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Silvia Scheu-Menzer (von links), Carmen von Fischke, Sabine Heuser-Eltgen, Ute Jungmann-Hauff und Ingrid Friedrich ermutigen Frauen, sich kommunalpolitisch zu engagieren.

"Frauen - Engagiert vor Ort!"

Mehr Frauen in die Kommunalpolitik bringen

Auftakt zu einer Veranstaltungsreihe - Quote im Kreis Limburg-Weilburg derzeit bei nur 16 Prozent.

Limburg -Mehr als 20 politisch interessierte Frauen sind zum Auftakt der Veranstaltungsreihe "Frauen - Engagiert vor Ort!" ins Dom-Hotel kommen. Aus erster Hand erfuhren sie von gestandenen Kommunalpolitikerinnen aus der Region, wie diese sich in den von Männern dominierten Parlamenten durchsetzen. "Frauen haben beste Voraussetzungen, um politisch aktiv zu werden. Sie managen den Spagat von Beruf, Familie und oftmals noch dem Ehrenamt", sagte die Limburger Frauenbeauftragte Carmen von Fischke zur Begrüßung. Diese Erfahrung sei auch für das politischen Engagement sehr wertvoll.

Trotzdem liege der Frauenanteil in den Kommunalparlamenten des Landkreises Limburg-Weilburg gerademal bei 16 Prozent. "Da muss sich was ändern", sagte Ute Jungmann-Hauff vom Kreis-Frauenbüro. Es könne nicht sein, dass Entscheidungen zum Wohl der Gesamtbevölkerung fast nur von Männern gefällt werden. Das kreisweite frauenpolitische Netzwerk soll Frauen daher mehr Lust auf Politik machen.

Auf die von Moderatorin Kyra Naudascher-Jankowski gestellte Frage nach einem Erlebnis entgegen aller Klischees erinnerte sich Sabine Heuser-Eltgen (Grüne) an ihre allererste Haushaltsrede, in der es unter anderem um den Bedarf der Feuerwehr ging. "Vor mir saß eine Wand von uniformierten Männern, die das gar nicht lustig fanden." Ein paar Tage später suchte sie das Gespräch mit der Mannschaft und arbeitete die Situation auf. "Ich war wirklich froh, dass man sich einsichtig zeigte und ich den Konflikt meistern konnte."

Als Eigenschaften einer Kommunalpolitikerin betonte die Hünfeldener Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer (parteilos): "Man muss mutig sein und sich was trauen." Die Elzer Kreistagsabgeordnete Ingrid Friedrich (CDU) findet Beharrlichkeit wichtig. "Wenn ich mir was vornehme, will ich das auch durchboxen." Sabine Heuser-Eltgen brachte die Voraussetzung mit "Humor und Ellenbogen" auf den Punkt. Einig sind sich die Politikerinnen, dass man nur gut sein kann, wenn man für eine Sache brennt.

Themen auf

den Tisch bringen

Ob es ratsam sei, dass sich Frauen für den politischen Einstieg gewissen Frauenthemen widmen? Dazu Ingrid Friedrich: "Im Parlament muss immer das Thema im Vordergrund stehen, dass gerade zu bearbeiten ist - egal ob Kinderbetreuung oder Kanalisation." Silvia Scheu-Menzer stimmt dem zu. Doch hätten Frauen auch solche Themen auf den Tisch zu bringen, die in der Männerwelt eher untergehen.

Kontrovers äußerten sich die Diskutantinnen zur Quotenregelung. "Ich bin vor vielen Jahren selbst mal als Quotenfrau zu einer Aufgabe gekommen. Als ich erfuhr, dass nicht mein Können im Vordergrund gestanden hat, war ich sehr betroffen", sagte Silvia Scheu-Menzer. Sabine Heuser-Eltgen hingegen steht voll hinter der Quote. Solange es keine wirkliche Chancengleichheit gäbe, sei diese Regelung nötig.

Zum Stichwort Chancengleichheit entwickelte sich eine Diskussion, wie Frauen mehr gesellschaftliche Unterstützung erfahren könnten.Es sei wünschenswert, dass die Sitzungstermine der Gremien nicht erst am Abend stattfinden. Denkbar wäre auch eine von den Fraktionen organisierte Kinderbetreuung.

Mit der Frage, wo Frauen in der Politik ein dickes Fell brauchen, endete die Diskussionsrunde. Ingrid Friedrich findet, man müsse verbale Angriffe gut kontern und dürfe Probleme nicht in sich reinfressen. Sabine Heuer-Eltgen berichtete, dass es gut sei, gegen Sexismen gewappnet zu sein. Silvia Scheu-Menzer verwehrt sich dagegen, als Frau in eine Schublade gesteckt zu werden. "Anfangs haben meine Mitstreiter gelacht, wenn ich von meinem Bauchgefühl sprach. Heute verwenden sie selbst dieses Wort," Ute Jungmann-Hauff wies darauf hin, dass Frauen über das Kumulieren und Panaschieren von den hinteren Listenplätzen nach vorn rücken könnten. So sei zu überlegen, die Kreuzchen auf dem Wahlzettel nur bei Frauennamen zu setzen. Kerstin Kaminsky

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