Das Musikhaus Bühler im Jahr 1928. Die Adresse war damals Obere Schiede 25.
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Das Musikhaus Bühler im Jahr 1928. Die Adresse war damals Obere Schiede 25.

Florierendes Geschäft

Wie ein Musikhaus in Limburg eine Marktlücke entdeckte

Das Musikhaus Bühler in Limburg bediente lange Jahre eine Marktlücke. Das Unternehmen war in der ganzen Region bekannt.

Limburg – Das Limburger Musikhaus Bühler war einst in der ganzen Region eine bekannte Marke. Auf Instrumenten aller Art, von denen manche heute noch als Erbstücke in den Haushalten aufbewahrt und teils auch noch bespielt werden, steht der stolze Name J. Bühler.

Gründer des ersten Limburger Geschäfts dieser Branche war Johann Bühler, der aus Großholbach stammte. Der Sohn eines Lehrers erlernte zunächst das Schlosserhandwerk und war in diesem Beruf unter anderem auf norddeutschen Werften tätig. Da er nicht nur handwerklich talentiert war, sondern auch musikalisch begabt, stimmte er anfänglich aus Liebhaberei die Klaviere der Kollegen seines Vaters Philipp. Später ließ er sich bei der Firma Pfeifer in Stuttgart als Klaviertechniker ausbilden und schaffte sich einen festen Kundenkreis aus dem Westerwald, im Siegerland und bis zum Rhein.

Musikhaus Bühler bediente in Limburg eine Marktlücke

Aus dem Limburger Anzeiger im Stadtarchiv geht hervor, dass es Johann Bühler als Selbstständiger in das aufstrebende Limburg zog, wo er sich am 1. April 1884 im Hause des Bäckers Karl Haas in der Bahnhofstraße 13 niederließ und für seine Dienste als Klavierstimmer warb. Offenbar hatte Johann Bühler in Limburg eine Marktlücke gefunden; denn bereits zwei Jahre später bot er außerdem seine Dienste als Instrumentenmacher an, neuerdings in der Unteren Grabenstraße, wiederum ein Jahr später am Neumarkt, wo er einen "Gelegenheitsverkauf" wegen Umzugs inserierte.

Er hatte das Wohnhaus Alleestraße 1, das heutige Haus Schiede 69, erworben und 1890 sein Geschäft dorthin verlegt. 1907 bewarb er "Angebote für Sprechapparate (Grammophone) in allen Preislagen". 1911 war nicht nur eine Vergrößerung der Lagerräume notwendig geworden, auch die Schaufensterfront wurde ausgebaut.

Musikhaus Bühler in Limburg: Konzerte im Vorgänger des Dom-Hotels

Bereits Ende der 1920er-Jahre lud Bühler zu Konzertvorführungen "der neuesten Schallplatten auf dem Polyfar-Apparat" ein und veranstaltete Konzerte im Preußischen Hof, dem Vorgänger des Dom-Hotels in der Grabenstraße/Ecke Untere Bahnhofstraße. Polyfar ist die von der Deutschen Grammophon AG gewählte Bezeichnung für ihr elektroakustisches Aufnahmeverfahren.

Johann Bühler, der nach dem Tod seiner Frau Margaretha 1906 deren jüngere Schwester Helene geheiratet hatte, war Vater von acht Kindern, vier Mädchen (von denen drei schon im frühen Alter starben) und vier Jungen. Einer von ihnen hieß ebenfalls Johann, genannt Hans, der bei Seiler in Liegnitz eine Lehre als Klavierbauer absolvierte und später noch bei Siemens & Halske in Berlin auf Radiotechnik umschulte. Er stieg in das elterliche Geschäft ein, das er nach dem Tode des Vaters 1933 mit seiner Schwester Emmy Petry geborene Bühler weiterführte.

Musikhaus Bühler durch Zerstörung im Zweiten Weltkrieg betroffen

Am 16. Mai 1936 wurde das 50-jährige Geschäftsjubiläum mit einem Konzert- und Unterhaltungsabend im St. Georgshof groß gefeiert. Alle, die sich bei freiem Eintritt angemeldet hatten, erlebten vielfältige musikalische Darbietungen, "umrahmt von Schallplatten, die auf einem tadellosen Kammermusikgerät von großer Tonschönheit und -fülle wiedergegeben wurden", wie es der Nassauer Bote seinerzeit in der Berichterstattung ausführte. Ausgestellt waren "alte Meistergeigen und vorzügliche Kopien, Hausmusik-Geräte aller Art sowie die lehrreiche und mahnende Darstellung von Reparaturarbeiten".

Doch der Zweite Weltkrieg sorgte für eine Zäsur: Bei einem Bombenangriff am 19. September 1944 wurde das Gebäude an der Schiede zur Hälfte zerstört, wobei ein Mann ums Leben kam. Der Urenkel von Johann Bühler, der Limburger Diplom-Kaufmann Werner Schneider, der in dem Haus aufwuchs, berichtet: "Meine Tante Elly Bühler (Ehefrau von Hans und Schwiegertochter des Gründers Johann Bühler) wurde von Paul Kurtenbach gerettet." Kurtenbach führte einen Textilhandel in der oberen Bahnhofstraße.

Musikhaus Bühler: Zerbombter Laden wieder aufgebaut

Als Hans Bühler 1945 aus der Gefangenschaft entlassen wurde, zog es auch seine Tochter Hella zurück nach Limburg, die später den Limburger Toni Schneider heiratete. Sie hatte bei Breitkopf & Härtel in Leipzig als Sortimenterin (im Buchhandel) gearbeitet und war von dort mit dem Fahrrad in ihre Heimatstadt gekommen, wo sie mit ihrem Bruder einen Trümmerhaufen vorfand. Gemeinsam bauten sie das Haus mit dem zerbombten Laden etappenweise wieder auf. Der schmucke Erker habe nicht mehr bleiben dürfen, sagt Schneider.

In den 1950er-Jahren folgte - je nach Kontostand - die Aufstockung der Wohnungen. Am 18. Mai 1953 sorgte die Musikhandlung Bühler für Furore, als sie zum ersten Mal in Limburg ein Fernsehprogramm zeigte. Die Übertragung der Krönungszeremonie von Elisabeth II. zur englischen Königin am 2. Juni 1953 wollten sich auch Nonnen aus der Marienschule nicht entgehen lassen, die eigens das Geschäft an der Schiede aufsuchten.

Musikhaus Bühler verkaufte Musikinstrumente und Schallplatten

1961, im 75. Jubiläumsjahr, beschäftigte die Firma 19 Angestellte, darunter einen Klavierbaumeister, einen Fernseh- und Radiomeister und einen Schreinermeister. Neben sämtlichen Musikinstrumenten führte das Unternehmen alle Zubehörteile sowie eine große Schallplattenabteilung. Bühler war führend in der Modernisierung von Klavieren und Flügeln, unterhielt eine Radio- und Fernseh-Reparatur-Werkstatt und diente mit allen gängigen und ausgefallenen Noten.

1977 starb Hans Bühler. Zwei Jahre später wurde die Musikhaus J. Bühler KG in die Radio Bühler KG und in die Musikhaus Schneider KG aufgeteilt, 1991 das Geschäft von der Firma Demmer übernommen.

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