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Rabbi Michael Jedwabny und Christa Pullmann, Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, verlasen auf dem jüdischen Friedhof die Namen von Limburger Holocaust-Opfern.

Zweiter Weltkrieg

Limburger gedenken den Holocaust-Opfern

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz. Im Jahr 2005 erklärten die Vereinten Nationen daher den 27. Januar zum Holocaust-Gedenktag. Am Sonntag wurde auf dem jüdischen Friedhof der Limburger Opfer gedacht.

Rabbi Michael Jedwabny las die Namen der 136 jüdischen Opfer aus Limburg des NS-Regimes vor. Christa Pullmann, Vorsitzende der christlich-jüdischen Gemeinde, las 43 weitere Namen von Limburgern vor, die ermordet wurden, weil sie nicht in die Ideologie der NS-Zeit passten. Anlass zu dieser Gedenkfeier war der Holocaust-Gedenktag auf dem jüdischen Friedhof am Schafsberg.

Die Vorsitzende der vor 16 Jahren neu gegründeten jüdischen Limburger Gemeinde, Elena Kopirovskaja, hieß die Besucher auf dem Friedhof willkommen. „Unsere Erinnerungen dürfen nicht enden“, sagte Kopirovskaja, „damit so etwas nie wieder passiert.“ Auch Bürgermeister Marius Hahn (SPD) bekräftigte dies. Die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 73 Jahren dürfe jedoch nicht nur ein Anlass zum Gedenken sein. „Wir sind es den Menschen schuldig, uns heute mit aller Entschiedenheit gegen jede Form des Hasses zu stellen“, sagte Hahn. „Wer sich den Hetzern nicht mit aller Energie widersetzt, hat die Lehren der Geschichte nicht verstanden.“ Die Stadt sehe sich in der Verantwortung, den Opfern der NS-Zeit Ehre zu erweisen und ihnen zu gedenken. Aus diesem Grund werde die geschichtliche Aufarbeitung unterstützt. Und inzwischen wurden auch bereits 85 Stolpersteine in Limburg verlegt.

Der Bürgermeister begrüßte es, dass sich auch junge Menschen nicht von der Geschichte abwenden. Eine Klasse der Leo-Sternberg-Schule unterstütze aktiv das Stolperstein-Projekt. Schüler der Peter-Paul-Catchens-Schule waren vor wenigen Monaten in Auschwitz. Stellvertretend berichteten die Schüler Lennart Hastenteufel und Sabrina Storz von ihrem Besuch in dem ehemaligen Vernichtungslager. Sie hätten Eindrücke gesammelt, die sich nur schwer mit Worten beschreiben ließen, sagten die Jugendlichen.

Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker berichtete stellvertretend für alle Opfer von Limburg zwei Schicksalen in der NS-Zeit. Die jüdische Familie Sachs lebte in der Grabenstraße und betrieb ein Geschäft. Im Jahr 1935 wurde Hermann Sachs verhaftet, weil er sich mit einem Bekannten über die politischen Verhältnisse unterhalten hatte. Sein Geschäft wurde am 9. November 1938 zerstört und geplündert. 1939 verließ die Familie Limburg und zog nach Frankfurt. Die Eltern Hermann und Rosa Sachs wurden im September 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie beide im selben Jahr verstarben. Die älteste Tochter Johanna und ihr Mann Hugo Neufeld wurden nach Minsk deportiert und dort wahrscheinlich ermordet. Der jüngeren Tochter Alice gelang mit ihrem Mann Leo Wolf nach etlichen Repressalien die Flucht nach Amerika. Dort verstarb sie 1966 im Alter von 66 Jahren.

Die zweite Geschichte, die Christoph Waldecker vorlas, war die des Limburgers Josef Linz. Er wurde 1928 in Mühlen, das heute zum Ortsteil Eschhofen gehört, geboren. Er war von Geburt an schwerstbehindert. Als er neun Jahre alt war, beantragten seine Eltern seine Aufnahme ins St.-Vincenz-Stift in Aulhausen. Josef ging dort zur Schule und machte Fortschritte. Doch dann wurde er ohne Wissen der Eltern mehrmals verlegt und durfte nicht mehr nach Hause – obwohl seine Eltern darauf drängten. Im Februar 1943 wurde der Jugendliche in die Tötungsanstalt Hadamar gebracht, wo er ermordet wurde. Nach offiziellen Angaben starb er am 18. März an einem Darmkatarrh.

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