luftbildaufnahmeFlugplatzLI
+
Eine Luftaufnahme der Alliierten aus dem Jahre 1945 zeigt einen Teil des Flugplatzes (unten rechts) - gut zu erkennen an der Häufigkeit der Bombenkrater, von denen heute noch einer zu sehen ist. Ebenfalls gibt es in dem Bereich paarweise schwarze Striche, bei denen es sich um Gebäude oder Zelte handeln könnte.

Fliegerhorst bei Limburg

„Lost Place“ bei Limburg: Der Linterer Feldflugplatz im Zweiten Weltkrieg

  • vonRolf-Peter Kahl
    schließen

„Lost Places“ sind nicht wie die wörtliche Übersetzung vermuten ließe, „verlorene“ Orte, sondern eher „vergessene“ Objekte. Auch zwischen Blumenrod und Linter lohnt ein Blick in die Geschichte.

Limburg – Nur noch sehr wenigen Menschen dürfte bekannt sein, dass es in unserer Region einen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges aktiven Feldflugplatz der Luftwaffe gab. Er befand sich zwischen dem Limburger Ortsteil Blumenrod und der Ortschaft Linter. Informationen zu dieser militärischen Einrichtung gibt es nur sehr spärlich - Fotos und Bilder so gut wie keine, zumindest bisher nicht bekannt.

Flugplatz bei Limburg-Linter entstand Ende der 30er-Jahre

Der Flugplatz wurde 1936 und 1937 gebaut. Seine Größe betrug 157 Hektar. Dafür wurden Landwirte, die dort Land besaßen, enteignet und nur zum Teil entschädigt. Die Fläche setzte sich zusammen aus dem "Hof Blumenrod" mit einer Größe von 60 Hektar, seinerzeit Eigentum des Freiherrn von Schütz, sowie aus den Gemarkungen Holzheim, Linter und Limburg. Nach der Beschlagnahme fiel das Gelände an den Reichfiskus Luftwaffe. Eine Skizze aus den Unterlagen des Holzheimer Bürgermeisters des Jahres 1948 (er wollte das beschlagnahmte Gelände wieder seinen ursprünglichen Besitzern zuführen) zeigt die Ausrichtung des Platzes und gibt eine ungefähre Vorstellung der Lage.

Die Fläche wurde leicht begradigt und mit einer Oberflächendrainage versehen. Zudem wurde das Gelände mit an Holzpfählen befestigtem Stacheldraht unzugänglich gemacht. Da der Flugplatz direkt an die Straße nach Holzheim (L 319) angrenzte, wurden die dort am Rand stehenden Apfel- und Birnenbäume gefällt, um die Einflugschneise zu bereinigen. Der Platz verfügte über ein Tanklager, sowie mehrere feste Bauten (Hangar, Unterkünfte). Zudem existierte ein Baumateriallager direkt an der L 319. Ab 1940 wurden erste Einheiten stationiert. Im September 1944 waren dies die III. Gruppe des Jagdgeschwaders 76 und die III. /JG 3. Aus diesem Geschwader stammte auch die Maschine, die am 5. September 1944 mitten über Diez nach einem Abschuss abstürzte.

Ein Flugplatz für die Düsenjäger der Wehrmacht in Limburg

Lange Zeit war es nur eine Vermutung. Aufgrund von mehreren ULTRA's (mitgeschnittene, von den Amerikanern aufgefangene Funksprüche der deutschen Wehrmacht) vermuteten Luftkriegsforscher, dass der Feldflugplatz Linter der Deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg für düsengetriebene Flugzeuge vorgesehen war beziehungsweise dass schon solches Fluggerät dort vorhanden war. Major Dr. Kurt Liegler war zum Kriegsende hin Kommandoführer des Fliegerhorstes Limburg. Er wurde am 27. März 1945 bei der Eroberung des Flugplatzes durch die US-Armee in Gefangenschaft genommen.

Dem Vernehmungsprotokoll vom 29./30 März 1945 ist zu entnehmen, dass der Fliegerhorst Linter zum Luftgau XIV Wiesbaden gehörte. Liegler war Kommandant aller Flugabwehreinheiten in der Region und Chef des Bodenpersonals des Flugplatzes (Nachschub, Munition, Treibstoff, Unterkünfte und Flugfeld-Infrastruktur). Er gab zu Protokoll, dass Linter für den neuen „Strahlenjäger“ vorbereitet war. Der Begriff Strahlenjäger stand laut Liegler‘s für die ME 262. Der Codename für die Umgestaltung einiger Flugplätze lautete „Silber-Programm“.

Spregung der Einrichtungen kurz vor Kriegsende

Liegler berichtete auch von Code-Namen wie „Gold-“ oder „Kupfer-Programm“, deren Bedeutung er jedoch nicht kannte. Flugplätze für das „Silber-Programm“ hatten folgende Eigenschaften: Die Start-/Landebahn musste etwa 2000 Yards (circa 1830 Meter) lang sein. Sie und auch die Startvorbereitungsfläche bestanden aus Metall und Beton, um der Hitze der Strahltriebwerke widerstehen zu können. Die Hangars mussten beheizt sein, da die „Strahlenjäger“ sehr empfindlich gegen kalte Temperaturen und anderen Umwelteinflüsse waren.

Liegler sollte das Flugfeld bis zum 1. Juni 1945 vorbereitet haben. Zu diesem Zeitpunkt sollte ihm eine große Menge an „Strahlenjägern“ zugeteilt werden. Seit dem Winter war man mit dem Umbau des Flugfeldes beschäftigt. Allerdings war das zur Verfügung stehende Material unzureichend. Mitte Februar wurde dem Flughafen Sprengstoff zugeteilt, um die Einrichtung notfalls zu zerstören, sollte der Feind im Begriff sein, den Flugplatz zu erobern. Am 25. März wurde das Flugfeld evakuiert, am 26. März 1945 wurden alle Einrichtungen zerstört.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare