Im Prozess vor dem Limburger Landgericht geht es nun nicht mehr nur um eine, sondern um zwei Messerattacken des Angeklagten.
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Im Prozess vor dem Limburger Landgericht geht es nun nicht mehr nur um eine, sondern um zwei Messerattacken des Angeklagten.

Prozess am Landgericht

Limburg: Nun werden zwei Messerattacken an einem Tag verhandelt

Weitere Vorwürfe gegen Angeklagten, der in Weilmünster einen 16-Jährigen lebensgefährlich verletzt haben soll.

Limburg -Mit vier Messerstichen in Rücken, Schulter und Oberarm soll ein 21-Jähriger aus Weinbach am Abend des 23. Februar dieses Jahres einen 16-Jährigen aus Kubach lebensgefährlich verletzt haben. Wenige Stunden zuvor hatte er bereits einen 15-Jährigen aus Selters mit seinem Springmesser attackiert. Nur weil die Klinge abrutschte, blieb der Stich folgenlos. Vor dem Limburger Landgericht werden nun beide Vorfälle gemeinsam verhandelt.

Für den 15-jährigen Schüler kam der Angriff völlig grundlos, erklärte er im Zeugenstand. Er kenne den Angeklagten kaum und sei nie mit ihm in Konflikt geraten. Am Tattag war er mit seiner Freundin und einem weiteren Mädchen zu Fuß auf dem Weg vom Weilburger McDonalds nach Weilmünster. Unterwegs sei ihm der Angeklagte zusammen mit zwei Kumpels entgegengekommen. "Als er grade an mir vorbei war - und ohne dass irgendein Wort zwischen uns gefallen ist - fühlte ich plötzlich einen Schlag im Rücken und nahm im Augenwinkel war, dass die Schlaghand ein Messer hielt", erinnert sich der 15-Jährige, dessen Freundin (16) zuvor für ein paar Monate mit dem Angeklagten liiert war.

Nach dem missglückten Messerstich rief der Jugendliche eine Cousine an. Die 18-Jährige stellte den Angeklagten zur Rede. Nach einigem Hin und Her von Textbotschaften schickte er ihr dann eine Sprachnachricht und erklärte, seine Ex-Freundin habe einen richtigen Mann verdient und er würde jeden abstechen, der ihr zu nah kommt. "Ich hab's versucht, das gebe ich auch zu. Der hatte nur Glück, weil das Messer abgerutscht ist", gestand er bei der Sprachaufnahme, die die Zeugin gespeichert hatte und im Gericht abgespielte. Die Aufnahme entstand am Fastnachtssonntag um 20.15 Uhr.

Nur eine Stunde danach suchte der Angeklagte sich ein weiteres Opfer. Er wollte eine Bekannte rächen, die bei der Feier in der Weilmünsterer Halle mit einem Jugendlichen aus Kubach in einen Streit geraten war, bei dem sich beide Beteiligten leicht verletzt hatten und von Sanitätern behandeln ließen. Der 21-Jährige verbarg sich hinter dem Rettungswagen, bis der Geschädigte ihm beim Verlassen des Rettungswagens den Rücken zuwandte. Dann stach er viermal auf den Ahnungslosen ein und verschwand.

Kurz später traf der Angeklagte im Haus einer Freundin wieder mit den Leuten zusammen, mit denen er schon mittags beim Umzug war. Ein 26-jähriger Weilburger sagte aus, dass der Tag anfangs ganz fröhlich gewesen sei und man nach dem Umzug in der Halle und dann bei einer Freundin weitergefeiert habe. Irgendwann sei der Angeklagte in die Halle zurückgegangen. Als er wiederkam, habe er berichtet, dass er gerade einen Jungen hinterrücks abgestochen habe. Der Zeuge hielt das für gelogen und sah seinen Zweifel bestätigt, als der Angeklagte das Messer zeigte, an dem keine Blutspuren erkennbar waren.

Richter rät zu einer persönlichen Aussage

Der Vorsitzende Richter Andreas Janisch riet dem Verteidiger des Angeklagten, auf seinen Mandaten einzuwirken, damit sich dieser selbst zu den Vorwürfen äußere. Bislang hatte lediglich der Anwalt eine Erklärung im Namen des 21-Jährigen verlesen. Danach gibt dieser zwar zu, auf den Jugendlichen aus Kubach eingestochen zu haben und zeigt Reue, doch sei der Beweiswert einer Verteidigererklärung sehr gering, so Janisch. "Für uns wäre es erkenntnisreicher, wenn der Angeklagte sich selbst zu einem Geständnis durchringt."

Da der Angeklagte aufgrund der beiden Tatvorwürfe, die nun zusammengelegt wurden, von zwei Anwälten vertreten wird, von dem jedoch einer am zweiten Verhandlungstag verhindert war, soll er Gelegenheit haben, sich mit beiden zu beraten. Für eine eventuelle Einlassung wurde deshalb ein zusätzlicher Verhandlungstag angesetzt. Somit wird der Prozess am 23 September um 9 Uhr fortgesetzt. Kerstin Kaminsky

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