Ganz nah bei den Bürgern: Sandra Bold und Ursula Hötterges laden alle, die sich ehrenamtlich engagieren wollen, in die Ehrenamtsagentur im Limburger Rathaus ein.
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Ganz nah bei den Bürgern: Sandra Bold und Ursula Hötterges laden alle, die sich ehrenamtlich engagieren wollen, in die Ehrenamtsagentur im Limburger Rathaus ein.

Ehrenamt im Fokus

Limburg: "Wir sind die Glücksboten"

  • Sabine Rauch
    VonSabine Rauch
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Die Bedeutung des Ehrenamtes und die Limburger Ehrenamtsagentur

Limburg -Jede Menge Lebenserfahrung, exzellente Qualifikationen und viel Zeit: Wer nicht mehr für seinen Lebensunterhalt arbeiten muss, ist eine gesuchte Arbeitskraft. Ehrenamt ist ohne Senioren undenkbar. Und unsere Gesellschaft ist ohne Ehrenamt nicht denkbar.

Nicht nur, weil sie nicht zu bezahlen wäre. Sondern auch, weil das Ehrenamt Gewinn bringt. Jeder will gebraucht werden. Soziale Kontakte machen ausgeglichen, glücklich und gesund und sie halten fit. "Ehrenamt bringt Erfüllung", sagt Ursula Hötterges. Sie muss es wissen, sie hat ihr Leben lang Ehrenämter gehabt und sie ist eine der Gründerinnen der Limburger Ehrenamtsagentur - ehrenamtlich natürlich.

"Ins Rentenalter hineingedriftet"

Am 22. August 2013 war das. Bürgermeister Martin Richard hatte damals Männer und Frauen gesucht, die sich ehrenamtlich als Netzwerker engagieren wollen. Ursula Hötterges war eine von ihnen; sie war damals 64, "und gerade ins Rentenalter hineingedriftet". Nach vier Wochenenden theoretischer Ausbildung über die Landes-Ehrenamtsagentur stand die Praxis an: "Unser Projekt war es, eine Ehrenamtsagentur aufzubauen." Und es funktionierte: Zunächst waren sie zu viert, aber schon am Eröffnungstag kamen neue Helfer dazu; zumindest der Bürodienst war gesichert.

Längst ist die Limburger Ehrenamtsagentur eine feste Größe im Kreis. Sie arbeitet mit rund 100 Einrichtungen zusammen, vor allem sozialen Einrichtungen, zum Beispiel mit der Caritas, dem Diakonischen Werk, dem anonymen Sorgentelefon, dem Nothilfekomittee, der Krebsnothilfe, den Hospizdiensten und vielen mehr. Und derzeit stehen rund 200 Freiwillige zur Verfügung. "Wenn es gut läuft, bringen wir sie zusammen", sagt Ursula Hötterges und lacht. Zum Beispiel den Rechtsanwalt und die Schuldnerberatung oder den Gärtner und den Rosengarten in Hadamar. Die Lehrerin und Kinder, die Nachhilfe brauchen oder die Flüchtlingshilfe.

Überhaupt: Die Flüchtlingshilfe. Das war die große Zeit der Limburger Ehrenamtsagentur. Sie hat 2015 das Erstaufnahmelager in Staffel, die "Oase", organisiert. Damals hatten sich 460 Menschen gemeldet, die sich engagieren wollten, die bei der Essensausgabe helfen, Deutsch unterrichten oder im Café der Oase arbeiten wollten. "Das hat gebrummt." Die LEA hat die Begegnungstreffs in den Gemeinschaftsunterkünften begleitet, die Helferkreise aufgebaut und unterstützt, Unterrichtsmaterialien kopiert und viel Koordinationsarbeit mit den Ämtern geleistet.

So viele Helfer wie damals hat die LEA derzeit nicht. Aber die, die kommen, sind genauso engagiert. Manche sind so euphorisch, dass sie bei der Frage nach den Bereichen, in denen sie sich engagieren wollen, gleich alles ankreuzen: Soziales, Sport, Gesundheit, Entwicklungshilfe, Umwelt, Natur, Bürgerengagement, Bildung, Kirche, Kultur, Politik und Wissenschaft. Wenn es dann um die Frage nach den Kenntnissen und Fertigkeiten geht, ist es dann oft schon ein bisschen weniger. Wer hat schon Erfahrung in Management, Literatur, Recht, Tanzen, Technik und Handwerk, Psychologie, Öffentlichkeitsarbeit und Büro und Verwaltung? Aber irgendwas kann jeder. "Und wir sind dankbar für alle, die sich melden", sagt Sandra Bold, die hauptamtliche Kraft in der Ehrenamtsagentur. Sie ist seit 2015 dabei. "Als Bindeglied zwischen LEA und Stadt."

Und auch sie ist eine, bei der sich die Ehrenamtler erst einmal vorstellen müssen. "Die müssen alle erst zu uns ins Büro", sagt Ursula Hötterges. Der persönliche Eindruck sei wichtig. "Schließlich haben wir Verantwortung." Und: "Wir sind ein Aushängeschild der Stadt."

Natürlich sind es vor allem ältere Menschen, die kommen und eine sinnvolle Beschäftigung suchen. Die mal rauskommen wollen, die Lust auf Begegnungen und Herausforderungen haben.

Aber es sind längst nicht mehr nur ältere Menschen. Es sind auch immer mehr junge Leute dabei, die die Zeit bis zum Beginn der Ausbildung oder des Studiums nutzen wollen, um sich zu engagieren, die Essen auf Rädern oder Fahrdienste übernehmen wollen oder bei den Ferienspielen mithelfen möchten. Die Helfer kommen aus allen Bereichen und allen sozialen Schichten.

Bedarf an Ehrenamtlern

Besonders gesucht sind im Moment alle, die sich mit älteren Menschen beschäftigen wollen. Vor allem die Pflegeheime in der Region haben immer Bedarf an Ehrenamtlern, die mit alten Menschen handarbeiten oder spazieren gehen oder ihnen vorlesen wollen. Oder ihnen einfach mal eine Freude machen möchten. So wie vor ein paar Wochen bei der Aktion "Glückspost". Da haben die Ehrenamtler Postkarten an Bewohner der Altenheime geschrieben und sie höchstpersönlich überbracht, "Wir sind die Glücksboten", sagt Ursula Hötterges und lacht.

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