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Mit ?Pflegeleichen? wiesen Teilnehmer der gestrigen 1.-Mai-Demonstration auf den drohenden Pflegenotstand hin.

Tag der Arbeit

Mai-Demo zieht durch die Altstadt

Unter dem bundesweiten Motto „Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit“ hat der DGB-Kreisverband Limburg-Weilburg gestern nicht nur die gewohnte Mai-Kundgebung auf dem Kauflandgelände organisiert, sondern auch einen Demonstrationszug durch die Limburger Altstadt.

„Leute, lasst das Gaffen sein, kommt herunter und reiht Euch ein!“ Weder zu übersehen noch zu überhören waren gestern die rund 100 Teilnehmer der Demonstration zum 1. Mai des Deutschen Gewerkschaftsbunds in Limburg. Neben dem alten 68er-Spruch und dem altbewährten Kampfruf „Hoch, hoch die internationale Solidarität“ sowie vielen lautstark genutzten Trillerpfeifen kamen zahlreiche Fahnen und Transparente zum Einsatz. „Haltet die Fahnen hoch und macht ordentlich Krach“, ermutigtete die DGB-Kreisvorsitzende und Organisatorin der Demo, Viktoria Spiegelberg-Kamens, die Teilnehmer.

„Das war meine erste angemeldete Demonstration“, sagt sie später auf dem Kaufland-Gelände an der Westerwaldstraße, wo im Anschluss noch die ebenfalls gut besuchte Mai-Kundgebung stattfand. Sie stand, wie die Demo auch, unter dem bundesweiten Motto „Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit“. In den letzten Jahren hatten sich die 1.-Mai-Feierlichkeiten auf die Kundgebung mit anschließenden Familienachmittag beschränkt. Die vom Limburger Bahnhof durch die Altstadt führende Demo war daher eine neue Initiative der Organisatoren.

„In der Zukunft könnte die Altstadt zum 1. Mai ruhig öfter eingebunden werden“, wünschte sich zum Beispiel der Limburger ver.di-Vorssitzende Stefan Schneider. Vorneweg mit einem DGB-Transparent in der Hand, beteiligte sich auch Bad Cambergs Bürgermeister, Jens-Peter Vogel (SPD) an der Demo. „Es geht darum, Arbeitnehmerrechte zu stärken“, sagte der Vater von drei Töchtern. Nach Schule und Studium würden viele arbeitswillige junge Menschen ausgenutzt. Statt eines unbefristeten Arbeitsverhältnisses erwarte sie oft nur Praktika und Zeitverträge. „Das erschwert eine langfristige Lebens- und Familienplanung.“

Spektakulär wurde es beim Zwischenstopp auf dem Neumarkt: Dort legten sich mehrere Teilnehmer aufs Pflaster, um als „Pflegeleichen“ auf den drohenden Pflegenotstand aufmerksam zu machen. So fehlten, laut Gewerkschaft ver.di, in Krankenhäusern momentan rund 162 000 Vollzeitstellen. Sportlich wurde es beim nächsten Stopp auf der Plötze: Mit dem Spruch „Wer nicht hüpft, ist Arbeitgeber“ animierte Julia Flechtner von der DGB-Jugend die Teilnehmer zum Mitmachen. Letzte Station vor dem Erreichen des Kundgebungsgeländes war schließlich die Brückengasse, wo des ermordeten Obdachlosen Charles Werabe gedacht wurde.

Bei einer Internetsuche zum 1. Mai habe er zwar Ratschläge zur optimalen Nutzung von Brückentagen für die Urlaubsplanung gefunden, aber nur wenig zum Sinn und Ursprung des Tages, erklärte Limburgs Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) in seinem Grußwort. Tatsächlich gehe er auf den Generalstreik Chicagoer Arbeiter im Jahr 1886 zurück. Damals demonstrierten sie für den Achtstundentag. Eine Errungenschaft, die nun wieder unter Druck gerät. Gerechtigkeit forderte Marius Hahn bei der Dieseldebatte: „Gerecht wäre es, wenn die Verursacher den Leuten helfen, die sich einen Neuwagen nicht leisten können.“

Hauptredner des Tages war der IG-Bau-Vertreter und Mitarbeiter der Firma Schaefer Kalk, Thomas Dauenhauer. Er stellte klar, dass die zunehmende Digitalisierung keine Naturgewalt sei, sondern gesteuert werden müsse: „Wir haben es selbst in der Hand, ob wir uns von der Technik bestimmen lassen oder selbstbestimmt bleiben.“

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