Noch ist nicht erwiesen, ob es sich bei den drei gefressenen Kälbern auf Weiden in Villmar und Bad Camberg-Würges um die Beute eines Wolfs handelt. Ganz unwahrscheinlich ist das allerdings nicht, meinen die betroffenen Tierhalter.
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Noch ist nicht erwiesen, ob es sich bei den drei gefressenen Kälbern auf Weiden in Villmar und Bad Camberg-Würges um die Beute eines Wolfs handelt. Ganz unwahrscheinlich ist das allerdings nicht, meinen die betroffenen Tierhalter.

Spuren werden analysiert

Limburg-Weilburg: Drei Tiere gerissen - Ist der Wolf zurück in Hessen?

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Nahe Limburg sterben drei Kälber. Sie wurden gerissen. Die Landwirte glauben, es war ein Wolf. Jetzt wird hinterlassene DNA untersucht. 

  • Drei Kälber werden im Kreis Limburg-Weilburg gerissen.
  • Die Bissspuren des Tieres werden jetzt untersucht.
  • Tierhalter vermuten, dass ein Wolf verantwortlich ist.

Bad Camberg/Villmar – Es ist der Alptraum jedes Tierhalters: Anstatt von Schafen und Rindern nur deren Kadaver auf der Weide zu finden. Das musste Landwirt Franz Theo Löw aus Bad Camberg-Würges (Kreis Limburg-Weilburg) am Pfingstsonntag (31.05.2020) erleben: Wie gelähmt sei er gewesen, als er auf seiner Wiese die Reste von zwei Kälbern entdeckte. In der Nacht zuvor waren sie geboren worden. Im Freien, sagt Löw.

Tiere im Kreis Limburg-Weilburg gerissen: Halter vermuten Wolf hinter dem Vorfall

Auf die natürliche Umgebung lege er bei der Tierhaltung großen Wert. Deshalb habe er vor Jahren sogar einen Open-Front-Stall gebaut, denn „etwas besseres gibt es nicht für die Tiere“. Davon war der Besitzer von insgesamt 220 Kühen bislang überzeugt. Jedenfalls bis Sonntag, als er feststellen musste, dass die Jungtiere unmittelbar nach ihrer Geburt gerissen worden sind. Vermutlich von einem Wolf, gibt der Landwirt wieder, was ein herbeigerufener Sachverständiger nach einer ersten Untersuchung angedeutet hatte. Beide Tiere wiesen die für Wölfe typischen Kehlbissspuren auf.

Ein ähnliches Erlebnis wie Bauer Löw hatte auch Nebenerwerbslandwirt Jürgen Reichwein vom Traisfurther Hof in Villmar (Kreis Limburg-Weilburg). Auch auf seiner Weide hatte eine Mutterkuh am Pfingstwochenende ein Kalb geboren, das in der ersten Nacht vollständig aufgefressen wurde. Von dem Jungtier, dessen Gewicht Reichwein auf rund 50 Kilo schätzt, ist nicht mehr übrig geblieben als der Kopf, zwei Beine und die abgenagte Wirbelsäule. Dass das Kalb die Beute eines Wolfs war, hält er für wahrscheinlich.

„Ich lebe nicht in einer Märchenwelt“, sagt er. Natürliche Tierhaltung berge auch Gefahren, das sei ihm bewusst. Und tatsächlich habe er in der Vergangenheit bereits Trittsiegel, also Spuren eines Wolfs, in der Region gesehen. Allerdings sind „Wölfe per Gesetz geschützt“, sagt Reichwein. „Und wer den Wolf zurückhaben will, muss Kollateralschäden hinnehmen."

Ist der Wolf im Kreis Limburg-Weilburg zurück? – Sorgen der Landwirte sind nachvollziehbar

Die Sorgen der Landwirte seien durchaus nachvollziehbar, räumt Franziska Vogt, Sprecherin des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) ein, das für das Wolf-Monitoring zuständig ist und die Ansiedlung des Raubtiers grundsätzlich begrüßt. Gleichzeitig unterstütze aber das Hessischen Landwirtschaftsministerium die Weidetierhalter „in besonderem Maße bei der Absicherung von Weidezäunen“, betont Vogt.

40 Euro pro Hektar bekommen die Tierhalter, wenn sie einen „Herdenschutz nach guter fachlicher Praxis mit täglichen Zaunkontrollen und einer Einzäunung mit einem Elektrozaun in Höhe von mindestens 90 Zentimeter“ errichten. Dass sich aber ein beutegieriger Wolf von diesem Hindernis nicht abhalten lässt, beweisen die toten Kälber vom vergangenen Wochenende, hält Nebenerwerbslandwirt Reichwein dagegen. Ginge es nach ihm, dann müssten Wölfe dahin zurückgedrängt werden, wo sie ursprünglich herkommen. Zum Beispiel in den Ural. In der Kuscheltierecke hätten Wölfe jedenfalls nichts zu suchen.

Tiere im Kreis Limburg-Weilburg gerissen: Nun wird untersucht, ob ein Wolf verantwortlich ist

Dabei gehe es ihm gar nicht nur um den wirtschaftlichen Verlust durch das gerissene Tier, sagt Reichwein. „Es sind meine Tiere. Ich bin Landwirt aus Liebe.“ Für ihn und für den Landwirt aus Bad Camberg-Würges sind die gerissenen Tiere auch ein emotionaler Verlust, und „den muss man erst Mal verarbeiten", sagt Franz Theo Löw. Er meldete den grausigen Fund dem Veterinäramt in Hadamar (Kreis Limburg-Weilburg), das seinerseits das Regierungspräsidium Gießen informierte. Das RP wiederum bildet „ehrenamtliche sachkundige Helfer“ aus, die die getöteten Tiere vor Ort untersuchen. „Bei einer solchen Begutachtung wird versucht, eindeutige Nachweise eines Wolfsrisses zu finden“, sagt RP-Sprecher Thorsten Haas.

Auch nach Villmar und in den Bad Camberger Stadtteil wurden Experten geschickt, bestätigt Haas. „An allen Tieren wurden in diesem Fall Genetikproben genommen, die zur Untersuchung an die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung gesendet wurden.“ Mit einem Analyseergebnis der DNA sei nach drei bis vier Wochen zu rechnen. „Bis dahin kann nicht zweifelsfrei von Wolfsrissen ausgegangen werden.“

Von Anken Bohnhorst-Vollmer

In Hessen ist der Wolf wieder sesshaft. Bei Kaufungen im Kreis Kassel ist jetzt eine Wölfin überfahren worden. Es ist nicht das erste tote Tier in diesem Jahr. Auch an einem Bahnhof in Wiesbaden ist ein toter Wolf gefunden worden.

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