CO2-Ampel statt Lüftungsanlage: Der Kreis hat in den vergangenen Monaten 1400 Kohlendioxid-Messgeräte angeschafft, zum Beispiel für die Limburger Goetheschule. Lehrerin Charlotte Weber hatte im November nur die Hälfte ihrer Schülerinnen und Schüler der 7 b des Realschulzweigs im Klassenraum.
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CO2-Ampel statt Lüftungsanlage: Der Kreis hat in den vergangenen Monaten 1400 Kohlendioxid-Messgeräte angeschafft, zum Beispiel für die Limburger Goetheschule. Lehrerin Charlotte Weber hatte im November nur die Hälfte ihrer Schülerinnen und Schüler der 7 b des Realschulzweigs im Klassenraum.

Pandemie

Corona-Maßnahmen in Schulen: Lüften bleibt das Gebot der Stunde

  • Sabine Rauch
    VonSabine Rauch
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Jede Menge CO2-Ampeln, aber kaum Lüftungsanlagen in den Schulen des Landkreises Limburg-Weilburg - so sehen die Corona-Maßnahmen aus.

Limburg -Derzeit wird nach der Uhr gelüftet oder dann, wenn die CO2-Ampel sagt, dass es nötig wäre. Und das wird in den Schulen im Landkreis Limburg-Weilburg auch erst einmal so bleiben - auch in der nächsten Corona-Welle, auch im Winter. Zumindest in den Klassenräumen, die ordentlich gelüftet werden können. Wie das geht, ist auf der Homepage des Umweltbundesamtes zu lesen: „Zum Lüften sollten alle Fenster weit geöffnet werden (Stoßlüften). Nur ein Fenster teilweise zu öffnen oder die Fenster zu kippen reicht nicht aus“, heißt es da.

Offenbar sind die Schulen im Kreis mit großer Weitsicht gebaut worden. Denn der Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft hat unter den 2000 Klassenzimmern gerade mal 46 gefunden, die „durch Fensteröffnungen nur eingeschränkt zu lüften sind“. Und nur diese Räume sollen in den kommenden Wochen lüftungstechnisch aufgerüstet werden. Die 46 Klassenzimmer sollen „voraussichtlich zum kommenden Schuljahr“ mit mechanischen Lüftungs-Vorrichtungen oder Luftreinigungsgeräten, „beispielsweise UVC-Geräte, die vom Bundesumweltamt entsprechend empfohlen werden“, ausgestattet sein, teilt Jan Kieserg, der Sprecher des Kreises, mit.

Wann die Bauarbeiten losgehen, steht noch längst nicht fest. „Aktuell läuft hier das entsprechende Ausschreibungsverfahren.“ Fest steht aber, wer sie bezahlen soll: das Land Hessen. Seit Anfang November 2020 steht Geld aus dem Sofortprogramm zur Verfügung, am 31. August ist Schluss damit. Und die Baubranche berichtet von Lieferengpässen und Personalmangel.

Corona-Maßnahmen in Schulen: „Das Thema ist verschlafen worden“

Sowieso sei der Schulträger ziemlich spät dran, sagt Petra Weber-Laßmann, die Kreisvorsitzende des Verbandes Erziehung und Bildung (VBE). „Das Thema ist hier verschlafen worden“, sagt sie. Dabei sei das Ziel doch klar: Präsenzunterricht für alle Kinder. Das funktioniere aber nur, wenn die Räume darauf vorbereitet sein. Mit Anlagen, die für frische, wohltemperierte Luft sorgen. In jeder Jahreszeit. In den meisten Klassenzimmern ließen sich die Fenster ja gar nicht mehr ganz öffnen, und selbst wenn: Lüften sei im Frühling und Sommer schön und gut, aber nicht im Winter. „Keiner der Herren würde in dieser Kälte arbeiten“, sagt Petra Weber-Laßmann. Aber von den Kindern würden sie es verlangen.

Und um die Kinder müsse es jetzt gehen. „Wir müssen jetzt die schützen, die nicht geimpft werden können.“ Und damit dürfe man nicht warten, bis auch in Deutschland die ersten Kinder auf den Intensivstationen liegen. Jetzt müsse endlich was passieren. „Die Argumente sind doch allen bekannt.“ Und dass die Pandemie bleibe, sei doch inzwischen auch klar. „Das kann man nicht mehr aussitzen und hoffen, dass man es durch Lüften hinbekommt.“ Jetzt seien die Schulen dran. Denn nur wenn die Kinder gut versorgt seien, gehe es auch den Eltern gut, und das mache sich auch in der Wirtschaft bemerkbar. „Wenn man zu spät in die Gänge kommt, muss man dazu stehen und wenigstens dann alles tun, was möglich ist.“

Etwas hat sich ja schon getan im Kreis. Für immerhin rund zwei Millionen Euro Fördermittel vom Land hat die Kreisverwaltung zum Beispiel insgesamt 1400 Kohlendioxid-Messgeräte angeschafft, damit die Lehrer wissen, wann gelüftet werden müsste. Die CO2-Ampeln seien an die 65 Schulen im Kreis verteilt worden, teilt Jan Kieserg mit. Außerdem seien alle Fenster und Türen der Schulen überprüft, gewartet, beziehungsweise repariert worden, „damit eine ausreichende Lüftung und Frischluftzufuhr per Fensteröffnung“ möglich ist. „Die Fensterlüftung wird vom Landkreis weiterhin als nachhaltigste Variante betrachtet.“

Corona-Maßnahmen in Schulen: Umweltbundesamt empfiehlt RLT-Anlagen

Das Umweltbundesamt empfiehlt raumluft-technische Anlagen - „aus gesundheitlichen und Nachhaltigkeits-Gründen“. Stand der Technik seien RLT-Anlagen mit Wärmerückgewinnung, die die Außenluft energiesparend mittels der Abluft anwärmen. „Als Komfortlüftung werden Systeme bezeichnet, die eine kontrollierte Erwärmung oder auch Abkühlung (Sommer) erlauben.“ Einige RLT-Anlagen gebe es bereits an Schulen im Kreis, teilte Jan Kieserg mit. Sie seien in den Aulen und Sporthallen verbaut, in innenliegenden Räumen und manchmal auch in den naturwissenschaftlichen Bereichen einzelner Schulen. „Diese RLT-Anlagen verfügen in der Regel über Wärmerückgewinnungstechnik.“

Inzwischen können die Schulträger auch für diese Anlagen Fördermittel bekommen: Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle habe am 10. Juni die Förder-Richtlinien für den Umbau beziehungsweise Neubau coronagerechter stationärer RLT-Anlagen in Grundschulen aufgelegt, berichtet Jan Kieserg. „Aktuell wird durch den Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft geprüft, bei welchen Anlagen durch dieses Programm eine Bestandsanlage eventuell optimiert werden kann beziehungsweise, ob der Einbau von neuen dezentralen RLT-Anlagen mit Wärmerückgewinnungstechnik für die Grundschulen technisch umzusetzen ist.“

Wenn das passiert sei, könnten die entsprechenden Anträge beim Fördermittelgeber gestellt werden. „Diese baulichen Maßnahmen sind allerdings zum Start des kommenden Schuljahres nicht realistisch. Vielmehr kann nur eine perspektivische Aufrüstung der Schulen mit RLT-Anlagen angedacht werden.“ (Sabine Rauch) Zu den Corona-Maßnahmen an Schulen zählt auch die Maskenpflicht - in Hessen ist diese nicht mehr nötig.

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