Waldkindergärten werden in Deutschland immer beliebter.
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Waldkindergärten werden in Deutschland immer beliebter.

Naturdistanz überwinden

Limburg: Wir sind die "Eichhörnchen" aus der Eppenau

  • Stefan Dickmann
    VonStefan Dickmann
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Neuer Waldkindergarten des Familienzentrums "Müze" wird Mitte August offiziell eröffnet

Limburg -Eichhörnchen leben im Wald. Kein Wunder, dass sich die neueste Kindereinrichtung in Limburg genauso nennt. Denn die derzeit sieben Kinder und ihre beiden Erzieherinnen Annika Kabke-Zyla (39) und Sally Diefenbach (26) bilden den neuen Waldkindergarten des Familienzentrums "Müze".

Der befindet sich zwar nicht direkt im Wald, sondern an einem Maisfeld in der Eppenau, wo für die Kinder bereits im Frühjahr ein von einer Spezialfirma angefertigter Bauwagen aufgestellt wurde, der zehn Meter lang ist und 30 Quadratmeter Platz bietet - ein Schutzraum, in dem sie sich ausruhen, essen und ebenfalls spielen können, wenn das Wetter zu schlecht ist - aber zum Linterer Wäldchen ist der Weg nicht weit und auf dem Weg dorthin liegt ein großes Gartengrundstück mit einer Gartenhütte, das von den "Eichhörnchen" ebenfalls jeden Tag genutzt wird.

Der 22. Kindergarten in der Stadt Limburg

Der Waldkindergarten ist der 22. Kindergarten in Limburg (inklusive aller Stadtteile). Die offizielle Eröffnung ist am Montag, 16. August, mit dem Ersten Stadtrat Michael Stanke (CDU), der als Dezernent im Rathaus für die Kinderbetreuung in der Stadt zuständig ist. Aber schon am Dienstagnachmittag war die Einrichtung von einem Politiker besucht worden: Landrat Michael Köberle (CDU) überreichte einen Förderbescheid über 25 900 Euro.

Träger des Waldkindergartens ist das Familienzentrum "Müze", das bereits seit 2010 über eine "Krabbelstube" verfügt, mittlerweile mit insgesamt drei Gruppen à zwölf Kinder im Alter bis zu drei Jahren. Der neue Waldkindergarten erweitert dieses Angebot für Drei- bis Sechsjährige.

Wie Bettina Demleitner, eine von drei Geschäftsführerinnen des "Müze" mitteilt, beträgt die Kapazität des Waldkindergartens 20 Kinder. Sie geht davon aus, dass bis zum Frühjahr 2022 die volle Gruppenstärke erreicht ist. Es gibt bereits eine Warteliste für einen Platz im Waldkindergarten, so dass eine zweite Gruppe zu einem späteren Zeitpunkt wahrscheinlich ist. Für die erste Gruppe stehen insgesamt drei Erzieherinnen zur Verfügung - zwei in Vollzeit und eine in Teilzeit.

Ins Wäldchen, ins Feld und ins Tal

Der Bauwagen steht auf einem städtischen Grundstück und dient als Schutzraum. Aber zum Konzept des Waldkindergartens gehört, dass sich die Kinder ganzjährig draußen aufhalten sollen. Neben dem von der Lebenshilfe gepachteten Gartengrundstück sind laut Geschäftsführerin Demleitner der Aktions- und Spielraum des Waldkindergartens das Lintererer Wäldchen, die angrenzenden Felder und das Tal Josaphat. "Die Plätze im Wald wurden von der zuständigen Revierförsterin zugewiesen und das pädagogische Personal zur Erkennung von Gefahren durch Hessenforst geschult", sagt Demleitner. Laut Konzept stellt der Waldkindergarten "einen Gegensatz zur Medialisierung und Verhäuslichung dar, der Möglichkeiten bieten soll, die immer stärker werdende Naturdistanz zu überwinden".

Der speziell angefertigte Bauwagen kostete 120 000 Euro, ist mit einer Gasheizung beheizbar und verfügt über eine Solarzelle auf dem Dach, die eine Zwölf-Volt-Anlage speist. Parkmöglichkeiten für die Eltern bestehen nach Angaben des "Müze" auf dem öffentlichen Parkplatz "In der Eppenau".

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