Die "Deutschsommer"-Kinder bekamen gestern Besuch von Staatssekretär Manuel Lösel (hinten, Zweiter von links).
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Die "Deutschsommer"-Kinder bekamen gestern Besuch von Staatssekretär Manuel Lösel (hinten, Zweiter von links).

Wegen Corona weniger Teilnehmer

Limburg: Wenn Deutsch den Sommer bestimmt

  • vonRobin Klöppel
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Erstmals in der Region: 15 Kinder mit Migrationshintergrund verbessern ihre Sprachkenntnisse dank einer Kooperation von Kultusministerium und Stiftung Polytechnische Gesellschaft.

Limburg -Seit 13 Jahren gibt es in Hessen für Grundschüler mit Migrationshintergrund das Programm "Deutschsommer - Ferien machen schlau" des Kultusministeriums in Kooperation mit der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt. Diese Sommerferien ist er erstmals auch in Limburg zu Gast. Seit Montag können 15 Kinder in der Theodor-Heuss-Schule zwei Wochen lang auf freiwilliger Basis ihre Deutschkenntnisse verbessern. Manche Kinder sind schon gut, wollen aber noch besser werden, um den anspruchsvollen Sprung von der Grundschule aufs Gymnasium zu schaffen.

Gestern haben sich der Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium, Dr. Manuel Lösel, Landrat Michael Köberle sowie Kreistagsvorsitzender Joachim Veyhelmann (alle CDU) angeschaut, was die Kinder im "Deutschsommer" so tun, unter anderem Theater spielen oder sich mit geeigneter Jugendliteratur wie "Ronja Räubertochter" beschäftigen. Die Corona-Einschränkungen haben dazu geführt, dass diesmal statt der geplanten 30 nur 15 Kinder aus Limburg und Umgebung am "Deutschsommer" teilnehmen können. Es soll aber in den Herbstferien in Limburg einen weiteren Kurs geben. Michael Scholz, Leiter des Staatlichen Schulamtes für Limburg-Weilburg und Lahn-Dill, zeigte sich froh, dass Limburg und Wetzlar zu den diesjährigen sieben hessischen "Deutschsommer"-Standorten zählten.

Intensivklassen sind

eine Herausforderung

Heuss-Schulleiter Stefan Reitz sagte, dass seine Einrichtung in Limburg vor zehn Jahren die erste gewesen sei, die Intensivklassen angeboten habe. Fünf davon in einer Schule mit 500 Schülern zu betreuen, sei eine große Herausforderung, "aber es funktioniert". Viele der geförderten Schüler könnten später in die Regelklassen übernommen werden. Reitz berichtete stolz, dass in drei von vier diesjährigen Abschlussklassen der Klassenbeste ein Schüler mit Migrationshintergrund sei. Zwei davon hätten erst an der Heuss-Schule Deutsch gelernt.

80 000 solcher Seitensteiger hatte Hessen laut Staatssekretär Lösel seit der ersten großen Flüchtlingswelle im Herbst 2015 zu integrieren. Es sie "eine Riesenherausforderung" gewesen sei, Deutsch als zweite Fremdsprache flächendeckend anbieten zu müssen. Vor fünf Jahren habe es gerade mal zwölf dafür ausgebildete Lehrer gegeben. Mittlerweile seien in Hessen mehrere Hundert Lehrer zu solchen Fachkräften weitergebildet worden. Die würden auch benötigt, da es zum Teil um Schüler gehe, die weder Deutsch noch Englisch sprechen würden. Deutsch sei aber die Grundvoraussetzung dafür, erfolgreich am Unterricht teilnehmen zu können.

Insgesamt schon

2000 Kinder

In den meisten Klassen gebe es schon Schüler, die einer besonderen Förderung bedürfen, sagte Lösel. Wenn dann auch noch eine handvoll Schüler ohne Deutschkenntnisse dazukomme, dann funktioniere das Schulsystem nicht mehr. Landrat Köberle betonte, dass er froh sei, dass der "Deutschsommer" mit dem Kreis mit dem Kultusministerium als Partner erstmalig in Limburg stattfinde. Der Kreis habe in den vergangenen Jahren eine sehr gute Infrastruktur an den Schulen geschaffen.

Dr. Roland Kaehlbrandt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, zitierte den US-amerikanischen Schriftsteller Mark Twain: "Das Leben ist zu kurz, um Deutsch zu lernen." Dem widersprach er aber: Im Deutschen gebe es ein verständliches System, wie man aus bekannten Begriffen neue Worte zusammensetzen könne. Es sei wichtig, dass viele Kinder kämen und etwas zum Abbau der Sprachbarriere täten. Insgesamt hätten schon 2000 Kinder teilgenommen. Dieses Jahr seien es 352 Teilnehmer.

Einer davon ist der zehnjährige Juan aus Hadamar, der in die vierte Klasse der Elzer Erlenbachschule kommt. Daheim spricht die aus Syrien stammende Familie Deutsch, Kurdisch und Arabisch. "Mir fällt es leicht, Deutsch zu lernen. Ich will wie mein Papa Kfz-Mechaniker werden", sagte Juan. Roj stammt aus einer türkischstämmigen Familie und besucht die Erich-Kästner-Schule. "Ich habe im Kindergarten mit Deutsch lernen begonnen", sagt die Neunjährige. Einfach gewesen sei das aber nicht. Naomi lebt in Diez und besucht die Limburger Leo-Sternberg-Schule. Die Eltern stammen aus Afrika und daheim wird neben Deutsch Englisch gesprochen. Die Neunjährige denkt, dass sie schon gut Deutsch. Mit dem Lesen tue sie sich aber noch ein wenig schwer, sagt sie .Daher haben ihre Eltern sie zum "Deutschsommer" geschickt.

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