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Barbara Schöneberger sang ?Fuchs, du hast die Gans gestohlen?.

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Limburger Glockenspiel-Groteske: Sogar die Amis wundern sich

„Gans“ oder gar nicht: „Gar nicht!“, entschied Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD). Er wird nicht die Hauptrolle im Bühnenstück „Staffeler Ortsgericht“ in der Staffeler Kappensitzung spielen. Der Grund: Heftige, zum Teil mit wüsten Beschimpfungen verbundene Reaktionen auf seine Entscheidung, das Lied „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ zeitlich befristet nicht mehr beim Glockenspiel des Limburger Rathauses abspielen zu lassen. Das Medienecho ist gewaltig.

Jetzt also auch noch die Schöneberger. Zur besten Sendezeit singt Moderatorin Barbara Schöneberger am Donnerstagabend im Ersten „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“. Sie singt es sehr überzeugend und mit sehr viel Gefühl. Schade: Sie darf nicht beim Eurovision Song Contest in Kiew singen. Stattdessen schickt Deutschland eine andere große Blondine dorthin, die auf Englisch etwas über ein „Perfektes Leben“ singt.

Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) hat derzeit kein perfektes Leben. Weil er seine bislang folgenschwerste Entscheidung traf, ein Kinderlied eine Zeit lang aus dem Glockenspielprogramm des Limburger Rathauses zu verbannen. Das macht ihn zwar zum derzeit berühmtesten Bürgermeister der Republik, aber es gab auch teilweise sehr heftige negative Reaktionen und Beleidigungen.

Das hat jetzt Konsequenzen: Der Bürgermeister sollte in der Staffeler Kappensitzung am kommenden Samstag auftreten und in einem Sketch die Hauptrolle übernehmen. Er befürchte jedoch, ähnliche, zum Teil unsachliche Kritik werde seinem Auftritt im „Staffeler Ortsgericht“ folgen, erklärte Hahn dem Autor Dr. Andreas Hohnel.

Der Bürgermeister und der Pressesprecher der Stadt, Johannes Laubach, werden es deshalb sicher verschmerzen können, dass weder der Sender n-tv noch das Magazin „stern“ auch über den Hahn, den Fuchs und die Veganerin berichten; die Presseanfragen wurden zurückgezogen. Aber noch ist diese unglaubliche Geschichte nicht überall erzählt.

Das Medienecho ist nach wie vor gewaltig: In der kommenden Woche werden Kamerateams vom NDR, „stern TV“ und dem ZDF in Limburg erwartet. Der HR, SAT 1 und RTL waren mit ihren Teams schon da.

Und das sind nur die TV-Sender. Die Bild-Zeitung schreibt in ihrer Bundesausgabe auf der dritten Seite über den „Vegansinn“ in Limburg. Die „Bild am Sonntag“ wollte wissen, was da mit dem Hahn und dem Fuchs in Limburg los ist. Spiegel Online führte ein Interview mit dem Bürgermeister, die Frankfurter Allgemeine Zeitung schaute ebenso nach Limburg wie Focus online. Und dpa schien von der Nachricht über das vorerst nicht mehr gespielte Kinderlied so erstaunt zu sein, dass sie in der Pressestelle der Stadt gleich mehrfach anrief.

Zwischen der wohl berühmtesten unbekannten Veganerin Deutschlands und dem Bürgermeister gab es nach Laubachs Angaben nur E-Mail-Verkehr in der, so weit sind wir wohl schon, „Causa Fuchs Hahn“; persönlich habe Hahn die Frau nicht getroffen. Aber ihre Argumente – der arme Fuchs, dem mit dem Tod durch das Schießgewehr des Jägers gedroht wird – überzeugten Hahn.

Das Ausland interessiert sich auch für dieses große Ereignis in einer kleinen Stadt. Die US-Zeitung „The Gazette“ aus Colorado Springs veröffentlichte auf ihrer Homepage eine Meldung mit der Schlagzeile „German town stops playing kids’ song after vegan complains“ („Deutsche Stadt spielt Kinderlied nach Veganer-Beschwerde nicht mehr“).

Es gibt von dem deutschen Kinderlied auch eine englische Fassung, in der der Fuchs nicht nur eine Gans stiehlt, sondern gleich die fetteste Gans. Auch in dieser Text-Fassung wird dem Fuchs mit dem Jäger gedroht, der – typisch England – gleich auf einem Pferd sitzt. Aber der Fuchs darf leben bleiben, wenn er die Gans loslässt und sich mit „field mouse pie-pie-pie“ zufrieden gibt. dick

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