Das Thema Missbrauch beschäftigt auch das Bistum Limburg. Bischof Bätzing will es besser machen als sein Kollege in Köln: Er stellte gestern die Strategien zur Aufarbeitung, Prävention und Intervention vor.
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Das Thema Missbrauch beschäftigt auch das Bistum Limburg. Bischof Bätzing will es besser machen als sein Kollege in Köln: Er stellte gestern die Strategien zur Aufarbeitung, Prävention und Intervention vor.

Aufarbeitung in der Kirche

Limburg: Wir können nur durch Transparenz vorankommen

  • Sabine Rauch
    VonSabine Rauch
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Missbrauch in der Kirche: Bischof Georg Bätzing und Caspar Söling wollen Betroffene einbinden

Limburg -Ein Schritt ist getan. Bischof Dr. Georg Bätzing nennt ihn einen "ersten Schritt, einen wichtigen Schritt", denn ohne Betroffenen-Beirat keine unabhängige diözesane Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. Und ohne diese Kommission kein Kulturwandel in der Kirche.

Er wolle vorbildlich vorgehen, hatte Bischof Bätzing im Juni vergangenen Jahres versprochen, als die Ergebnisse des Projekts "Betroffene hören - Missbrauch verhindern" im Bistum Limburg vorgestellt wurden. Gestern haben er und Dr. Dr. Caspar Söling, der bischöfliche Beauftragte für die Implementierung, also die Umsetzung, der Studienergebnisse, berichtet, was bisher passiert ist, was noch passieren soll - und wann.

Dass etwas passieren muss, sei klar, sagte der Bischof. Das Thema Missbrauch beschäftige ihn täglich, es bestimme wieder das Bild der Kirche in der Öffentlichkeit. Zum Erzbischof von Köln und seinem Umgang mit Missbrauchs- und Vertuschungsvorwürfen wollte Georg Bätzing sich gestern nicht äußern. Er spreche ja nicht als Vorsitzender der Bischofskonferenz, sondern als Nachbar. Aber: "Die Lage in Köln beeinflusst uns in erheblicher Weise."

Und er betonte, dass das Bistum Limburg, sehr konsequent mit den Aufgaben aus der MHG-Studie umgehe. Die MHG-Studie (benannt nach den Universitäten, die am Forschungskonsortium beteiligt waren: Mannheim, Heidelberg, Gießen) trägt den Titel "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz". Und zum richtigen Umgang mit der Studie gehöre es, die Namen der Verantwortlichen offenzulegen. "Wir können nur durch Transparenz und das Vorzeigen von Ergebnissen vorankommen und neues Vertrauen gewinnen." Und dazu gehöre es auch, auf unabhängige Experten und auf die Betroffenen zu hören.

Aus den Betroffenen

Akteure machen

Aber das reiche nicht: "Man muss aus den Betroffenen Akteure machen." Zum Beispiel als Mitglieder des Betroffenenbeirats. Bis zum 28. März sind Männer und Frauen, die als Kinder und Jugendliche sexualisierte Gewalt durch Priester, Diakone oder andere, auch ehrenamtliche, Mitarbeiter des Bistums erfahren haben, aufgerufen, sich für einen Sitz im Beirat zu bewerben. Am Ende soll der Betroffenenbeirat neun Mitglieder haben. Drei Sitze sind durch Mitarbeiter der drei Bistümer besetzt, die diesen Beirat ins Leben rufen wollen: Limburg, Fulda und Mainz. Die anderen Beiratsmitglieder sollen Betroffene sein. Drei Interessenten hätten sich schon gemeldet, sagte Georg Bätzing. Erstaunlicherweise seien viele Betroffene bereit, sich in der Kirche zu engagieren, um sie zu verändern, bei der Aufarbeitung, Prävention und Intervention von sexueller Gewalt zu helfen - "auf Augenhöhe".

Dazu gehört aber auch, dass es die Kirche den Betroffenen leichter machen will, sich zu melden, zu berichten. "Wir müssen die Kommunikation umkehren", sagte Bätzing. Dafür brauche es ein Beschwerdemanagement und einen Beschwerdenavigator, "damit niemand im Dickicht der Bürokratie verloren geht". Und für all jene, "die der Kirche nicht mehr trauen" müsse es ebenfalls eine Anlaufstelle geben, eine unabhängige Ombudsstelle - in Kooperation mit einer außerkirchlichen Einrichtung.

Und natürlich brauche es andere Strukturen in der Kirche, schließlich gehe es um Taten, die mit Macht und Machtmissbrauch zu tun haben. Eine Gewaltenteilung sei notwendig, "wir gehen den synodalen Weg nicht zufällig", sagte der Bischof.

Es brauche aber auch andere Personalakten. Das Gesetz zur Personalaktenführung auf Ebene der Bischofskonferenz orientiere sich an den Vorgaben der Kommunen und sei kurz vor dem Abschluss. Auch das sei ein Symbol für die Veränderung der Kultur.

Mit der Umsetzung des Kulturwandels ist Caspar Söling betraut. Und er hat jede Menge zu tun: Insgesamt 421 Seiten umfasst die Studie "Betroffene hören - Missbrauch verhindern", daraus ergeben sich 64 konkrete Aufträge. Für jeden Auftrag hat Söling inzwischen einen Verantwortlichen benannt, einen ausgeklügelten Zeitplan erstellt, Zwischenziele gesteckt. Der Bischof ist laut Plan für acht Maßnahmen verantwortlich, auch für das Thema Sexualmoral und für "Theologie angesichts des Missbrauchs". Der Kirchenrechtler Prof. Dr. Peter Platen ist zum Beispiel für das Beschwerdemanagement zuständig - bis zum 1. Februar 2023 haben er und seine Mitarbeiter Zeit, eine Anlaufstelle zu schaffen. Bis dahin muss die Zielgruppe erfasst und erfragt werden, ob sie vielleicht schon ein eigenes System aufgebaut hat oder Zugang zum bischöflichen System braucht.

Ziel sei es, jedes Jahr einen Bericht vom Beschwerde-Lotsen zu bekommen. Und natürlich eine Liste der Schulen, Kindergärten oder Caritas-Einrichtungen, "die kein Beschwerdemanagement wollen und somit aus der Förderung des Bistums fallen." Caspar Söling formuliert es so: "Wir fordern hohe Verbindlichkeit. Nur so kommen wir zu Ergebnissen."

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