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Der Limburger Dom aus ungewöhnlicher Perspektive von Mario Ebenhöh.

Fotograf zeigt Orte von ihrer ungewöhnlichen Seite

Mario Ebenhöh sucht nach dem perfekten Bild

Lange Zeit wollte Mario Ebenhöh keine Menschen auf seinen Bildern haben. Doch mittlerweile wartet der Limburger Fotograf manchmal Stunden auf den richtigen Fußgänger. Weil er nicht nur das perfekte Foto machen möchte. Sondern sich mit seinem Hobby auch selbst therapiert.

Manchmal schaut Mario Ebenhöh aus dem Fenster seiner Altbauwohnung – und bleibt einfach sitzen. Wenn der Himmel zu blau und damit langweilig ist. Wenn kein Wind geht, so dass die Wolken nicht ziehen. Wenn das Licht nicht stimmt. Denn was der 42-Jährige will, ist das perfekte Bild.

Er hat sich auf Langzeitbelichtung spezialisiert, eine Fototechnik, bei der nicht der Moment, sondern die Bewegung eingefangen wird. Vom Mühlrad an der Lahn sieht man also nicht mehr die einzelnen Schaufeln, sondern einen verschwommenen Kreis. „Da muss alles stimmen, sonst hab ich zwei bis vier Minuten Belichtungszeit verschenkt.“ Und das ist etwas, das Ebenhöh schwer ertragen kann. „Ich bin so ein unruhiger Mensch. Deswegen mache ich das ja unter anderem auch.“ Fotografie als Therapie?

Ursprünglich hatte sich Ebenhöh nur eine Kamera gekauft, um Schnappschüsse zu machen. Vor 15 Jahren war das. Doch beim Workshop eines Fotografen aus Berlin entdeckte er 2012 seine Liebe zur Schwarz-Weiß-Fotografie. Ein Foto seines damaligen Lehrers Ronny Behnert hängt bis heute in seinem Wohnzimmer. Es zeigt das Matterhorn mit einer Art Heiligenschein. Schnee leuchtet, wenn man ihn lange genug belichtet. Auch darum gehe es bei dieser Art von Fotos, sagt Ebenhöh: Bekanntes aus einem anderen Blickwinkel zu zeigen. Deshalb ist er vor einiger Zeit den gesamten Rosenhang abgelaufen. Er wollte einen Blick auf den Dom finden, den noch niemand vor ihm gefunden hat. Und er fand ihn: Der Dom thront im Hintergrund, im Vordergrund Bäume, eine Wiese, ein einsamer, goldener Oktoberabend. „Dabei war das nur eine Baulücke“, sagt er und grinst. „Drum herum waren überall Häuser, aber das sieht man nicht.“

In den ersten Jahren fotografierte Ebenhöh ausschließlich Gebäude, Linien, Strukturen. „Personen haben mich immer gestört“, sagt er. Einmal sei er mit seiner Freundin einen Ostsee-Strand entlanggegangen. Sie habe auf eine Gruppe Rentner gezeigt, die mit ihren Krücken und Rollstühlen an den Strand gekommen waren. „Das musst du unbedingt fotografieren!, hat sie gesagt. Aber ich hab’ gar nicht gewusst, was das sollte.“ Noch heute habe sie manchmal einen besseren Blick für Situationen als er.

Irgendwann sei dann aber auch ihm aufgefallen, dass einzelne Personen ein Foto stärker machen können. „Deswegen versuche ich jetzt immer, eine Person im Bild zu haben. Man entwickelt sich ja weiter.“ Auf den perfekten Passanten zu warten, dauere allerdings noch länger als nur eine Bewegung im Bild einzufangen. Einmal hat er mehr als eine halbe Stunde gewartet, bis ein Passant am Ozeaneum in Stralsund vorbeilief. „Ich bin ja immer so 110-prozentig.“ Fotografie als Therapie.

Gerade läuft eine Ausstellung in seinem Heimatort Grünberg. Eigentlich sollte sie ungewöhnliche Blickwinkel auf die Stadt zeigen. Ein Jahr lang fuhr Ebenhöh immer wieder hin. Doch mit keinem einzigen Foto war er zufrieden. Also zeigt die Ausstellung jetzt Fotos aus Paris, London, Dubai. „Wenn ich durchgehe, erinnert mich das immer daran, wo ich schon überall war.“ Es ist seine zweite Ausstellung, sie sei deutlich professioneller als die erste im Kreml in Zollhaus, wo er sich noch drei verschiedene Sorten Rahmen ausgeliehen habe.

Am Preis seiner Fotos hat sich seitdem allerdings kaum etwas getan – was unter anderem daran liegt, dass Ebenhöh sie selbst ausdruckt. Um die 30 Euro kostet ein Bild, wenn man es direkt bei ihm kauft, über Verkaufsplattformen wie Photocircle, bei denen ein Teil des Erlöses an ein gemeinnütziges Projekt geht, sind bis zu 250 Euro möglich. „Das ist eine gute Sache“, sagt Ebenhöh. „Da kann ich was dafür zurückgeben, dass ich fotografieren kann, was ich will, und nicht, was ich muss.“ Seinen Lebensunterhalt verdient der 42-Jährige als Versicherungskaufmann im Innendienst.

Vor einiger Zeit hat Ebenhöh Neuland betreten. Er macht jetzt auch Straßenfotografie – bei der nicht die Bewegung, sondern der Moment aufgefangen wird. Im Café, auf einem Platz, oft da, wo viele Menschen sind. „Man muss nah rangehen, um abzudrücken“, sagt Ebenhöh. „Oft fühle ich mich dabei überhaupt nicht wohl.“ Aber darum geht es nicht. Denn was Mario Ebenhöh will, ist auch in diesem Fall das perfekte Bild. Die Therapie geht weiter.

Mehr Informationen zu Mario Ebenhöh und seinen Bildern unter .

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