrahent war leicht verletzt und nahm die Hilfe von Sanitätern in Anspruch.

Limburg: Trotz emotionaler Aufregung soll der Messerstecher genau gewusst haben, was er tat

Der Angeklagte wollte seine Bekannte rächen und nahm sich vor, dem Kubacher einen Denkzettel zu verpassen. Mit einem Blick durch die Scheibe des RTW vergewisserte er sich, dass der 16-Jährige noch behandelt wurde. Als die Schiebetür aufging, griff er an. "Der Junge stand halb mit dem Rücken zu mir auf der Stufe des Wagens", beschrieb der Angeklagte. Beim ersten Stich habe er den Oberarm getroffen. Dann habe sich sein Opfer etwas gedreht, so dass die weiteren Stiche Schulter und Rücken trafen. "Erst als mir der Junge in die Augen blickte, realisierte ich mein Tun und lief weg."

Weil die Verletzung tödlich gewesen sein könnte und der Angeklagte die Flucht ergriff, ohne sich zu vergewissern, dass der Geschädigte medizinisch versorgt wird, sah die Staatsanwältin den Tatbestand des versuchten Mordes gegeben. Trotz erheblicher Mengen Alkohol und Drogen, die der Angeklagte im Laufe des Tages konsumiert hatte, sei eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit nicht anzunehmen.

Zu diesem Punkt hatte der psychiatrische Gutachter erläutert, dass durch die Einnahme von Kokain kurz vor der Tat die berauschende Wirkung von Alkohol und Cannabis schlagartig reduziert worden sei. Der strukturierte Tatablauf wie auch das Nachtatverhalten widersprächen einer erheblich verminderten Steuerungsfähigkeit. "Trotz emotionaler Aufregung wusste er genau, was er tat", so der Experte. Da bei dem 21-Jährigen jedoch alle Symptome einer Abhängigkeit erkennbar seien, empfahl er eine Entzugstherapie.

Tatmotiv des Messerstechers: Rachegefühle

Rechtsanwalt Christian Agatz, der den Geschädigten als Nebenkläger vertritt, verwies auf die immer noch bestehenden psychischen Probleme seines Mandanten. Die Tat sei aus einer Nichtigkeit heraus und aufgrund von Rachegefühlen geschehen und sei aus seiner Sicht als heimtückisch einzustufen. Deshalb forderte er eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren.

Strafverteidiger Albert Balmert betonte, dass kein Tötungsvorsatz erkennbar sei und vieles für einen Rücktritt spreche, weil der Angeklagte sicher war, dass die Sanitäter sich um den Verletzten kümmern. Balmert beantragte die Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung mit einer Strafhöhe im Bereich von fünf Jahren. Sein Kollege Olaf Wolf schloss sich diesem Antrag an. "Mich ärgert, dass der Blickkontakt mit dem Geschädigten, der den Angeklagten schließlich zum Aufhören bewegte, jetzt gar kein Thema mehr ist."

Das Urteil wird am Donnerstag (24. September 2009) erwartet. (Von Kerstin Kaminsky)

Auch in Frankfurt kam es zuletzt zu einer Messerstecherei, als eine Frau plötzlich zustach.

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