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Bischof Georg Bätzing in Frankfurt. (Archivbild)

Limburg

"Abscheu und Wut": Bischof Bätzing widmet Hirtenwort dem Missbrauchsskandal

Die Fastenzeit ist für Bischof Dr. Georg Bätzing eine Zeit der Entscheidung. Dies gelte für das persönliche Leben, aber auch besonders für die Kirche. In seinem Hirtenwort "Damit die Welt glaubt" zur Österlichen Bußzeit 2019 äußert der Bischof sich kritisch zur aktuellen Situation in der katholischen Kirche und zum Missbrauchsskandal.

Limburg - Georg Bätzing geht in seinem Hirtenwort ausführlich und mit deutlichen Worten auf die Studie zum sexuellem Missbrauch an Minderjährigen durch Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige ein. Mit Blick auf den Skandal schreibt er: „Es ist richtig, dass uns die Studie die ganze Tragweite und zerstörerische Dynamik dieser abscheulichen Verbrechen schonungslos vor Augen führt. Es ist wichtig, dass hinter den Verbrechen sexualisierter Gewalt der Missbrauch geistlicher Macht als eigentliche Ursache benannt worden ist“.

Es sei wahrhaftig, das beschämende Handeln Kirchenverantwortlicher in früheren Jahren aufzuzeigen. Anstatt den Opfern Gehör zu schenken und ihnen Hilfe anzubieten, seien Täter gedeckt und sei Missbrauch verharmlost und vertuscht worden, um Schaden von der Kirche abzuwenden.

Vom Evangelium entfernt

„Je öfter ich mit Betroffenen spreche oder ihre Zeugnisse lese, umso mehr wachsen meine Abscheu und Wut. Und ich frage mich: Wie konnte es geschehen, dass in der Kirche, die den Auftrag hat, Jesus Christus als den Gekreuzigten zu bezeugen, nicht die Opfer mit ihrem Leid gesehen wurden, sondern vor allem versucht wurde, die Institution zu schützen? Wie weit ist das vom Anspruch des Evangeliums entfernt“, so der Bischof.

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Die Ergebnisse und Empfehlungen der Studie führten zu einer größeren Offenheit und Ehrlichkeit und dazu, dass bisherige Tabus in den Beratungen der Bischöfe aufgebrochen würden. Die Studie helfe jetzt und künftig solche Verbrechen schonungslos aufzuarbeiten und dabei zuerst die Betroffenen in den Blick zu nehmen. Sie bestärke darin, dem Schutz von Kindern und Jugendlichen im Raum der Kirche durch verstärkte Präventionsmaßnahmen höchste Priorität einzuräumen.

Viele Menschen hätten den Glauben in die Kirche verloren und deshalb die Kirche verlassen. „Nicht der persönliche Glaube an den barmherzigen Gott Jesu Christi ist in die Kirche gekommen. Nein: Diese Menschen glauben uns nicht mehr! Und das führt dazu, dass die Mehrheit glaubwürdiger und verantwortungsvoller Priester, Seelsorger und die vielen ehrenamtlich Engagierten mit ihrem Bemühen um die Verkündigung und das gelebte Zeugnis christlicher Nächstenliebe massiv beeinträchtigt sind“, schreibt Bätzing.

Er nehme den Ruf nach grundlegenden Veränderungen und einer lange erwarteten Erneuerung der Kirche ernst und wisse sich dem verpflichtet.

Der Bischof kündigt an, dass es im Bistum Limburg ein umfassendes Maßnahmenpaket geben wird, um sexuellem Missbrauch in der Diözese entschieden entgegenzutreten und die Aufarbeitung des Themas voranzutreiben. Wichtig sei dabei, die Perspektive der Betroffenen von Beginn an einzubeziehen. Mit der Umsetzung soll Ende März begonnen werden. Auch die sogenannten systemischen Faktorensollen in einem transparenten Gesprächsprozess unter Beteiligung von Fachleuten bearbeitet werden.

Zölibat und Frauen

Dazu gehörten Anfragen an die katholische Sexualmoral einschließlich der Bewertung der Homosexualität, mögliche Risikofaktoren, die sich aus der Verpflichtung der Priester zur zölibatären Lebensform ergeben, Perspektiven auf Macht und Machtmissbrauch innerhalb klerikaler Strukturen und deren notwendige Kontrolle und nicht zuletzt die Frage nach der Rolle der Frauen in der Kirche.

„Das bedarf gründlicher Diskussionen und einer respektvollen Auseinandersetzung, denn die Einstellungen zu diesen Themen sind unter den Gläubigen in der Kirche ja durchaus kontrovers und emotional verankert. Aber es braucht Entwicklung in diesen Fragen, damit wir anderen den Glauben in durchaus kritischer Zeitgenossenschaft überhaupt als Lebensmodell vorschlagen können“, so Bätzing. Die Kirche sei nicht für sich selbst da. Aber sie beschäftige sich oft mit sich selbst. Daran könne zu Recht Anstoß genommen werden. Die Selbstbeschäftigung hindere sogar daran, den Glauben anzunehmen.

Das vollständige Hirtenwort

Im Internet als Download unter www.bistumlimburg.de. Dort gibt es auch eine Fassung als Audio.

(pm)

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