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Ein Dackel zur Behandlung in einer Tierarztpraxis: Immer wieder kommt es vor, dass sich Halter die Behandlung nicht leisten können. Trotzdem können sie auf Hilfe hoffen.

Tierarztkosten

Was tun, wenn das Tier zum Notfall wird?

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Was tun, wenn der Hund zum Tierarzt muss und Frauchen oder Herrchen kein Geld dafür haben? Oder: Das Geld nicht ausreicht, um dem treuen Vierbeiner die dringend nötige OP oder sogar das tägliche Futter zu zahlen? Auf staatliche Hilfe darf man nicht setzen, die von Tierheimen und Tierärzten aber schon. Besser ist aber, bereits vor der Anschaffung richtig zu kalkulieren.

In eine finanzielle Schieflage zu geraten, sei es durch Krankheit oder Jobverlust, kann jeden treffen. Während Menschen trotz leerem Portemonnaie den Arzt dank Krankenversicherung aufsuchen können, sieht das bei Tieren anders aus. Zwar gibt es auch für Hunde eine Krankenversicherung, doch wer diese nicht abgeschlossen hat, muss die Tierarztkosten komplett selbst tragen.

Was also, wenn das Geld dafür plötzlich nicht reicht oder die Rechnung das Budget sprengt? Sich Geld von Freunden und Bekannten leihen? Einen Kredit aufnehmen? Oder, wenn absehbar ist, dass viele weitere Kosten für Anschlussbehandlungen einer schwerwiegenden Krankheit hinzukommen, das Tier abgeben und ihm so das Zuhause nehmen? „Wir versuchen in schwierigen Situationen zu helfen“, sagt Adelheid Noble vom Tierschutzverein Limburg-Weilburg. Das betreffe nicht nur die Tierheim-Bewohner, sondern auch Tiere in privater Haltung.

Situation wird von Tierschutzverein geprüft und Tierarztkosten in dringeden Fällen übernommen

Gerät ein Hundehalter in Not, prüft die Tierschützerin wie und ob er helfen kann. „Geld geben wir keins“, sagt Adelheid Noble. Tierarztkosten könnten in wirklich dringenden Fällen aber übernommen werden. Das setze vor dem Tierarztbesuch ein Gespräch mit dem Besitzer voraus, sagt sie. Und eine wirkliche finanzielle Notsituation die nachgewiesen werden müsse. Unterstützt werde mit finanziellen Mitteln aus der Kasse des Tierschutzvereins. Auch eine Unterstützung in Form von Futter sei in Ausnahmefällen über den Verein möglich.

Im Lädchen, einer Einrichtung, die Lebensmittel in Form einer Tafel in Limburg an Menschen in schwierigen Situationen ausgibt, gibt es kein Hundefutter. Das läge vor allem daran, dass dis lange haltbar ist und so nicht von den Supermärkten abgegeben werden, erklärt Georg Fritz, Vorsitzender des Förderkreises Obdachlosenhilfe Limburg.

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Wenn sich ein Tierhalter in einer schwierigen Situation befinde, sei das tragisch und passiere oft unverschuldet, sagt Adelheid Noble. Aber auch Aufklärung im Vorfeld sei wichtig. Ein Halter müsse wissen, was kostenmäßig auf ihn zukommt. Daher leistet sie Aufklärungsarbeit und informiert diejenigen, die ein Tier aus dem Tierheim holen. Neben den regulären Ausgaben für Hundesteuer, Entwurmung, das tägliche Futter, Impfungen müsse man auch mit Tierarztkosten außer der Reihe rechnen. Für einen kleinen Hund sei es sinnvoll, mit 120 Euro im Monat zu kalkulieren, für große Hunde sogar noch mehr.

120 Euro seien es auch, mit denen ein Katzenhalter monatlich rechnen müsse. Sie wisse, dass ein Tier eine wichtige Stütze im Leben von Menschen sein kann, allerdings vertritt sie die Meinung, dass sich niemand ein Tier anschaffen solle, der sein eigenes Leben noch nicht vollständig finanziell im Griff habe.

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Die Limburger Tierärztin Dr. Ulrike Amsel betont ebenfalls, sich bereits vor der Anschaffung Gedanken um die finanzielle Mehrbelastung mit einem Tier zu machen und sich zu fragen, ob man das stemmen kann. Manch einer sei überrascht, dass beispielsweise Kastrationskosten auf sie zukämen. Ist es dann aber doch passiert und der Tierhalter in finanzieller Not und das Tier krank, räume sie je nach Situation den Patienten eine Ratenzahlung ein. Dies jedoch sei eine individuelle Entscheidung und setze ein Gespräch mit dem Tierhalter voraus.

Tierärzte laut Ehrenkodex zur Nothilfe verpflichtet

Auch in der Tierarztpraxis Elz kennt man solche Fälle. In besonderen Fällen könnten Medikamente für die Tiere auch mal aus der „Kaffeekasse“ der Praxis finanziert werden. Bei planbaren Operationen und leerem Tierhalterportemonnaie seien nach Absprache ebenfalls eine Ratenzahlung möglich, sagt Tierärztin Nannette Welk. Wenn es sich um einen lebensbedrohliche Notfall handle, müsse sich aber niemand Sorge um Hilfe machen, egal wie die finanzielle Situation aussieht. „Wir sind verpflichtet, Nothilfe zu leisten“, sagt sie. So schreibe es das Tierschutzgesetz vor und auch der „Ehrenkodex“ der Tierärzte vor.

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Auf staatliche Sozialleistungen kann ein Tierhalter in Not hingegen nicht zählen: „Kosten für die ärztliche Behandlung von Haustieren werden vom Jobcenter nicht getragen“, erklärt Ralf Fischer, Sprecher Agentur für Arbeit Limburg-Wetzlar. Der Gesetzgeber habe bei Einführung des Regelwerks SGB II entschieden, dass es sich bei allen Kosten rund um Haustiere nicht um „regelbedarfsrelevante Verbrauchsausgaben“ handelt, erklärt er diese Entscheidung. Heißt: Kosten für Haustiere können weder bei der Höhe des Regelbedarfs berücksichtigt werden, noch können sie „on Top“ durch Darlehen des Jobcenters finanziert werden.

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