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Als Ballermann-Star und Miss Germany ist Isi Glück bekannt geworden. Nun war sie der Stargast beim umstrittenen Mallorca-Stammtisch in der "Fabrik".

120 Gäste in der Limburger Eventlocation "Fabrik"

Mallorca-Veranstaltung im Kreuzfeuer

  • vonRobin Klöppel
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Sicherheitschef verweist auf Genehmigung, versteht aber auch Eventverbot

Michael Krzyzniewski plant mit seinem Unternehmen MK Sicherheit die Sicherheits- und Hygienekonzepte zahlreicher Veranstaltungen. Unter anderem ist der Villmarer seit Jahren für das Land Hessen beim Hessentag tätig. Der heimische Unternehmer kennt in der Region die Musik- und Partyszene wie kaum ein Zweiter als früherer Manager der "Schürzenjäger" und aktueller Berater von Antonia aus Tirol.

So war Michael Krzyzniewski als Sicherheitschef auch mittendrin, als kurz vor dem zweiten Lockdown noch ein Mallorca-Stammtisch in der Limburger Eventlocation "Fabrik" in der Rudolf-Schuy-Straße unter anderem mit dem Ballermann-Star Isi Glück stattfand. Ein Report darüber wurde in dieser Woche im ZDF-Magazin "Hallo Deutschland" ausgestrahlt - mit reichlich negativem Echo. Auch viele Menschen aus der Region sahen es äußerst kritisch, dass trotz deutlich ansteigender Corona-Fallzahlen im heimischen Kreis noch ein Partyevent in der Domstadt stattfand.

Michael Krzyzniewski verteidigt die Durchführung der vom Gesundheitsamt genehmigten Veranstaltung mit erlaubten 120 Gästen. Er kann aber auch die politischen Entscheidungen absolut verstehen, dass nun erst einmal gar keine Events mehr stattfinden dürfen.

Von Vorbildern und

schwarzen Schafen

Krzyzniewski fordert aber für die Eventbranche deutlich mehr politische Unterstützung als bisher. Und er warnt davor, alle Partymacher über einen Kamm zu scheren. Als positive Beispiele nennt er die Limburger Partystars Ikke Hüftgold und Lorenz Büffel, die sich ihrer Verantwortung in Corona-Zeiten sehr wohl bewusst seien. So seien beispielsweise die Gäste bei der Mallorca-Party vor der Staffeler Disco "Empire" vor kurzem immer wieder darauf hingewiesen worden, an ihren Tischen sitzen zu bleiben und die Corona-Spielregeln einzuhalten.

Der Villmarer sagt aber auch, ohne Namen zu nennen, dass es auch Künstler gebe, die bei ihren Auftritten das Publikum genauso wie vorher zum Mitmachen animierten. Und wenn zu fortgeschrittener Stunde Alkohol im Spiel sei, sei es trotz des besten Konzeptes schwierig, die Leute von vor der Bühne wegzuhalten.

Beim Mallorca-Stammtisch in der "Fabrik" hätten sich die Verantwortlichen sehr wohl viele Gedanken gemacht, ein Sicherheits- und Hygienekonzept erarbeitet, das alle Anforderungen erfüllt habe für bis zu 150 Besucher. Als dann die Tage vor der Veranstaltung die Zahlen bei den Corona-Infektionen auch in der Region deutlich nach oben gegangen seien, habe man sich noch mal zusammengesetzt und entschieden, die Veranstaltung auf den Nachmittag vorzuziehen, weil die Gäste eben abends mehr trinken würden und dann die Gefahr von Regelbrüchen größer gewesen wäre. "Damit haben wir gezeigt, dass wir uns unserer Verantwortung sehr wohl bewusst sind", sagt der Villmarer.

Ein weiterer Grund, es bei dem Stammtisch zu belassen, sei der Wunsch des ZDF gewesen, über das Thema Veranstaltungen in Corona-Zeiten zu berichten. Es habe aber natürlich auch Kartenkäufer gegeben, die aufgrund der höheren Infektionszahlen nicht gekommen seien.

Verständnis, aber auch

klare Forderungen

Trotz seiner geschäftlichen Einbußen steht Michael Krzyzniewski hinter der Entscheidung, für den Monat November erst einmal keine Veranstaltungen zuzulassen. "Wir habe schließlich derzeit gegen Corona als Waffen nur Masken und Abstand halten", so der Villmarer. Es könne ja derzeit niemand abstreiten, dass gerade eine höhere Infektionsgefahr vorhanden sei und Abendveranstaltungen mit Alkohol eine gewisse Problematik beinhalteten.

Krzyzniewski gibt zu, dass es derzeit weniger Spaß als sonst mache, Events zu planen, weil ja keiner wisse, was in einigen Monaten sei. Gerade werde darüber gesprochen, wie der Hessentag 2021 in anderer Form als gewohnt stattfinden könne. Große Konzerte würden aber, wie Krzyzniewski glaubt, auch 2021 noch nicht stattfinden, da es dauere, bis ein Großteil der Bürger wirksam gegen Corona geimpft sei.

Daher fordert Krzyzniewski, dass die Politik alle in der Eventbranche Tätigen viel mehr als bisher finanziell unterstützen müsse, damit sie dieses eine Jahr noch überleben könnten. Viele Politiker seien sich überhaupt nicht bewusst, dass es nicht nur um Künstler auf der Bühne gehe, sondern um viele Tausend Menschen dahinter, die alle von den Events lebten und ohne diese ihre Familien nicht ernähren oder ihre Miete bezahlen könnten.

Ein Problem sei, dass in der Branche viele Einzelkämpfer unterwegs seien. Da fehle eine starke Interessensvertretung, die deutlich ihre Stimme erhebe. Andere Branchen hätten schon beim ersten Lockdown lauter geschrien und somit problemlso Soforthilfen bekommen. Bitter sei es, wenn viele in seiner Branche vorbildlich an Hygienekonzepten gearbeitet, viel Geld dafür in die Hand genommen und diese vorschriftsgetreu umgesetzt hätten und nun durch das Eventverbot erneut unter den Verlierern seien. Denn das seien nicht diejenigen, die Corona ignoriert und zur starken Verbreitung durch unachtsames Verhalten beigetragen hätten. Robin Klöppel

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