Gratulation zum Wahlsieg: Wie in diesen Zeiten üblich reicht Stefan Laux (links) Wahlsieger Dr. Marius Hahn den Ellbogen.
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Gratulation zum Wahlsieg: Wie in diesen Zeiten üblich reicht Stefan Laux (links) Wahlsieger Dr. Marius Hahn den Ellbogen.

Marius Hahn bleibt Rathauschef

  • vonRobin Klöppel
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  • Stefan Dickmann
    Stefan Dickmann
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LIMBURG Amtsinhaber setzt sich klar gegen Herausforderer Stefan Laux durch

Dr. Marius Hahn (SPD) wird auch in den kommenden sechs Jahren Bürgermeister von Limburg sein. Bei der Stichwahl gegen seinen Herausforderer Stefan Laux (CDU) setzte er sich gestern Abend mit 53,9 Prozent klar durch; seine neue Amtszeit beginnt am 2. Dezember. Die Wahlbeteiligung lag nur bei 43,9 Prozent. Das ist zwar höher als bei der Wahl 2015, aber deutlich niedriger als vor zwei Wochen, als parallel zur Kommunalwahl 49,6 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme bei der Bürgermeisterwahl abgaben.

Gemessen daran, dass es in Limburg noch keinem Sozialdemokraten gelungen ist, als Bürgermeister wiedergewählt zu werden, wirkte Hahn nach der Verkündung des Wahlergebnisses erstaunlich ernst. Sehr ruhig sprach der 49-Jährige nach dem Wahlergebnis, das er "mit großer Demut" entgegennehme, im Sitzungssaal im Rathaus. "Ich ruhe eben in mir", sagte er dieser Zeitung hinterher. "Ich bin sehr dankbar für den Vertrauensbeweis der Wählerinnen und Wähler. Das war ein hartes Stück Arbeit." Hahn dankte besonders seiner Frau Stephanie, die sich gestern nicht nur über den Wahlsieg ihres Mannes freuen durfte - sie hatte auch Geburtstag. Der wiedergewählte Bürgermeister schloss in seinen Dank Jochem Holzhäuser ein, der seinen Wahlkampf federführend gestaltet hatte, und dankte ebenfalls Robert Kleinmichel aus Eschhofen und dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Peter Rompf für ihre Unterstützung. "Ich werde überparteilich wirken", sagte Hahn. "Ich arbeite auch für die, die mich nicht gewählt haben."

Laux: Pandemie

als Manko

Deutlich entspannter wirkte hingegen Stefan Laux. Auch wenn er verloren habe, "und wer verliert schon gern", freue er sich auf seine weitere Arbeit als Leiter der Friedrich-Dessauer-Schule in Limburg. "Ich mache meinen Job in der Schule sehr gern", sagte der 51-Jährige. Es seien sehr intensive 13 Monate Wahlkampf für ihn gewesen. Die CDU sei mit ihm als Kandidat ein Wagnis eingegangen, weil er unabhängig sei und seinen Wahlkampf auch bewusst unabhängig gestaltet habe.

"Die Folgen der Pandemie waren insgesamt ein Manko", sagte Laux im Gespräch mit dieser Zeitung. "Meine Stärke ist es, mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Dafür wären Kirmes- und Fastnachtsveranstaltungen eine gute Sache gewesen." Aber mit einem Ergebnis von 46 Prozent müsse er nicht den Kopf in den Sand stecken. "Natürlich ist da ein Amtsinhaber-Bonus", sagte Laux. "Der Bürgermeister kann sagen, was er sechs Jahre lang getan hat. Ich konnte nur sagen, was ich tun will. Das ist nicht unbedingt ein Vorteil."

Laux deutete an, dass im Wahlkampf im Zusammenspiel mit der CDU einiges hätte besser laufen können - insbesondere als Kritik aufgekommen sei, dass es zwischen ihm und der CDU-Fraktion unterschiedliche Auffassungen in einigen Sachfragen gebe, zum Beispiel, was den Umgang mit den Platanen auf dem Neumarkt betreffe. Dazu habe er sich schon eine Positionierung seitens der CDU im Wahlkampf gewünscht.

Im Prinzip war die Stichwahl gestern bereits früh entschieden, und zwar schon rund 45 Minuten nach der Schließung der Wahllokale. Denn da lagen schon die Endergebnisse aus Dietkirchen und Lindenholzhausen (inklusive Briefwahl) vor. Die Steigerung von "Schwarz-Grün" heißt in Limburg Dietkirchen. Hier spielen nur CDU und Grüne politisch eine Rolle. Doch ausgerechnet diesen Stadtteil verlor Laux, der im Wahlkampf klar auf Schwarz-Grün gesetzt hatte, deutlich: Er holte nur 37,4 Prozent. Und nicht mal im konservativen Lindenholzhausen, wo an der CDU politisch kein Weg vorbeiführt, reichte es für einen Sieg: Laux kam lediglich auf 46,2 Prozent der Stimmen in diesem Stadtteil.

Das Offheim-Ergebnis

verblüfft die SPD

Fast noch enttäuschender lief es für den Herausforderer ausgerechnet in Offheim - der CDU-Hochburg in Limburg: Zwar gewann Laux diesen Stadtteil mit 52,4 Prozent - aber um als von der CDU unterstützter Einzelkandidat in Limburg zu gewinnen, hätte es dort schon ein deutlich besseres Ergebnis sein müssen.

