"Wenn man für die Politik brennt, will man auch in der ersten Liga spielen", sagt FDP-Politiker Alexander Müller, der auch in der kommenden Wahlperiode im Bundestag mitgestalten will.
+
"Wenn man für die Politik brennt, will man auch in der ersten Liga spielen", sagt FDP-Politiker Alexander Müller, der auch in der kommenden Wahlperiode im Bundestag mitgestalten will.

Bundestagskandidat im Porträt

Limburg: "Wir könnten viel besser sein"

  • VonAnken Bohnhorst-Vollmer
    schließen

FDP-Bundestagskandidat Alexander Müller wirbt für sich als Freiheitsverteidiger

Limburg/Niedernhausen -Als er sechs Jahre alt war, gab es für ihn nur zwei Berufsoptionen, erzählt Alexander Müller. Entweder er würde Papst werden oder Bundeskanzler. Heute, 46 Jahre später, ist er "Freiheitsverteidiger". Das steht auf den Plakaten, mit denen sich der FDP-Politiker für die bevorstehende Bundestagswahl empfiehlt. 2017 zog er über die Landesliste der Liberalen für den Wahlkreis Rheingau-Taunus, Limburg in den Bundestag. Und da will er auch in den kommenden vier Jahren bleiben, selbst wenn seine Aussichten gering sind, in Berlin Papst oder Bundeskanzler zu werden.

Freiheitsverteidiger zu sein, reicht Alexander Müller. Freiheit zu bewahren sei immer sein Thema gewesen, betont er. Schon bei der Berufswahl, bei der er sich nach abgeschlossenem Informatikstudium für eine freiberufliche Tätigkeit als Software-Entwickler und -Berater entschied und sich in Niedernhausen niederließ. Ebenso bei seiner politischen Orientierung, die ihn nach - oder gerade wegen - seiner Bundeswehrzeit zu Beginn der 1990er Jahre den Liberalen führte.

Abwehr staatlicher Gängelung

"Die Bundeswehr hat mich geprägt", sagt Alexander Müller. Vom Staat zum Wehrdienst gezwungen und in der persönlichen Freiheit eingeengt worden zu sein, das hat er abgelehnt. Ohne eigenes Zutun in Hierarchien einsortiert werden, wollte er nicht. Er verteidigte seine Freiheit, schrieb Anregungen und Beschwerden an den Wehrbeauftragten der Bundeswehr und lief sich für seine politische Karriere warm. Zunächst auf kommunaler Ebene und schließlich 2013 mit seiner ersten Kandidatur für den Bundestag, "denn wenn man für die Politik brennt, will man auch in der ersten Liga spielen".

Damals schaffte er den Sprung nach Berlin nicht. Vier Jahre später landete er im Reichstag und wurde von seiner Fraktion in den Verteidigungsausschuss geschickt. Wieder ging es ihm um Freiheit und um die Abwehr staatlicher Gängelung. Alexander Müller setzte sich für die Aussetzung des Wehrdienstes ein. Dennoch ist er seit 2017 Reservist. Das sei schon deshalb sinnvoll, weil er in der zurückliegenden Wahlperiode als FDP-Obmann im Verteidigungsausschuss mitarbeitete. "Ich bin einer der wenigen im Ausschuss, die gedient haben". Das hilft bei der Verständigung mit der Truppe.

Digitalisierung weiter vorantreiben

Die Verteidigung der Freiheit findet für den Liberalen aber auch auf anderen Ebenen statt. Ganz aktuell etwa bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie. "Es darf im Herbst nicht erneut Freiheitsbeschränkungen geben", sagt der Bundestagsabgeordnete und -kandidat. Allerdings dürfe es auch keine Pflicht geben, sich gegen Covid-19 impfen lassen zu müssen. Denn auch das würde die Freiheit des Einzelnen beschneiden. Müller plädiert vielmehr für Verantwortungsbewusstsein und Einsicht. "Wir müssen jetzt kluge Vorbereitungen gegen mögliche Risiken treffen." Viel Zeit sei verschwendet worden, viel sei in den vergangenen Monaten liegen geblieben, das jetzt aufgearbeitet werden muss. Zum Beispiel die Etablierung eines bundeseinheitlichen Technologiestandards, um die Daten der Gesundheitsämter zusammenzutragen. "Wir sind hier auf einer wackligen Schiene unterwegs", sagt Müller. Dabei müsse das Zahlenwerk sicher und gesichert sein, um als Entscheidungsgrundlage zu dienen. So hinke die Bundesrepublik bei der Digitalisierung nicht etwa zwei oder drei Jahre hinter dem internationalen Standard her, sondern 30 Jahre. Selbst im Bundestag hätten noch bis vor kurzem Faxgeräte gestanden. Auch persönlich habe er kürzlich die Langsamkeit herkömmlicher Datenverarbeitung gespürt, als er mehr als vier Stunden brauchte, um die Zulassung für sein Motorrad zu erwirken.

Die Digitalisierung ist dem IT-Experten aber auch bei der Ausstattung der Schulen und Universitäten wichtig. So klaffe etwa bei digitaler Unterstützung des Unterrichts eine gewaltige Nachhollücke, berichtet der vierfache Vater aus dem Familienleben unter Homeschooling-Bedingungen. Neben der digitalen Ausstattung müssen aber auch andere Maßnahmen vorangetrieben werden. Belüftungssysteme in den Klassenzimmern zu installieren, sei möglich, das Geld dafür vorhanden. "Jetzt muss angepackt werden", fordert er. "Wir könnten viel besser sein" - mit mehr Freiheiten und weniger "Verboteritis", wie er Vorgaben zu Steingärten, Solarpanels, Geschwindigkeitsbegrenzungen und Verbrennermotoren nennt.

In seinem eigenen Umfeld hat Müller diese Freiheiten immer gepflegt. Er stellt klar: Nein, er hat keinen Steingarten, weil er ihm nicht gefällt. Nein, er hat keine Solarpanel auf das Dach seines Hauses montieren lassen, weil die von hohen Bäumen beschattet wären und er sich deshalb für ein Blockheizkraftwerk entschied. Nein, er ist kein Autobahnraser, allenfalls zügig unterwegs mit seinem Opel Ascona, Baujahr 1977, der nicht eben eine Rennmaschine ist. Und wie sich Verbrenner entwickeln, bleibt abzuwarten, sagt Müller. Die Beschränkungen anderer Parteien, die Verboteritis eben, führe in die Planwirtschaft, in die politisch verordnete Unfreiheit. Das ist nicht Alexander Müllers Linie. Er bleibt Freiheitsverteidiger.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare