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Die Dachdecker am Mittelturm des Doms dürfen keine Höhenangst haben. Für die schöne Aussicht werden sie sich wohl nicht interessieren. .

Limburger Dom

Wie Spezialisten auf dem Limburger Domturm faustgroße Löcher reparieren damit es nicht mehr auf den Altar regnet

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Der Limburger Dom soll im nächsten Jahr einen neuen Dachstuhl und einen neuen Anstrich erhalten. Doch der Mittelturm muss schon jetzt wasserdicht gemacht werden. Spezialisten reparieren faustgroße Löcher in 60 Meter Höhe.

Limburg - Wegen der sibirischen Kälte ruhen im Landkreis fast alle Bauarbeiten. Eine Ausnahme gibt es wohl nur mit Gottes Segen. Am Mittelturm des Limburger Doms schuften ganz besondere Dachdecker – in 60 Meter Höhe! Zu den aufmerksamen Beobachtern zählt auch Bischof Dr. Georg Bätzing, der von seinem gegenüberliegenden Amtssitz aus die tollkühnen Kletterer im Blick hat. Er erläuterte uns, warum die Maßnahme auch bei diesem Wetter notwendig ist: „Das Dach ist undicht. Es regnet sogar auf den Altar.“

Der steht genau unter dem Vierungsturm, der besonders sanierungsbedürftig ist. Das Land Hessen, Eigentümer des Doms, hat deshalb die schnelle „Notreparatur“ bewilligt, obwohl im nächsten Jahr der Dachstuhl komplett erneuert werden soll.

Größeren Schaden am Limburger Dom vermeiden 

Die Dachdecker am Mittelturm des Doms dürfen keine Höhenangst haben. Für die schöne Aussicht werden sie sich wohl nicht interessieren. .

„Wir müssen noch größeren Schaden am Bauwerk vermeiden“, sagte gestern Karl Heinz Waschkowitz auf Anfrage dieser Zeitung. Er ist als Niederlassungsleiter des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen (LBIH) der zuständige Mann für dieses Projekt. „Wenn wir jetzt nichts tun, dringt zu viel Wasser ins Gebälk.“

Spezialisten sind seit Montag dabei, faustgroße Löcher zu reparieren. Für die drei von unten viel bestaunten Männer der Kasseler Firma „Seilkonzept“ nichts Außergewöhnliches: „Das ist unsere tägliche Arbeit“, sagte uns Inhaber Gernot De Bruyn.

„Nicht so gefährlich“ kommentieren Fachleute die Reperatur durch Kletterer

„Und nicht so gefährlich, wie es aussieht. Autofahren ist gefährlicher.“ Die immer mit zwei Seilen (einem Arbeits- und einem Sicherungsseil) gesicherten Fachleute dürften freilich keine Höhenangst haben und müssten teamfähig sein.

De Bruyn ist seit 25 Jahren als Fassadenkletterer im Arbeitseinsatz; 1995 hat er Christo beim Verhüllen des Berliner Reichstags geholfen. Seit ein paar Jahren konzentriert er sich auf historische Gebäude. „Das ist interessanter“, so De Bruyn. „Da muss man mit viel mehr Fingerspitzengefühl ran als bei Industriebauten.“ Sein Unternehmen sei das einzige in Deutschland, das solche „seilbasierte Arbeiten“ in diesem Umfang ausführen könne. Zum Team gehörten Dachdecker, Steinmetze, Spengler, Restauratoren, Diplom-Ingenieure und Architekten.

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Die Dachdecker am Mittelturm des Doms dürfen keine Höhenangst haben. Für die schöne Aussicht werden sie sich wohl nicht interessieren. .

Das liege an der sogenannten Seilzugangstechnik. Sie verzichte auf klassische sperrige technische Hilfsmittel wie Gerüste, Krane oder Hubsteiger und führe dadurch zu einer beträchtlichen Zeit- und Kostenersparnis. „Außerdem wird so gut wie kein Platz am Boden dauerhaft in Beschlag genommen. Produktionsarbeiten oder Passanten werden fast nicht behindert“, erklärt der Chef.

Bei schwer zugänglichen Objekten gehe stets eine gründliche Fassaden- und Dachinspektion mittels einer Videodrohne voraus. „So findet man gezielt die Stellen, an denen dringlicher Handlungsbedarf herrscht und die sonst möglicherweise übersehen worden wären.“

Domturm wird durch Kletterer repariert

Aus diesem Grund bekam „Seilkonzept“ jetzt auch den Zuschlag für Limburg. „Das ist die wirtschaftlichste Lösung“, sagt Karl Heinz Waschkowitz. Für die Notreparatur hätte sich das aufwendige Einrüsten des Turms nicht gelohnt.

Die Dachdecker am Mittelturm des Doms dürfen keine Höhenangst haben. Für die schöne Aussicht werden sie sich wohl nicht interessieren. .

Nach seinen Angaben ist die schlechte Zugänglichkeit ein großes Problem bei Maßnahmen an der Kathedrale. Die teilweise notwendigen schweren Autokräne könnten entweder gar nicht bis zum Domberg fahren („nur bis 100 Tonnen“) oder hätten dort nicht ausreichend Platz zum Schwenken. Die beiden vorderen Westtürme seien gut zu erreichen, die beiden Flankentürme schon etwas schwieriger, doch der Mittelturm überhaupt nicht.

Farbton des Limburger Doms bleibt gleich

Die umfangreiche Sanierung des Dachs und der Fassade des Doms soll nach Angaben von Waschkowitz möglichst im nächsten Jahr vorgenommen werden. „Wir sind gerade dabei, die Entscheidungsunterlagen für das Ministerium zusammenzustellen.“ Mit der Genehmigung rechne er in den nächsten Wochen. Bei einem Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung wie dem Dom müssten viele Fachbehörden beteiligt werden; das dauere seine Zeit.

Weil die Einrüstung so aufwendig ist, soll neben dem Dachstuhl auch die Fassade saniert werden. Der Naturschiefer soll vollständig erneuert, an der Fassade an verschiedenen Stellen der Putz ausgebessert werden. In diesem Zusammenhang soll der Dom neu gestrichen werden. Vor allem auf der Westseite sind die Farben aufgrund der Witterungseinflüsse stark verblasst. „Der in den 1970er Jahren festgelegte Farbton bleibt aber gleich“, sagt der Projektleiter. „Seilkonzept“ macht heute Pause; am Montag sind die tollkühnen Kletterer wieder am Dom zu sehen.

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