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Lindenholzhausen: Schöne Aussichten

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Von: Stefan Dickmann

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Stimmungsvoller Blick auf Lindenholzhausen bei Sonnenuntergang.
Stimmungsvoller Blick auf Lindenholzhausen bei Sonnenuntergang. © Kurt Weyrauch

Die Fotografen Kurt Weyrauch und Manuel Breser sind beim Festwochenende dabei

Lindenholzhausen -Das Fotografieren ist sehr viel mehr als nur ein Hobby, das Kurt Weyrauch (68) und Manuel Breser (34) miteinander verbindet. Denn die beiden Männer aus Lindenholzhausen verbringen sehr viel Zeit damit, ihre Heimat in Bildern festzuhalten - mitten im Ort, als Ansicht, aber auch die Natur direkt vor der Haustür.

Vor allem die Wochenenden sind dafür reserviert, wobei Breser dann mittlerweile Hochzeiten fotografiert als Nebenerwerb zu seinem Beruf als Reiseverkehrskaufmann in Bad Camberg. Am Wochenende ist er dafür extra nach Berchtesgaden gefahren, wo ein frisch vermähltes Paar aus Selters kirchlich geheiratet hat.

Auch Weyrauch ging seinem Hobby vor allem am Wochenende nach, solange er noch als Finanzbeamter in Diez tätig war, nachdem der gelernte Schriftsetzer zuvor zwölf Jahre als Fernmeldetechniker Soldat bei der Bundeswehr war. Aber seit drei Jahren ist er im Ruhestand, und da kann er auch wochentags fotografieren. Dafür steht er extra um 4 Uhr auf und zieht mit zwei Kameras los.

"Jeder Morgen ist anders", sagt er. "Es gibt andere Lichtverhältnisse und jedes Mal eine andere Stimmung. Es heißt ja nicht umsonst, ,mit Licht malen', das versuche ich umzusetzen." Wenn ihm das Licht zusagt, zieht es ihn an die Lahn. Vor wenigen Tagen war er an der Westerwälder Seenplatte, um Haubentaucher zu fotografieren. "Ich genieße das, wenn ich bei Sonnenaufgang am See bin. Das sind meine Stunden morgens. Das gibt mir Ruhe und Entspannung."

Am liebsten fotografiert Weyrauch, der auch im Vorstand der "Harmonie" als Erster Kassierer aktiv ist und im Männergesangverein als Tenor singt, Wildtiere, davon oft auf Lindenholzhäuser Gemarkung: Rehe, Uhus, Bussarde, Turmfalken, Füchse und Fischreiher. "Ich fotografiere auch Libellen oder Schmetterlinge", sagt er. Er habe mal kurz darüber nachgedacht, Jäger zu werden, "aber als Fotograf erbeute ich auch". Schon als Kind sei er sehr viel im Wald gewesen und habe Bücher mit Tierbildern geliebt.

Am späten Vormittag ist er dann wieder zu Hause, seine zehn Jahre jüngere Frau ist dann noch bei der Arbeit, während Weyrauch sich um das Haus kümmert oder um die Vereinsarbeit bei der "Harmonie", schließlich findet im nächsten Jahr das nächste große "Harmonie"-Festival statt.

Am Donnerstag wird neue Hymne gesungen

Manuel Breser beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Fotografie. "Ich habe mich schon damals für alte Fotos interessiert und immer gefragt, was und wo das ist", sagt er. Und wenn er im Ort fotografiere, ob nun den Sauerborn, die alte und die neue Kirche oder die Dorfansicht, mache er das auch für spätere Generationen. Wer wissen möchte, wie es früher in Lindenholzhausen aussah, ist nun mal auf Fotos angewiesen. Viele dieser alten Fotos stammen von Lothar Stein, der als Lehrer ebenfalls mit großer Leidenschaft in seiner Freizeit in Lindenholzhausen fotografierte und der Schwiegervater von Weyrauch ist.

Breser ist im Marketing-Ausschuss für das Dorfjubiläum aktiv und hat viele seiner Ansichten von Lindenholzhausen unter https://lindenholzhausen1250.de/ zur Verfügung gestellt. Die Wochenenden sind allerdings den Hochzeiten vorbehalten. Bis Oktober sei er bereits ausgebucht. "Sehr zum Leidwesen meiner Frau", räumt er ein, die gleichwohl für seine Leidenschaft Verständnis aufbringe. "Manchmal kommt sie mit." Weil sie derzeit schwanger ist, hat er ihr versprochen, nach der Geburt seinen Nebenerwerb zu reduzieren.

Dauerhaft umsatteln möchte er nicht. "Ich bin ein sicherer Typ", sagt er - und die Arbeit in einem Reisebüro in Bad Camberg macht ihm zudem Spaß. Im Augenblick hat er viel zu tun: Die Reiselust nach der Pandemie ist groß. Am Tag des Gesprächs mit dieser Zeitung hat er viele Kunden beraten für mögliche Reisen in die Dominikanische Republik oder nach Ibiza. Aber auch die Nachfrage nach Kreuzfahrten sei sehr groß, und das potenzielle Alter der Interessenten mit Mitte 30 deutlich jünger als man erwarten würde. Besonders beliebt seien derzeit Reisen nach Griechenland und auf die Kanarischen Inseln.

Breser ist in Hollesse aufgewachsen und hat dort gebaut, geboren ist er in Brasilien. Schon im Alter von vier Wochen wurden er und seine Zwillingsschwester adoptiert und kamen nach Lindenholzhausen. "Ich finde das Dorfleben schön", sagt er "und ich will hier nicht mehr weg." Er ist im Schützenverein aktiv und wird am Festwochenende fotografieren und filmen.

Kurt Weyrauch freut sich besonders auf den kommenden Donnerstag, wenn zum Auftakt alle Chöre am Nachmittag zusammen kommen und nach der Verleihung des Preises als "Landesmusikort" die neue Hollesser Hymne gemeinsam anstimmen, die Rita Rompel gedichtet und Georg Hilfrich komponiert hat. "Es spiegelt die Lebensart von Hollesse sehr gut wider", sagt Weyrauch. Der Zusammenhalt im Dorf sei sehr gut. "Mich beeindruckt, was die Organisatoren auf den Weg gebracht haben", sagt er. Wie viel Arbeit das im Vorfeld ist, weiß er aus eigener Erfahrung durch das "Harmonie"-Festival.

Und wenn im Winter die Nächte wieder lang und die Tage dunkel sind, holt der dreifache Familienvater seine Fotos heraus, die er im Frühling und Sommer gemacht hat. "Ich kann mich an jedes Bild genau erinnern", sagt er. "Und es ist schön, das an solchen grauen Tagen wieder zu erleben."

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