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Die Frauen-Union auf Gefängnisbesuch: Kreisvorsitzende Christine Zips (1. Reihe links), Behördenleiterin Anja Müller (3. von links) und Personalratsmitglied Stefan Weber (1. Reihe rechts).

JVA

Frauen-Union informiert sich in der Justizvollzugsanstalt Limburg

Es war ein Blick hinter die Kulissen der Limburger Justizvollzugsanstalt. Dabei erfuhren die christdemokratischen Frauen viel über den Alltag der Häftlinge, aber auch der Bediensteten der JVA.

Auf Teamgeist statt hierarchische Strukturen setzt Anja Müller, die erste Leiterin der Justizvollzugsanstalt. Sie gab den CDU-Frauen zunächst einen Überblick über die geschichtliche Entwicklung der Anstalt. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde sie noch als gemischte Anstalt für Männer und Frauen betrieben. Längst gebe es für sie in Hessen aber reine Frauengefängnisse. Weil es inzwischen einen Anspruch auf Einzelzellen gebe, betrage die Höchstzahl an Plätzen in Limburg nur noch 59. Deshalb werde immer mal wieder die Wirtschaftlichkeit der Limburger Einrichtung infrage gestellt. Kleine Justizvollzugsanstalten hätten aber, wie die Limburger Leiterin berichtete, auch große Vorteile. Man könne negative Entwicklungen in der Gruppe schneller erkennen, so dass es im Gegensatz zu „Großbetrieben“ kaum zu nennenswerten Problemen in der JVA komme.

Respektvoller Umgang

Die weiblichen Bediensteten müssten auch fast die gleichen dienstlichen Aufgaben wahrnehmen wie ihre männlichen Kollegen. Und das sei auch gut so, wie auch Irina Kraus, einer der Limburger Beschäftigten, bestätigte sagte: „Die Anwesenheit einer Frau wirkt auf viele Gefangene deeskalierend.“ Mit Frauen würden die meisten respektvoller umgehen, sich nicht so wie gegenüber anderen Männern aufspielen.

Aktuell sitzen Personen 16 verschiedener Nationalitäten in Limburg ein. Früher seien Russlanddeutsche stark vertreten gewesen, heute besonders viele Leute aus den Maghreb-Staaten. Die Leiterin der JVA berichtete auch, dass es auf dem Land im Gegensatz zu Großstädten noch kein Problem sei, genügend gutes Personal zu finden. Anja Müller sagte, dass es Ziel sei, Strafgefangene zu resozialisieren. Rechtskräftig Verurteilte hätten gegenüber den Untersuchungsgefangenen Arbeitspflicht. Mit dem verdienten Geld könnten sie sich dann auch „Luxusartikel“ wie Tabakwaren kaufen. „Wichtig ist, dass die Leute einen strukturierten Tagesablauf haben“, berichtete die Leiterin. Sie haben die Möglichkeit eine Stunde am Tag an die frische Luft zu gehen und im Sommer im Gefängnishof Sport wie Fußball oder Volleyball zu treiben. Es gibt auch unter dem Dach noch einen Sportraum und einen Gemeinschaftsraum, wo Billard gespielt oder zusammen ein Film angeschaut werden kann. Die Leiterin sagte, Freizeitaktivitäten seien für die Gefangenen extrem wichtig, um die Aggressivität zu senken.

Den Absprung schaffen

Mandy Texter vom Sozialdienst berichtete, dass manche Gefangene nach der Haft den Absprung schafften, wieder in geordnete Familienverhältnisse und Arbeit zurückkehrten. Andere sehe man aber immer wieder. Wichtig sei, die Entlassenen nicht einfach sich selbst zu überlassen, sondern sie bei der Wiedereingliederung ins Leben so gut wie möglich bei der Wohnungs- und Arbeitssuche zu unterstützen. Mandy Texter berichtete auch über die Arbeit mit den Angehörigen der Inhaftierten. Oftmals hätten die Lebensgefährtinnen und Ehefrauen der Inhaftierten große Hemmungen Hilfestellungen und Unterstützungen anzunehmen. Sie schämen sich für die von ihnen oftmals nicht verschuldetete Situation der Familie. Auch ist es für die Kinder belastend ihren Vater in der Vollzugsanstalt zu besuchen. Gemeinsam mit dem Verein Perspektiven konnten im vergangenen Jahr vermehrt Angebote für die Angehörigen geschaffen werden.

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