Sowohl Hahn als auch Rompf kamen unabhängig voneinander auf das für SPD-Verhältnisse sensationelle Ergebnis in Offheim zu sprechen. Damit konnte keiner rechnen. Denn vor allem hier schnitten die Grünen bei der Kommunalwahl vor zwei Wochen sehr gut ab - offenkundig getragen von ihrer Kritik an der in Offheim umstrittenen geplanten Erweiterung des Gewerbegebiets "Nördlich der Kapellenstraße". Laux hatte von Anfang an klar gemacht, dass er als Bürgermeister dort weniger neue Gewerbeflächen ausweisen lassen würde als der Amtsinhaber.

Sehr früh muss also am Wahlabend den Vertretern der CDU klar gewesen sein, dass dies ein bitterer Abend für sie und ihren Kandidaten wird. Eine der ersten Gratulationen erhielt um 19.34 Uhr Jochem Holzhäuser vom bisherigen CDU-Stadtverordneten Dr. Stefan Schäfer. Da war der wiedergewählte Bürgermeister noch gar nicht im Sitzungssaal eingetroffen. "Es ist wie im Fußball", sagte Schäfer. "Gewinnen macht mehr Spaß." Eine Minute später betrat Laux den Sitzungssaal, er und andere CDU-Vertreter wie der Stadtverbandsvorsitzende Christian Wendel und der bisherige Stadtverordnetenvorsteher Stefan Muth gingen aber gleich nach hinten - in einen Bereich, in dem kein Licht angeschaltet war.

"Einfach weiter so" darf es nicht heißen,

Parteien äußern sich zur Wiederwahl des Rathauschefs

Der Wahlerfolg von Dr. Marius Hahn (SPD) beschäftigt auch die Parteien in der Limburger Stadtverordnetenversammlung, die mit Beginn der neuen Amtszeit Anfang Dezember nun weitere sechs Jahre mit dem Bürgermeister zusammenarbeiten müssen.

Sichtlich geknickt zeigte sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Christopher Dietz gestern Abend; auch er hatte Stefan Laux ins Rathaus begleitet, um die Wahl zu verfolgen. "Ich war von Anfang an überzeugt, dass es eine Personenwahl ist", sagte Dietz. "Aber eigentlich ist es ein Ding der Unmöglichkeit, sich rein digital so bekannt zu machen, um sich gegenüber den Amtsinhaber zu positionieren." Ohne Fastnacht, ohne Kirmes, ohne Konzerte, ohne Veranstaltungen als Folge der Pandemie sei es für einen Herausforderer nun einmal sehr schwer. Facebook und Co. reichten da nicht. "Ohne Corona hätte es ein anderes Ergebnis werden können", mutmaßte er.

"Ich bin glücklich", sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Rompf. "Das ist das erste Mal, dass ein Sozialdemokrat als Bürgermeister von Limburg sein Amt verteidigt." Das sei zwar eine "schwere Nummer" gewesen, aber dank der soliden Arbeit des Bürgermeisters habe er ein "gutes Gefühl" gehabt, dass Hahn gewinnt. Ihn freue besonders, dass der Bürgermeister in der CDU-Hochburg Offheim so gut abgeschnitten habe.

"Wir müssen die demokratische Entscheidung der Wähler akzeptieren und das Beste daraus machen", sagte die FDP-Fraktionsvorsitzende Marion Schardt-Sauer gestern auf Anfrage sichtlich reserviert. "Wir bieten Marius Hahn eine sachliche Zusammenarbeit an." Hahns Wahlslogan in den Tagen vor der Stichwahl "Keine Experimente" dürfe nicht ein "Einfach weiter so" bedeuten. Darum habe die FDP bei der Bürgermeisterwahl vor zwei Wochen auch einen eigenen Kandidaten gestellt. Der Bürgermeister dürfe die Stadt in Zukunft nicht einfach nur weiter verwalten, sondern müsse die kommenden Jahre wieder mehr gestalten und die Kreisstadt fit für die Zukunft machen.

Limburg stehe gerade in der schwierigen Corona-Zeit vor großen Herausforderungen. Da müsse ein Bürgermeister auch mal mehr eigene Ideen entwickeln, statt sich hinter Gutachten und Masterplänen zu verstecken. Schardt-Sauer sagte, Marius Hahn haben die Wochen vor der Wahl sehr viele Versprechungen gemacht. Daran müsse er sich nun auch messen lassen. Warum in der Domstadt trotz der von Schardt-Sauer genannten Kritikpunkte offenbar keine Wechselstimmung vorhanden war? Die FDP-Fraktionschefin: "In Krisen möchten viele Menschen das bewahren, was sie haben."

Grünen-Fraktionschef Dr. Sebastian Schaub zeigte sich froh, "dass nun ein eindeutiges Ergebnis vorliegt". Ob die Wahlentscheidung gut oder schlecht für Limburg ist, wollte er nicht bewerten. Denn beide Kandidaten hätten nur teilweise Positionen vertreten, mit denen er sich identifizieren könne. "Wir werden jetzt auf Marius Hahn zugehen und versuchen, mit ihm die kommende Periode soviel grüne Politik umzusetzen, wie es geht." Schaub dankt allen Beteiligten für den fairen Bürgermeisterwahlkampf. Dieser gute Umgangsstil untereinander solle bewahrt werden. Die Grünen würden jedenfalls mit allen demokratischen Kräften im Stadtparlament vor der Konstituierung sprechen.

Schaub persönlich hatte übrigens nach den Eindrücken im Wahlkampf an eine größere Wechselstimmung in Limburg geglaubt. Dass sich am Ende doch der Amtsinhaber durchsetzte, führt er darauf zurück, dass Gegenkandidat Stefan Laux Teile der traditionellen CDU-Wähler mit seinen Positionen offenbar nicht erreicht habe. Das und der Amtsbonus hätten Hahn eventuell die entscheidenden Prozente gebracht.

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