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Ein geweihtes Kreuz kommt an die Wand.

Kirche

Limburger Christen kritisieren Markus Söders Kruzifix-Pläne

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Vom 1. Juni an soll in allen staatlichen Behörden Bayerns ein Kreuz hängen. Das hat der dortige Ministerpräsident Markus Söder (CDU) gerade bekannt gegeben – was bundesweit für Diskussionen sorgt, auch im Raum Limburg.

Es kommt auf die Intention an, mit der das Kreuz aufgehängt wird, sagt der Limburger Bischof Georg Bätzing. Über ein von einem breiten Konsens getragenes Aufstellen von Kreuzen in dieser Intention könnten sich Christen und Kirche nur positiv äußern: „Wenn das Anbringen von Kreuzen im öffentlichen Raum dazu führt, über die zentralen christlichen Orientierungen von Nächstenliebe, Menschenwürde, Solidarität und Toleranz als prägend für unsere Gesellschaft nachzudenken, hat dies einen positiven Stellenwert“, sagt der Bischof, ergänzt aber: „Wenn jedoch das Anbringen der Kreuze im öffentlichen Raum wahrgenommen wird als Ausgrenzung oder nationale Engführung und damit spaltend wirkt, ist dies zu kritisieren.“ Das Kreuz sei ein eindeutig religiöses Symbol. Der christliche Glauben stehe für eine weltweite Zivilisation der Liebe und nicht für Ausgrenzung. Das Kreuz drücke den Glauben an Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten und Auferstandenen aus. „Wer ein Kreuz trägt oder aufhängt, bekennt sich zu Christus und steht zur Botschaft vom Reich Gottes und die Ausgestaltung eines Lebens in der Perspektive von Gottes- und Nächstenliebe.“ Damit sei das Anbringen von Kreuzen auch das Bekenntnis, diese Orientierungen leben zu wollen. „Daher darf das Kreuz nicht zu einem Identitätszeichen eines Bundeslandes abgestuft werden.“

Dekan Manfred Pollex (Dekanat Runkel) war das Thema so wichtig, dass er es gerade in seinem „Gruß zum Sonntag“ in der NNP aufgegriffen hat. Ihn stört die Umdeutung des Kreuzes, die Ministerpräsident Söder gerade vielfältig kommuniziert. Für Söder sei es nun weniger religiöses Symbol des Christentums als Bekenntnis zur bayerischen Identität, zur kulturellen Prägung. „Das ist respektlos, denn er missbraucht ein religiöses Symbol höchster Dichter für Parteipolitik.“ Manfred Pollex: „Als Christ werde ich nicht müde zu betonen, dass das Kreuz zu allererst ein religiöses Symbol ist. Von daher freue ich mich, wenn ich es am Hals junger Menschen sehe oder wenn es mir im Alltag unverhofft begegnet. Es soll uns alle ja an den Kern unseres christlichen Glaubens erinnern: Christus, sein Tod und seine Auferstehung. Ich bin gegen eine Entfernung aller religiösen Symbole aus den öffentlichen Räumen, weil es zu unserer bürgerlichen Freiheit gehört, sie zu zeigen oder eben auch nicht. Ich halte es für keinen guten Weg, dass die Muslima den Halbmond verbirgt oder der Christ sein Kreuz nur unter dem Unterhemd tragen muss. Wo führt das hin? Allerdings bin ich auch strikt dagegen, religiöse Symbole wie aktuell das Kreuz per gesetzlicher Anordnung in alle öffentliche Staatsgebäude anbringen zu lassen. Das geht auch nicht.“

Für Christa Pullmann, seit 1992 Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Limburg, steht fest: „Eine weltliche Amtshandlung kann nicht in einen Zusammenhang mit der Kreuzigung Christi gebracht werden. Wie kann in einem Amtsraum diese Kreuzigung wie ein Hoheitszeichen hängen? Lange genug wurde sie gegen die Juden missbraucht!“ Sie erinnert an den einen Satz: „Sie haben unseren Heiland getötet.“ Mit diesen Worten hätten kirchliche Institutionen und Prediger die Wurzel des Antisemitismus bis in die heutige Zeit gelegt.

Die Trennung von Staat und Kirche mache für sie klar: „Alle Amtshandlungen in Deutschland haben heute völlig unabhängig von religiösen Ansichten zu erfolgen, in einem Staat, der auf dem Boden steht.“ Alle Menschen in Deutschland sind vor dem Gesetz gleich. Das müsse jeder Amtsinhaber umsetzen. Pullmann: „Aus diesen Gründen bin ich persönlich gegen die Anbringung von Kreuzen und Kruzifixen in Schulen, Amtsgebäuden, öffentlichen Einrichtungen usw. und auch gegen die Anbringung von religiösen Zeichen anderer Religionen. Kulturgut ist das, was wir leben und verantworten, was wir verinnerlicht haben in unseren Herzen, zum Wohle von uns selbst und allen anderen Menschen in Deutschland! Da müssen wir keine Kultur-Symbole aufhängen!“

„Nach Jahrhunderten des Kampfes haben wir in unseren westlichen, aufgeklärten Staatsgebilden mehr oder weniger eine Trennung der Aufgabenbereiche der Religion und Staat erreicht“, äußert sich der Vorsitzende des Limburger Ausländerbeirats Meysam Ehtemai. „Für den Staat sollte es nicht maßgebend sein, welchen Weltanschauungen oder Religionen seine Bürger anhängen. Der Staat sollte keine Religionsgemeinschaft bevorzugen, oder benachteiligen“, verweist er auf das Neutralitätsgebot für den Staat.

Gewiss habe der christliche Glaube in Deutschland über Jahrhunderte seine Spuren hinterlassen. „Das Christentum ist ein untrennbarer Teil unserer Geschichte und Kultur. Jedoch ist es kein guter Weg, wenn man mit dieser Argumentation das Kreuz als das Zeichen des Christentums in den staatlichen Gebäuden aufhängt. Denn dann müsste man ebenfalls die germanischen, römischen und jüdischen Symbole daneben aufstellen, da diese ebenfalls zur Bildung unsrer Identität und Kultur beigetragen haben.“

„Wir besitzen aber alle als Nation ein heiliges Buch, ein gemeinsames Lied und ein Symbol: Das Grundgesetz, die Nationalhymne und den Bundesadler! Wenn wir unsere Bande als Gesellschaft stärken wollen, dann müssen wir uns um diese Elemente der Gemeinschaft sammeln und unsere religiösen Pflichten im privaten Rahmen und in den jeweiligen Gotteshäusern erfüllen.“

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