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So möchte man nicht, dass es in der eigenen Wohnung aussieht, doch genau das kann bei einem Wasserschaden passieren: Aufstemmarbeiten zur Schadenssuche und Leckageortung.

Erfahrungsbericht

Wasserschaden: So ist es, wenn die eigene Wohnung zur Großbaustelle wird

Was zunächst wie ein relativ harmloser Wasserschaden im Wohnhaus aussieht, entwickelt sich zu einer Großbaustelle, die einem Rohbau gleich kommt. Mittendrin unser Mitarbeiter Bernd Lormann und dessen Gattin, die ehemalige Redaktionssekretärin Conny Sterna. Bernd Lormann hat seine Erlebnisse aufgeschrieben – Erlebnisse, die andere so oder so ähnlich auch schon mitmachen mussten.

Limburg - Das Unheil in dem Zwei-Familienhaus im Limburger Stadtteil Blumenrod beginnt im November, als nach ersten Schimmelsporen und dunklen Flecken an Wänden und Decken auch Wasser in winzig kleinen Rinnsalen vom ersten Stock die Treppe herunter ins Erdgeschoss tropft. Die ersten Fachleute kommen zum Hausbesuch, sie werden sich Wochen später noch die Klinke in die Hand geben.

Die Gebäudeversicherung, ein Glück, wer eine solche hat, wird informiert, der Schaden schon mal mit einer Nummer festgehalten. Die Ursachensuche kann beginnen. Die Versicherung beordert ein Fachunternehmen für Sanierungen nach Blumenrod. Mit verschiedenen technischen Geräten geht es auf die Suche nach der Ursache. Leck- oder Leckageortung nennen das die Sanierer.

Allein schon dieser Arbeitsvorgang erweist sich als problematisch. Denn die Nässe in Wänden und in den Böden ist doch massiver als vermutet. Die ersten Leitungswasserrohre aus Kupfer werden freigelegt. Weil sie mit Kunststoff ummantelt sind, erweist sich die Suche trotz Infrarotgerät als schwierig. Punktgenau ist keine Leckage zu finden, die Nässe setzt sich an einem Rohr über mehrere Meter fort. Weitere Aufstemmarbeiten im Boden sind erforderlich.

Kopfschütteln sagt alles

In den 80er Jahren seien in Neubauten oft Kupferrohre geringerer Qualität aus Osteuropa oder Belgien verlegt worden, weiß ein Fachmann aus der Nachbarschaft. Er hat nach umfangreichen Reinigungsarbeiten am löchrigen Rohr sogar noch Buchstaben entdeckt, die Aufschluss über den Lieferanten geben könnten. Doch das ist 36 Jahre her. Und ein Trost ist es auch nicht.

Mittlerweile trifft der erste Sachverständige der Versicherung ein. Er verschafft sich als Schadensregulierer einen Überblick über den Umfang des möglichen Schadens und den weiteren Auswirkungen. Sein Kopfschütteln sagt schon alles. Das alles ist kein Kindergeburtstag. Vom Auslagern des Mobiliars bis zur Grundsanierung der Wohnräume gehen die Gedanken.

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Jetzt kann nur noch ein Gebäude-Sachverständiger helfen. Terminliche Schwierigkeiten müssen jetzt von heute auf morgen gelöst werden. Der Aufwand zur Sanierung ist gewaltig. Das erkennt nicht nur der Sachverständige, die Arbeiter an Ort und Stelle bereiten Hausherr und Mieter schon mal auf die Unbewohnbarkeit der Wohnung sowie eine Bau- oder Sanierungszeit von bis zu drei Monaten oder auch länger vor. Die in allen Räumen vorhandene Glasfasertapete hat dazu beigetragen, dass Feuchtigkeit überhaupt oder erst sehr spät erkennbar wurde.

Eine Spedition rückt an. Der Umfang für das auszulagernde Mobiliar wird erfasst. Alles wird fotografisch dokumentiert, um später die Einrichtungsgegenstände wieder an ihren vertrauten Ort zu stellen. Das moderne Smartphone mit Super-Fotolinse ist heute für jeden Handwerker und Sachverständigen unentbehrlich. Dann der Auszug. Der Hinweis, das Notwendigste mitzunehmen, denn an die anderen Sachen, persönlichen Gegenstände oder Dokumente, kommen die Eigentümer für die Dauer der Auslagerung so gut wie nicht heran.

In eine Ferienwohnung

Die beiden betroffenen Familien kommen in möblierten Limburger Ferienwohnungen unter. Die Kosten für die Auslagerung der Möbel und die Unterbringung übernimmt die Hausratversicherung. Doch aufgepasst. Nicht alle Verträge sind optimal. Die eine Partei erhält die Erlaubnis für eine Ersatzwohnung für die Dauer von 365 Tagen und einem Höchstsatz von rund 200 Euro am Tag. Die andere hat einen älteren Vertrag. Hier endet nach 100 Tagen das Wohlwollen der Versicherung und der Höchstbetrag täglich ist auf 7 Euro begrenzt.

Also beginnt das Zittern, ob die Sanierungsreise in 100 Tagen beendet ist. Ansonsten stehen zusätzliche Kosten an, die ohnehin im Laufe der Sanierungsarbeiten anfallen. Die monatelange Trocknungszeit ist auch noch nicht eingerechnet. Die Hauseigentümer sind sich nicht sicher, ob der Versicherungsschutz hundertprozentig ausreicht. Der Schadenssumme könnten auch Grenzen gesetzt sein.

Inzwischen wächst die Baustelle. Ein halbes Dutzend Helfer mit Schutzkleidung und Mundschutz bringt zwei Wohnungen in den Urzustand eines Rohbaues zurück. Zwar nicht an einem Tag, aber es dauert auch nicht viel länger. Holzfußböden, Holzdecken, Fliesen, Estrich, Tapeten und Verputz landen im Container. Nach zwei Tagen muss dieser bereits wegen Überfüllung ausgetauscht werden.

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Wieder Fachgespräche an der Baustelle. Bei den Bodenarbeiten ist auch noch eine Kunststoffleitung der Fußbodenheizung in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Heizung muss für einen Tag abgestellt werden. Eine zusätzliche Reparatur wird erforderlich, die auch prompt erledigt wird. Ein weiterer Sachverständiger wird zu Rate gezogen. Denn mittlerweile wächst die Auftragssumme offenbar stündlich im vierstelligen Bereich.

Erneut vermuten die Techniker eine weitere undichte Stelle. Die Suche geht weiter. Im Bad wird schließlich nach weiteren Aufstemmarbeiten eine zweite undichte Rohrleitung im Boden entdeckt. Der Installateur kann die frischen Wassertropfen lokalisieren. Sie sind wohl kontinuierlich über lange Zeit ins Mauerwerk und in den Boden eingedrungen.

Die Stimmung hat in den betroffenen Familien längst die Farben gewechselt. Von gelassener Heiterkeit über Schadenfreude bis hin zu gesundheitlicher Eintrübung ist alles messbar. Nur der Tag, wann das abenteuerliche Wohndrama zu Ende geht, nicht. Das hätte auch gerne die Katze des Hauses gewusst, die nun im gestörten Umfeld leben muss. Täglich von früh bis spät sehen die Hausbewohner nicht nur nach dem Fortgang der Arbeiten, sondern sorgen sich auch um das Wohlbefinden des Vierbeiners, der seinen Auslauf in der Natur von Blumenrod so liebt. Überaus positiv erweist sich die Hilfsbereitschaft von Nachbarn und Freunden. Zumindest das lässt auf ein gutes Ende hoffen.

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