Die Limburger Domsingknaben bei einem Auftritt (Archivbild)

Limburger Domsingknaben

Ältere Sänger helfen Domsingknaben - Ausgetretene enttäuscht vom Domkapitel

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Das Domkapitel hat einen „Supervisor“ beauftragt, das Leitungsteam der Limburger Domsingknaben zu begleiten. Und Chorleiter Andreas Bollendorf will die stimmlichen Schwächen mit Erwachsenen ausgleichen.

Limburg. Ruhe! Das ist in der Krise der Domsingknaben das oberste Ziel des Domkapitels. Nachdem die schwache Besetzung des Chors am Sonntag im Dom augenfällig wurde, als Leiter Andreas Bollendorf die zweite Bassstimme bilden musste, hat es auch in dieser Woche wieder viele Gespräche und Schreiben gegeben. Die Verantwortlichen wollen sich dazu nicht äußern.

Das Domkapitel hat den Interview-Wunsch dieser Zeitung abgelehnt. „Wir stehen in einem permanenten Austausch mit Sängern, Eltern und dem neuen Leitungsteam der Domsingknaben“, teilte Bistumssprecher Stefan Schnelle gestern mit. Ein Interview zum jetzigen Zeitpunkt sei aus Sicht des Domkapitels nicht sinnvoll, weil es keinen neuen Sachstand gebe und die initiierten Veränderungen erprobt werden müssten. „Die jungen Sänger leiden am meisten durch die öffentliche Debatte, ein Anheizen hilft hier nicht“, so Schnelle. Das Leitungsteam mit Chorleiter Andreas Bollendorf, seinem Stellvertreter Wilhelm Gries und dem pädagogischen Leiter Christoph Meurer arbeite konstruktiv zusammen und werde auf seinem Weg von einem Supervisor begleitet. „Dieser Weg wird vom Domkapitel und vom neuen Elternbeirat begleitet.“

Viele Hilfsangebote ehemaliger Domsingknaben

Andreas Bollendorf hat inzwischen berichtet, wie er aus der Krise des Chors herauskommen will: mit Erwachsenen. Es ist kein Geheimnis, dass sein Stellvertreter und Stimmbildner Wilhelm Gries bisher entschieden dagegen war.

Ihn hätten in den vergangenen Wochen viele Angebote ehemaliger Domsingknaben erreicht, „die uns helfen wollen“, schreibt Bollendorf an die Jungen und Eltern. Dabei handele es sich um Männerstimmen, die dem Chor entwachsen seien und die noch heute eine starke Verbindung zu den Domsingknaben haben. Nach Informationen dieser Zeitung sollen 50- und 60-Jährige darunter sein.

Warum er die Angebote annehmen will, erklärt der Domkantor folgendermaßen: „Der Chor muss als gemischtstimmiger Knabenchor mit mindestens vier Stimmen singfähig bleiben. Unsere jungen Bassstimmen brauchen für das Singen Vorbilder. Mit Blick auf die nächsten Auftritte müssen die Domgottesdienste in der gewohnten Form durchführbar sein, und es dürfen keine Konzerte abgesagt werden.“

Die neun Jungen, die seit Mitte Januar aus Protest gegen Bollendorf unter Tränen den Chor verlassen haben, verfolgen die Entwicklung und die öffentliche Diskussion mit Sorge – und inzwischen teilweise auch mit Wut. Alle sind enttäuscht vom Domkapitel, das aus ihrer Sicht nichts unternimmt.

Einer der Jugendlichen hat Bischof Dr. Georg Bätzing in einem persönlichen Brief aufgefordert, sich endlich des Problems anzunehmen und nicht weiter zuzusehen,wie der Chor „in den Abgrund katapultiert“ werde.

Jugendliche wehren sich gegen Vorwürfe

Die Jugendlichen und ihre Eltern wehren sich gegen die Darstellung von verschiedenen Seiten, sie seien schuld an der Misere. „Unsere Jungs tragen keine Verantwortung für das langsame Sterben eines 50-jährigen Vorzeigechors während drei kurzen Jahren“, schreibt Stefan Gehringer. Die Ehemaligen hätten bis zum Schluss mit Herzblut gekämpft für ihre Ideale und gegen eine Institution verloren, die die Lage völlig verkannt habe.

Trauer in vielen Familien - Proben abgesagt

Um ihren Chor zu retten und zu alter Leistung zu bringen, hätten die Jugendlichen geduldig die letzten Jahre ertragen, mit großem Einsatz die Wende schaffen wollen, gehofft und gebetet. „Sie verdienen Lob und Anerkennung und keine Beschimpfungen“, schreibt der Limburger. Andere Eltern schilderten uns die „tiefe Trauer“ in vielen Familien. „Da fließen immer noch Tränen“, sagte eine Mutter, „unser Leben hat sich völlig verändert.“

In dieser Woche herrscht im Musischen Internat auf jeden Fall Ruhe. Bollendorf hat die Proben abgesagt und allen frei gegeben.

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