Der Limburger Schlagersänger Ikke Hüftgold hat nun offiziell Anzeige erstattet.
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Der Limburger Schlagersänger Ikke Hüftgold hat nun offiziell Anzeige erstattet.

Gegenseitige Anzeigen

Schlager-Star Ikke Hüftgold erstattet Anzeige gegen Sat.1 und Imago TV

  • VonRobin Klöppel
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Ikke Hüftgold, Schlager-Star aus Limburg, hat mit seinem Video zur Verletzung des Kindeswohls bei Sat.1 für Aufsehen gesorgt. Jetzt erstattet er Anzeige gegen den TV-Sender.

Limburg - Der Partysänger Matthias Distel alias Ikke Hüftgold hat seine Ankündigung vom Pfingstmontag wahr gemacht und Strafanzeige gegen den Fernsehsender Sat.1 und die Produktionsfirma Imago TV erstattet, weil diese eine Serienfolge mit traumatisierten Kinder in Auftrag gegeben und gedreht haben. Laut Distel muss geprüft werden, ob und welche Straftatbestände vorliegen. Imago TV hat ihn im Gegenzug wegen Vertragsverletzung angezeigt.

Der Schritt, mit seinen Erlebnissen bei einem Dreh für das Sat.1-Format "Plötzlich arm, plötzlich reich" an die Öffentlichkeit zu gehen, hat den heimischem Unternehmer Matthias Distel viel Unterstützung, aber auch viel Ärger eingebracht. Als der 44-jährige Eschhöfer Pfingstmontag nach tagelangem Überlegen mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit ging, konnte er nicht damit rechnen, einen solch enormen Zuspruch zu erhalten.

Video von Ikke Hüftgold erhält Millionen Aufrufe auf Instagram und Facebook

Elf Millionen Aufrufe hat sein Video bei Instagram, Facebook und YouTube erreicht. Alleine bei Facebook wurde sein Beitrag rund 100.000 Mal geteilt und 25.000 Mal kommentiert. Fast alle User stehen hinter ihm, normale Bürger ebenso wie "500 Promis, die mich kontaktiert haben, sogar Fußballer und Fernsehmoderatoren", berichtet Matthias Distel im Gespräch mit dieser Zeitung.

Aber es gibt auch die Schattenseite, dass die Berliner Produktionsfirma des Formats, Imago TV, laut dem Limburger gestern auch Anzeige gegen ihn erstattet habe, weil er seine vertraglichen Verpflichtungen nicht erfüllt und Interna nach außen verraten habe. Harte Vorwürfe, die dem öffentlichen Ansehen der Produktionsfirma und des Senders Sat.1 - wie am Shitstorm im Netz zu sehen ist - natürlich erheblich schaden.

Ikke Hüftgold: Schlager-Sänger aus Limburg erhebt schwere Vorwürfe gegen Sat.1

Distel hatte angeprangert, dass in seiner Limburger Stadtwohnung mit Kindern gedreht worden sei, die stark vom eigenen Vater missbraucht worden und stark traumatisiert seien. Dass nicht nur die Produktionsfirma, sondern auch der Sender hätten erahnen können, dass mit den Kindern eigentlich nie hätte gedreht werden dürfen, könne er beweisen, sagt Distel. Unter anderem liege ihm ein internes Exposé zu der Folge vor, das ein Sender genehmigen müsse. Daher könne Sat. 1 sich nicht darauf berufen, dass die Produktion einen Alleingang gemacht habe und der Sender von der Traumatisierung der Kinder keine Kenntnis gehabt habe.

Distel weiß, dass erhebliche Probleme auf ihn zukommen können, weil er mit dem Fall an die Öffentlichkeit ging. Imago TV wolle juristisch erreichen, dass er das Video aus dem Netz nimmt und seine Anschuldigungen nicht mehr wiederholen darf. Er habe aber genügend Beweise, um seine Behauptungen zu belegen, sagt Distel. Es hätten sich sogar Redakteure bei ihm gemeldet, die früher für Imago TV gearbeitet hätten und bereit seien, vor Gericht gegen ihren früheren Arbeitgeber auszusagen.

Elf Millionen Menschen haben sich bis gestern Matthias Distels Smartphone-Video angesehen. Um für die Rechte von Kindern zu kämpfen, nimmt der Limburger starke berufliche Nachteile in Kauf.

Ikke Hüftgold appelliert an die TV-Branche: Vertrag mit Sat.1 aufgelöst

Distel droht, wie er berichtet, nicht nur eine Vertragsstrafe aufgrund von Vertragsbruch, sondern unter Umständen auch enorme Schadensersatzforderungen. Imago TV habe erklärt, dass der abgebrochene und somit wertlose Dreh Kosten von 250.000 Euro verursacht habe. Und Distel wurde, wie er zugibt, "in beiderseitigem Einvernehmen" bereits der Vertrag für eine weitere Sat.1-Show aufgelöst. Dort wäre er aber sowieso nicht mehr aufgetreten, weil er nicht länger mit einem Sender wie Sat.1 arbeiten wolle, sagt er.

Er habe Sat.1 gebeten, die ihm zustehende Gage für einen guten Zweck zu spenden. "Mir geht es nicht um die beruflich negativen Folgen für mich, sondern um das Wohl der Kinder, um eine breite öffentliche Diskussion über das Thema", betont Distel. Es gebe große Zeitschriften, andere Sender und Internetmedien, die über den Fall berichten wollten. Der Limburger sagt: "Welches Mobbing hätten die Kinder in ihrem persönlichen Umfeld erleiden müssen, wenn diese Folge ausgestrahlt worden wäre?"

Er würde sich auch wünschen, wenn die Fernsehbranche sich, angeregt durch die aktuelle Diskussion, künftig wieder mehr mit den Grenzen eines tragbaren Unterhaltungsfernsehen befasst. Nicht nur Matthias Distel kritisiert, dass Pöbeleien und Mobbing im Reality-TV in den letzten Jahre hoffähig gemacht worden seien, weil sie Quote versprechen und gut fürs Geschäft seien. Andere Prominente scheuten sich bisher, mit ihren Erlebnissen an die Öffentlichkeit zu gehen, weil sie weiter zur Unterhaltungsbranche dazugehören und sich nicht mit mächtigen Sendern und Produktionsfirmen anlegen wollen. Distel hofft nun, dass einige, die mit ihm dieser Tage in Kontakt traten, ihr Schweigen auch brechen, um nachhaltig in der Unterhaltungsbranche etwas zum Guten zu ändern. (Robin Klöppel)

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